STAR WARS: EPISODE II – ANGRIFF DER KLONKRIEGER

Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger
Star Wars: Episode II – Attack of the Clones | USA | 2002
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem Senatorin Padmé Amidala (Natalie Portman) beinahe einem Attentat auf Coruscant zum Opfer fällt, wird der Jedi Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) damit beauftragt, den Attentäter ausfindig zu machen, während sein Padawan Anakin (Hayden Christensen), den Auftrag erhält, Amidala auf ihrem Heimatplanet Naboo in Sicherheit zu bringen. Doch dunkle Mächte sorgen schon bald dafür, dass weder das eine, noch das andere zufriedenstellend funktioniert …

Während sich George Lucas‘ Stammproduzent Rick McCallum bereits wenige Wochen nach dem fulminanten Start von STAR WARS: EPISODE I – DIE DUNKLE BEDROHUNG (1999) auf die Suche nach Drehorten für die Fortsetzung machte, setzte sich Lucas selbst in einen gemütlichen Stuhl auf seiner Skywalker Ranch und begann mit der Arbeit am Drehbuch. Und obgleich die grobe Storyline natürlich bereits feststand, erwies sich diese Arbeit doch als anstrengender als erwartet. So kam es dann auch, dass sich Lucas nach der Versuche dreien an den britischen Autoren Jonathan Hales wandte, der bereits diverse Bücher für die TV-Adaptionen des INDIANA JONES geschrieben hatte. Hales überarbeitete Lucas‘ Entwurf dann mehrfach, bevor dieser selbst noch einmal Hand anlegte und das fertige Drehbuch schließlich nur drei Tage vor Drehbeginn auf dem Tisch des Verleihers 20th Century Fox landete (die Produktion nahm Lucas‘ Lucasfilm erneut auf die eigenen Schultern).

C-3PO: Du meine Güte, schalt mich ab! Maschinen erschaffen Maschinen …

Ähnlich wie beim Übergang von KRIEG DER STERNE (1977) zu DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980) ging es auch dieses Mal wieder darum, eine etablierte Welt und deren Figuren nun in eine raumgreifende Geschichte einzuarbeiten. Die Story wird also von Anfang an sehr umfassend angelegt und konfrontiert den Zuschauer mit zahlreichen Schauplätzen und Handlungsfäden. Zusammen mit der ohnehin hohen Zahl an wichtigen Charakteren (einzig die Präsenz von Jar Jar Binks wurde nach der vernichtenden Resonanz der Fans auf ein Mindestmaß zurückgeschraubt) entsteht so ein durchaus komplexes Netz an Geschehnissen. Dass der Film es sich zudem nicht nehmen lässt, im Gegensatz zu dem dahingehend eher zurückhaltenden STAR WARS: EPISODE I – DIE DUNKLE BEDROHUNG auch zahlreiche – mal mehr, mal weniger explizite – Verweise auf die erste Trilogie einzubauen, macht es unbedarften Zuschauern nicht einfacher, der Geschichte zu folgen. Wachsamkeit ist auf jeden Fall von Nöten, wenn man all die kleinen Details und Verbindungen erkennen möchte ohne gleichzeitig das große Ganze aus den Augen zu verlieren.

Die nötige Wachsamkeit ist aber leider mitnichten eine reine Folge von Komplexität und Umfang des Dargebotenen, sondern leider auch eine von Unübersichtlichkeit und Inkonsequenz. Wie schon drei Jahre zuvor schafft es der Film über weite Strecken nicht, sich seiner Hauptcharaktere klar zu werden. Immerhin treten Anakin und Amidala nun deutlich ins Zentrum der Geschehnisse, aber es bleibt doch ein stetiger Wechsel zwischen den Protagonisten zu verzeichnen. Das mag der Weite der Geschichte und der von Lucas angestrebten Monumentalität gerecht werden, sorgt jedoch gerade bei eher unbedarften Zuschauern sicherlich immer wieder für gerunzelte Stirnpartien.

Obi-Wan Kenobi: Denke immer daran: diese Waffe ist dein Leben.

Auch die Zeichnung des Pärchens Amidala/Anakin hätte fürwahr etwas feingliedriger ausfallen dürfen. Lucas entschied sich nach einem äußerst umfangreichen Casting (rund 1.500 Darsteller und über 400 Probeausnahmen waren von Nöten) für den bisher vornehmlich durch kleinere TV-Rollen bekannten Kanadier Hayden Christensen, der den um zehn Jahr gealterten Anakin geben darf. Im Zusammenspiel mit der erneut von Natalie Portman gegebenen Amidala überzeugt dessen Anakin jedoch nicht immer. Zu früh wird seine Tendenz zur dunklen Seite deutlich, zu regelmäßig blitzt diese auf, zu intensiv steht sie im Vordergrund. Einzig die durch die Bindung zu Amidala herbeigeführte Beruhigung Anakins, nachdem er bereits die Sandleute niedergemacht hat, lockert diese allzu gradlinige Entwicklung kurzzeitig – wenn auch nicht entscheidend – auf.

Auch die Beziehung zwischen Anakin und Ewan McGregors Obi-Wan Kenobi leidet unter der allzu forschen Inszenierung des Padawan. McGregor erhält so nur selten die Option, einen reifen und erfahrenen Meister zu geben, viel zu oft, verliert er Wortgefechte gegen seinen Zögling. Das mag inhaltlich zwar begründbar sein, immerhin musste Obi-Wan Anakin notgedrungen zu seinem Padawan machen und schließlich ist selbiger einer der mächtigsten Jedi aller Zeiten, aber für die Charakterzeichnung bleibt es trotzdem unzuträglich. Immerhin erhält der Film aber neben den bekannten Besetzungen wie Ian McDiarmid als Palpatine, Kenny Baker als R2-D2, Anthony Daniels als C-3PO oder Samuel L. Jackson als Mace Windu mit Christopher Lee eine echte Bereicherung. Es ist schon erstaunlich, wie selbstverständlich sich die britische Horrorlegende auch in einem vornehmlich digital produzierten Science-Fiction-Spektakel zurechtfindet.

Django Fett: Ich bin nur ein einfacher Mann, der versucht seinen Weg im Universum zu gehen.

Im Gegensatz zum Vorgänger entstand der Film nämlich als einer der ersten überhaupt gänzlich auf digitalem Filmmaterial. Lucas hatte die Nachdrehs zum ersten Teil bereits auf diese Weise erledigt und war seitdem völlig vom Sinn dieser Technik überzeugt. STAR WARS: EPISODE II – ANGRIFF DER KLONKRIEGER setzte also technisch gesehen neue Maßstäbe, was vor allem den Effektspezialisten entgegenkam, da diese nun sämtliche Effekte direkt in das Ausgangmaterial einarbeiten konnten – und das nicht zu knapp. Quasi keine Einstellung kommt ohne Nachbearbeitung aus, fast alle Sets bestanden nur aus rudimentären Requisiten, der absolute Großteil der Ausstattung wurde nachträglich eingefügt. Das sorgt natürlich für einen sehr artifiziellen Look, ermöglicht es dem Effektspezialisten im Hause Industrial Light & Magic aber gleichzeitig, eine nie dagewesen Bandbreite an Settings und Welten zu kreieren. In Verbindung mit den realen Außendrehorten in Tunesien, Italien und Spanien entsteht so ein abwechslungsreiches Design, welches aufgrund seiner hohen CGI-Anteile natürlich nicht jedermanns Geschmack darstellen dürfte, unabhängig davon aber durchaus zu überzeugen vermag.

Der Rest ist ein buntes Gemisch aus Action und Komödie, welches Lucas immer wieder mit einigen überschwänglichen Albernheiten und Sentimentalitäten ausstaffiert. John Williams steuerte mal wieder ein paar Neuinterpretation und -arrangements bekannter Stücke bei und so schafft es der Film – wie schon sein Vorgänger – an gewissen Punkten tatsächlich wieder, echtes STAR WARS-Feeling aufkommen zu lassen. Dass das freilich nicht ständig funktioniert ist den zahlreichen kleinen Unwägbarkeiten und Selbstverliebtheiten geschuldet, die Lucas seinem Werk angedeihen ließ.

Yoda: Das Leichentuch der dunklen Seite gefallen ist, begonnen der Angriff der Klonkrieger hat!

Diese hielten jedoch die zahllosen STAR WARS-Fans auf aller Welt nicht davon ab, diesem Film die gebotene Aufmerksamkeit zu Teil werden zu lassen. Doch während STAR WARS: EPISODE I – DIE DUNKLE BEDROHUNG mit einem weltweiten Einspielergebnis von mehr als einer Milliarde US-Dollar noch alle Erwartungen übertraf, sollte STAR WARS: EPISODE 2 – ANGRIFF DER KLONKRIEGER mit rund 650 Millionen US-Dollar deutlich mäßiger abschneiden. In Anbetracht von rund 110 Millionen US-Dollar Budget war er jedoch trotzdem ein immenser Erfolg, den auch Kritiker und Zuschauer überwiegend positiv aufnahmen. Die Enttäuschung nach dem Vorgänger war bereits verdaut und man nahm die neue STAR WARS-Trilogie als das auf, was sie tatsächlich auch darstellt: wahrlich keine perfekte, aber immerhin überwiegend gelungene Unterhaltung innerhalb eines altbekannten und -beliebten Universums. Und am Horizont zeichnete sich in Form von STAR WARS: EPISODE III – DIE RACHE DER SITH (2005) ja schon der pompöse Abschluss der neuen Trilogie ab …

Der zweite Teil der neuen Trilogie macht da weiter, wo der Vorgänger aufhörte: er bietet durchaus ordentliche STAR WARS-Unterhaltung mit den bekannten Stärken und Schwächen. Denn den –zugegebenermaßen wenigen – Momenten, in denen der Film seine Zuschauer an ihrem Fan-Herz zu packen vermag, gelingt es immer wieder, die unübersichtliche Story und das Charakter-Wirrwarr aufzuwiegen.

Eine Antwort zu “STAR WARS: EPISODE II – ANGRIFF DER KLONKRIEGER

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