DIE RACHE DER SCHWARZEN SPINNE

Die Rache der schwarzen Spinne
Earth vs. the Spider | USA | 1958
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Auf der Suche nach ihren vermissten Vater begibt sich Carol Flynn (June Kenney) in Begleitung ihres Freundes Mike (Eugene Persson) in eine verlassene Höhle. Dort treffen die beiden auf eine riesige Spinne, die Carols Vater dahingerafft hat. Flugs wird Sheriff Cagle (Gene Roth) alarmiert, der dem Vieh dann mit Unterstützung von Mr. Kingman (Ed Kemmer), dem örtlichen Pauker, auf die Pelle rückt.

Die Produzenten Samuel Z. Arkoff und James H. Nicholson hatten mit ihrer American International Pictures seit Anfang der 50er Jahre eine Menge an billigen Abenteuer- und Horror-Reißern produziert und eine Unmenge selbiger Ware vertrieben. Die beiden waren stets daran interessiert auf gewinnträchtige Züge aufzuspringen und die zu erwartende Anzahl an Moneten noch zu steigern, indem sie Studios kurzfristig anmieteten und mit sparsamen und unbekannten Filmschaffenden zusammenarbeiteten. Einen solchen fanden Arkoff und Nicholson dann 1958 in Person von Bert I. Gordon, dessen Werke DER KOLOSS (1957), ATTACK OF THE PUPPET PEOPLE (1958) oder GIGANT DES GRAUENS (1958) allesamt über AIP vermarktet wurden. Was lag da also näher, als den gerne auch als Mr. B.I.G. betitelten Regisseur auch mal selber mit einem (natürlich sehr überschaubaren) Budget auszustatten und ihm ein fixes Drehbüchlein in die Hand zu drücken, um einen weiteren Riesenmonster-Streifen auf den nach derartiger Unterhaltung gierenden Markt werfen zu können?

Mike: Was hast du?
Carol: Ach, es ist wegen Vater. Er ist nicht nach Hause gekommen heute Nacht.
Mike: Na, da brauchst du dich doch nicht gleich aufzuregen, er wird irgendwo versackt sein!

Gesagt, getan; und da es grundsätzlich einfacher ist, sich inspirieren zu lassen als selber Inspiration zu sein, warf das Autorenteam, bestehend aus Gordon selbst, László Görög und George Worthing Yates, der schon die Genre-Klassiker FORMICULA (1954) und DAS GRAUEN AUS DER TIEFE (1955) geschrieben hatte, einfach einen Blick in die Kino-Charts der letzten Jahre und entdeckt dort einen Film namens TARANTULA (1955). Und wenn ein Jack Arnold mittels riesiger Spinnen Erfolg haben kann, dann kann das ein Mr. B.I.G. erst recht. Immerhin ersannen die Herren Autoren dann aber abseits des Monstrums eine einigermaßen eigenständige Geschichte, auch wenn man die laue Teenager-Storyline nun wirklich nicht als spannend bezeichnen kann. Aber immerhin erfüllt sie ihren Zweck, auch wenn der lediglich daraus besteht, der Spinne (und deren Behausung) möglichst viel Screentime zu verschaffen. Der Rest des Plots sind epochentypisch naive Klischees und mäßig gelungene Versuche, den örtlichen Lehrer zum Helden zu machen.

Diese inhaltlichen Mankos wett zu machen, sind dann gleich zwei Ehepaare angetreten. Gordon brachte seine Ehefrau Flora ans Set und Effektspezialist Paul Blaisdell hatte ebenfalls seine Jackie im Schlepptau, sodass die Synergie aus Frauen- und Männerpower hier vollends walten konnte. Unter der Leitung dieser Vier entstanden so gelungene Aufnahmen von echten Spinnen, die dann überwiegend geschickt in das Bildmaterial hineinkopiert worden sind. Das Vorhaben, in den Carlsbad Caverns in New Mexico zu drehen war zwar leider nicht umsetzbar, aber einige vorsichtig gemachte Aufnahmen aus dem bekannten Höhlensystem haben es dann schließlich doch noch in den Film geschafft. Ergänzt werden diese dann durch rumpelige Setbauten, die mit den echten Höhlenaufnahmen vermischt werden. Des Weiteren gibt es noch ein paar animatronische Spinnenextremitäten und eine ausgesaugte Leiche zu sehen. Alles keine legendären Darbietungen aber doch allemal solide Genrekost.

Sheriff Cagle: Vorwärts Leute, jetzt geht’s rund!

Wie für die Zeit üblich, sind die Darsteller der Jugendlichen im Film alles, aber nicht jugendlich. Obwohl gerade Mitte 20 sehen sowohl June Kenney in der Rolle der Carol als auch Eugene Persson als Mike viel älter aus und lassen somit viel Raum für ungläubige Blicke beim Zuschauer. Ed Kemmer gibt als Art Kingman den stereotypen Helden und der seit den frühen 40er Jahren in diversen skurrilen Produktionen aufgetretene Gene Roth darf als Sheriff Cagle erstaunlich unkonventionell sein: so gibt es hier tatsächlich mal einen Bullen zu sehen, der sich um das Wohl seiner Mitmenschen kümmert, anstatt ihnen nur Verstand und Geist abzusprechen. Auch mal was Neues …
Alles in allem ist DIE RACHE DER SCHWARZEN SPINNE nun wirklich kein Meilenstein des Riesenmonsterkinos, sondern viel mehr ein idealtypisches Produkt der AIP: eine nette Idee wird hier kostengünstig, aber nichtsdestotrotz charmant umgesetzt und so zu einem Film, der keinen aus den Latschen haut, aber auch keinen langweilig. Solide Unterhaltung ist garantiert und als kleiner Monsterhappen zwischendurch ist der Streifen allemal brauchbar.

Kurz und schmerzlos: Kostengünstiger Riesenmonsterhorror, der zwar auf keiner Ebene irgendetwas Bahnbrechendes zu leisten vermag, aber trotzdem sehr solide Rumpel-Unterhaltung bietet. Eben kurz und schmerzlos!

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