DER PRINZ AUS ZAMUNDA

Der Prinz aus Zamunda
Coming to America | USA | 1988
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Prinz Akeem (Eddie Murphy) bekommt in Zamunda, dem Königreich seines Vaters Jaffe Joffer (James Earl Jones) alles, was er sich nur erträumen kann. Doch das, was er wirklich will, gibt es für ihn nicht: die Freiheit, seine Braut selbst zu wählen. Also flieht Akeem mit seinem Diener Semmi (Arsenio Hall) in Richtung USA, wo er sich schon bald in Lisa (Shari Haedley), die Tochter des Fastfood-Unternehmers Cleo McDowell (John Amos), verliebt. Doch um sich ihrer Liebe auch wirklich sicher sein zu können, verschweigt ihr Akeem seine royale Herkunft …

 

Regisseur John Landis und Quasselstrippe Eddie Murphy hatten 1983 mit DIE GLÜCKSRITTER einen riesigen Erfolg verbucht, der vor allem für letzteren einen der entscheidenden Schritte auf der Karriereleiter darstellen sollte. 1982 mit NUR 48 STUNDEN gestartet, bahnte sich Murphy über DIE GLÜCKSRITTER den Weg zu seiner Paraderolle in BEVERLY HILLS COP – ICH LÖS‘ DEN FALL AUF JEDEN FALL (1984). Es folgten AUF DER SUCHE NACH DEM GOLDENEN KIND (1986) und BEVERLY HILLS COP II (1987), bevor Landis und Murphy wiederzusammentreffen sollten, um ihr Konzept von 1983, das unvermittelte Aufeinanderprallen zweier Welten/Kulturen, noch einmal durchzuexerzieren.

Akeem: Ich will eine Frau haben, die sowohl meinen Intellekt als auch meinen kleinen Prinzen anspricht!

Da er sich bei BEVERLY HILLS COP II bereits an der Drehbucharbeit versucht hatte, stieß Murphy dann auch dieses Mal zur Autorschaft hinzu, die darüber hinaus aus Barry W. Blaustein und David Sheffield, die zuvor zusammen diverse Fortsetzungen der POLICE ACADEMY-Reihe geschrieben hatten, bestand. Zusammen erschufen die drei dann eine Geschichte, die sich wie erwähnt eng an DIE GLÜCKSRITTER orientiert, dabei jedoch mehr die kulturellen als die sozialen Disparitäten in den Blick nimmt. Unrühmliche Ehre erlangten die Drehbuchautoren dann 1990, als der Autor Arthur Buchwald gegen Paramount Pictures prozessierte, da die Idee zum Filmskript ohne seine Erlaubnis einem seiner Werke entnommen worden war.

 

Aber auch abseits derart justiziabler Verhängnisse kann man dem Drehbuch einige Ecken und Kanten nachweisen. Stellt sich die Exposition und Akeems Eintritt in die Gesellschaft der USA der späten 80er Jahre noch als pointierter Spaß voller toller Einfälle heraus, verliert der Film danach irgendwie sein Ziel aus den Augen und trudelt als Romantik-Komödie mit verklärtem Sozialblick dem flachen Finale entgegen. Zu vorhersehbar, zu idealtypisch entwickelt sich die Beziehung zwischen Akeem und Lisa, die zwischenzeitliche Krise ist mehr der klassischen Aktstruktur als dem Spannungsbogen geschuldet. Darüber hinaus verklärt der Film die – fünf Jahre zuvor noch unglaublich präzise aufgegriffenen – sozio-ökonomischen Probleme der USA gänzlich und stellt Armut und Perspektivlosigkeit als lustigen Spaß voller romantischer Eskapaden dar.

Jaffa: Du siehst also mein Sohn, Liebe und Unwohlsein liegen recht dicht beieinander.

Die Darstellung der kulturellen Unterschiede sich dann konsequent dem (abfallenden) Verlauf des Spannungsbogens an. Nach der erwähnt großartigen Exposition erforschen Akeem und Semmi ein Land, welches ihnen dutzende Fragen aufgibt und sie immer wieder in skurrile Situation drängen. Wenn Akeem dann Flüche schmetternd auf dem Balkon steht, in der Meinung, seinen Mitmenschen einen freundlichen Gruß zukommen zu lassen, funktioniert das auch ganz prächtig. Leider lassen diese humorigen Missverständnisse aber schnell nach und ehe man sich versieht, bewegen sich Akeem und Semmi geschickt – ja berechnend – durch die neue Umgebung. Eine tiefe Abneigung gegen etwaige unredliche oder im Grundsatz falsche Strukturen (wie noch im nun oft genug erwähnten DIE GLÜCKSRITTER) bleibt völlig aus, stattdessen gehen die beiden gänzlich in ihrer neuen Umgebung auf. Auch das ist ein Grund, warum das überhastet angefügte Finale ebenso wenig folgerichtig wie durchdacht wirkt.

 

Immerhin bietet Eddie Murphy, der dieses Mal in gleich vier Rollen auftritt, wieder einigen Grund zum Schmunzeln, auch wenn er hier deutlich gemäßigter auftritt als noch ein paar Jahre zuvor. Sein Partner Arsenio Hall bekommt dabei erstaunlich viel Raum zugesprochen, den er auch entsprechend zu nutzen versteht; seine – ebenfalls vierfache – Darbietung steht der von Murphy in nichts nach. James Earl Jones, seit seinem Auftritt als Thulsa Doom in CONAN – DER BARBAR (1982) unsterblich, darf hier den auffällig beleibten König Jaffa Joffer geben und John Amos überzeugt als kleinkarierter Emporkömmling Cleo. Shari Haedley bleibt als Love-Interest Lisa leider blass und ebnete sich so den Weg für eine Karriere im US-amerikanischen Fernsehbetrieb. Auffällig ist noch die hohe Dichte an hochkarätig besetzten Nebenrollen: Samuel L. Jackson als Bankräuber, Cuba Gooding Jr. als Friseurgast oder auch diverse spätere TV- und Porno-Sternchen als Badenixen geben hier frühe Zeugnisse ihres späteren Könnens ab.

Jaffa: Dieser Trip ist eine fabelhafte Idee! Vierzig Tage exzessive Ausschweifungen.

Letztlich stellt DER PRINZ AUS ZAMUNDA also einen Film dar, der mit einigen guten Ideen antritt, deren durchaus vorhandenes Potenzial aber weitgehend ungenutzt lässt. Je weiter der Film voranschreitet, desto mehr entwickelt er sich zu einer weichgespülten Romantik-Komödie, die jeglichen Biss vermissen lässt. Diese Entwicklung kann man übrigens auch leicht auf die Karriere des John Landis übertragen, der mit KENTUCKY FRIED MOVIE (1977), BLUES BROTHERS (1980) oder AMERICAN WEREWOLF (1981) ganz groß startete, um dann beginnend mit den 90er Jahren einige mehr als nur durchwachsene Werke abzuliefern. DER PRINZ AUS ZAMUNDA stellt eine wundervolle Essenz dieser Entwicklung und den Anbeginn der künstlerischen Abstiegs Landis‘ dar. Leider.

 

Nach einem furiosen Beginn verliert der Streifen leider seine Qualitäten aus den Augen und wird zur ebenso vorhersehbaren wie belanglosen Romantik-Komödie. Schlimmer noch wiegt aber die oberflächliche Verklärung sozialer Schieflagen, die das Schicksal des Streifens letztlich besiegelt. Da können auch manch tolle Augenblicke nichts mehr retten.

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Eine Antwort zu “DER PRINZ AUS ZAMUNDA

  1. Pingback: BEVERLY HILLS COP III | SPLATTERTRASH·

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