TANGO & CASH

Tango & Cash
Tango & Cash | USA | 1989
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die beiden Cops Ray Tango (Sylvester Stallone) und Gabriel Cash (Kurt Russell) haben, außer dass sie beide in Los Angeles arbeiten, eigentlich nichts gemeinsam. Doch eines Tages verschlägt es sie nicht nur in denselben Fall, sie werden auch zusammen Opfer einer Intrige des gewieften Gangsterbosses Yves Perret (Jack Palance). Und ehe sich die beiden Draufgänger versehen, stecken sie schon zusammen im Knast …

Obwohl schon 1982 in Form von Walter Hills NUR 48 STUNDEN quasi formvollendet, sollte doch erst Richard Donners ZWEI STAHLHARTE PROFIS – LETHAL WEAPON (1987) das Genre des Action-Cop-Buddy-Movies vollends ausdefinieren. Mel Gibson und Danny Glover waren die perfekte Mixtur aus lockerer Unterhaltung und brachialer Action und spätestens 1989 sollte dieser Stil mittels der Fortsetzung BRENNPUNKT L.A. (1989) auch noch die nötige Portion Humor erhalten. Und da John McTiernans STIRB LANGSAM (1988) just im selben Jahr ein großes Ausrufezeichen hinter die Novellierung des Action-Genre setzte, ersann auch Regisseur Andrei Konchalovsky das Vorhaben, seine eigene Variante des Bullen-quatschen-sich-durch-den-Fall-Reißers zu schaffen. Doch die von Warner Brothers mit letztlich rund 55 Millionen US-Dollar (anfangs plante man noch mit 30 Millionen) ausgestattete Produktion sollte alles andere als reibungslos verlaufen.
Denn Konchalovsky gedachte von Anfang an, das Drehbuch aus der Feder von Randy Feldman eher düster und ernst umzusetzen. Dies stieß jedoch bei Produzent Jon Peters auf keinerlei Gegenliebe, sodass dieser Kochalovsky ziemlich zügig vor die Tür setzte und stattdessen Albert Magnoli, der 1984 den Musikfilm PURPLE RAIN mit Prince in der Hauptrolle gedreht hatte, an Bord holte. Hauptdarsteller Sylvester Stallone gefiel das wiederum gar nicht, war er doch der Meinung, dass Konchalovsky der einzige am Set sei, der die Produktion am Erdboden hielt. Um sich aber nicht nachsagen lassen zu müssen, niemanden gefeuert zu haben, schmiss Sly dann Kameramann Barry Sonnenfeld raus, während Patrick Swayze seine Teilnahme am Projekt absagte und stattdessen Kurt Russell ins Boot hüpfte.

Tango: Hau ab, das ist mein Fall!
Cash: Wieso ist das dein Fall?
Tango: Weil ich an der Sache schon seit sechs Monaten dran bin.
Cash: Da kannst du mal sehen wie dumm du bist. Ich bin an der Sache ‘ner halben Stunde dran und bin genau so weit wie du.

Da waren sie nun, zwei Action-Heroen der 80er Jahre. Kurt Russell war seit DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) groß im Geschäft und hatte zuletzt mit John Carpenters Sause BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) und Gary Marshalls Komödie OVERBOARD – EIN GOLDFISCH FÄLLT INS WASSER (1987) gepunktet. Stallone hingegen hatte sich mit ROCKY– und RAMBO-Fortsetzungen durch die 80er gekloppt und war zuletzt in DIE CITY-COBRA (1986) und OVER THE TOP (1987) zu sehen gewesen. Nun braucht es für ein gelungenes Buddymovie aber nun mal gegensätzliche Charaktere, so dass Autor Feldman aus Stallone kurzerhand einen (zunächst) anzugtragenden Gentleman macht, während Russell im Unterhemd durch die Gegend pöbelt. Aber auch dieses Konzept wird nach kurzer Zeit aufgegeben und die beiden mimen Seite an Seite in ihren Paraderollen vor sich hin.

Diese Simplizität findet sich auch in allen anderen inhaltlichen Bereichen wieder, seien es nun die Handlung, der Spannungsbogen oder das Setting. Alles ist so simpel wie möglich, um dem Kerngeschäft genügend Raum zu lassen; das besteht natürlich aus Action und flotten Sprüchen. Hinter diesem Duett steht alles andere zurück, was den Film auf einen simplen Sprint in Richtung Ziel reduziert. Es gibt keine Geheimnisse, keine Tricks, keine Wendungen und keine Überraschungen – alles ist so wie es scheint. Gut und böse, schwarz und weiß, dumm und dümmer. Jegliche moralische oder ethische Ebene fällt dabei natürlich von vorneherein weg.
So ist ein Weg für unkomplizierte Action bereitet und der Film beschreitet diesen ohne langes Federlesen. Mit rüden bis illegalen Mitteln bearbeiten die beiden Bullen den Fall, was de facto bedeutet, dass sie jeden erschießen, der sich ihnen in der Weg stellt. Die übrigen Ermittlungen bleiben derart oberflächlich, dass es eine wahre Pracht ist. Polizeiarbeit besteht in dieser Welt nur aus dummen Fragen und coolen Sprüchen und endet immer in einer von zahlreichen Explosionen begleiteten Schießerei.

Cash: Was sagst du dazu?
Tango: Dass du mit deinem IQ auch unbewaffnet noch sehr gefährlich bist.

Dabei beweisen Konchalovsky respektive Magnoli überwiegend Geschick, sind diese Sequenzen doch durch die Bank gut anzusehen. So entsteht letztlich ein Film, der ihm Gegensetz zu seinen Genrekollegen jener Tage gar nicht erst versucht, das schlechte Image, das der Actionfilm dank zahlreichen Billigproduktionen in den 80er erworben hat, zu verleugnen oder zu übertünchen. Ganz im Gegenteil: das hier ist die Big Budget-Variante all der kostengünstigen und amoralischen Reißer, die in den 80er Jahren die Videothekenregale füllten. Und die Beteiligten haben sogar nicht Spaß dabei!
Neben den Herren Stallone und Russell, deren Wortgefechte hier von der ersten bis zur letzten Szene ebenso platt wie unterhaltsam daherkommen, gibt Teri Hatcher eine ihre ersten Darbietungen ab, die hier natürlich der allgemeinen Filmausrichtung folgend sehr platt ausfällt. Als weitgehend meinungsloses Streitobjekt zwischen den Herren der Schöpfung positioniert, gewinnt sie wahrlich keinen Blumentopf. Da macht Altstar Jack Palace als Antagonisten-Stereotyp Yves Perret schon mehr Spaß und Brion James, der 1982 den Leon Kowalski in DER BLADE RUNNER gab, darf als mutmaßlich mit deutschen Pass ausgestatteter Sadist Requin unterhalten.
TANGO & CASH ist genau die Sorte Film, die in den Jahren zuvor zu hunderten mit reißerischen VHS-Covern um die Gunst des Publikums warb. Nur sein namhafter Cast und die mehr als 50 Millionen US-Dollar Budget ordnen ihn qualitativ zwei, drei Schubladen weiter oben ein. Das hier ist billige Unterhaltung auf hohem Niveau, beziehungsweise hohe Unterhaltung auf billigem Niveau. Und wenn man nun über diesen Gegensetz nachdenkt, dann verbraucht man schon mehr Hirnschmalz, als es für eine Sichtung dieses Streifens bedarf. Auf geht’s!

Was das Actiongenre in den 80ern in Verruf brachte, wird hier hochbudgetiert zelebriert: Inhaltsbefreite Actionunterhaltung mit einer Flut an flotten Sprüchen und keinerlei moralischen oder inhaltlichen Spielverdebereien.

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