DER GRENZWOLF

Der Grenzwolf
Borderline | USA | 1980
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als der US-Grenzpolizist Jeb Maynard (Charles Bronson) in einem Mordfall an einem Kollegen ermittelt, stößt er dabei zufällig auf einen großen Menschenschmugglerring, der unter der Führung des Ex-Soldaten Hotchkiss (Ed Harris) Menschen in die USA schmuggelt, um diese dann unter unwürdigen Bedingungen arbeiten zu lassen.

In den 70ern erlebte Charles Bronson eines seiner erfolgreichsten Jahrzehnte, während seine Popularität dann in den 80er Jahren stetig schwinden sollte, da Herren wie Schwarzenegger, Stallone oder Willis die Action-Zügel in die Hand nahmen. An genau der Grenze zwischen diesen beiden Epochen wirkte Bronson folgerichtig in Jerrold Freedmans DER GRENZWOLF mit, in dem seine Rolle deutlich zurückgenommener und nachdenklicher wirkt, als es – auch in die 80er hinein – beispielweise in der erfolgreichen DEATH WISH-Reihe der Fall war. Diesen Film als Vorankündigung zu lesen wäre zwar sicherlich falsch (und würde ihn bedeutender erscheinen lassen, als er es verdient), aber ein kleiner Wink bleibt er dann doch.
Jerrold Freedman, der zuvor mit einer Handvoll TV-Filmen erste Erfahrungen gesammelt hatte, inszeniert Bronsons Rolle als US-Grenzpolizist Jeb Maynard nämlich sehr zurückhaltend. Der Tod seines Kollegen löst eine langwierige Ermittlungsarbeit aus, im Zuge derer sich Maynard auch in die Rolle der mexikanischen Einwanderer hineinversetzt. Diese Szenen wirken zwar überwiegend konstruiert und oberflächlich, bieten aber trotzdem eine Alternative zu Bronsons sonstigen Darbietungen. Das Maynard trotz der fehlenden körperlichen Betätigungen ein einsilbiger und nachdenklicher Mann ist, entspricht dann jedoch wieder Bronsons Stereotyp.

Lydell: Wir müssen nur an das System glauben, das System funktioniert!

Leider schafft es das Skript von Freedman und Steve Kline aber kaum, die heiße Thematik gründlich zu erarbeiten. Viel zu oft bleibt die Auseinandersetzung mit der Immigrations-Situation zwischen Mexiko und den USA in den 70er und 80er Jahren nur an der Oberfläche. Eine Position nimmt der Film nicht ein, viel mehr verlegt er sich darauf, eine diffuse Verbindung aus Schmugglern und Industriellen als Antagonisten aufzubieten. Die wahren Gründe für Ein- und Auswanderungen bleiben unberührt. Hier verschenkt der Film sein Potenzial, was in der müden Post-Final-Erläuterung noch einmal mehr als deutlich wird.

Bis dahin inszeniert Freedman die beiden Handlungsstränge – zum einen Bronsons Suche nach dem Mörder seines Kollegen, zum anderen die Machenschaften der Menschenhändler – weitestgehend aneinander vorbei. Erst spät finden die beiden Fäden zueinander und das sich anschließende Finale entschädigt dann nur teilweise für die lange Zweispurigkeit des Films. Davon ab schafft es Freedman aber immer wieder, die optisch nicht allzu spektakuläre Grenzregion zwischen den USA und Mexiko gelungen darzustellen und mittels zahlreichen Nachaufnahmen Stimmung und Glaubwürdigkeit zu schaffen.

Scooter: Tomates! Möchte wissen, ob der außer Tomaten auch noch was anderes transportiert. Da sind sicher auch ‘nen paar verbotene Früchte dabei.

Neben Bronsons wie erwähnt eher ruhigem Auftritt, darf der spätere Hollywood-Nebenrollen-Star Ed Harris hier als facettenloser Bösewicht Hotchkiss debütieren. Hier wird die Möglichkeit verschenkt, den Antagonisten mit Beweggründen auszustatten, vielmehr beschränkt sich dessen Motivation auf eine Mischung aus Geldgier und Vietnam-Vergangenheit. TV-Darstellerin Karmin Murcelo darf als klischeebehaftete Mexikanerin Elena Morales die Großzügigkeit Maynards erleben und Michael Lerner und Kenneth McMillan mimen als profit-orientierte Großfarmer ebenfalls ordentlich.
Es bleibt letztlich die allzu oberflächliche Behandlung dieses wichtigen Themas, welche den Film zu grauem Mittelmaß werden lässt. Die Thematik scheint beliebig austauschbar, ohne die Morduntersuchungen Maynards wirklich zu beeinflussen. Ob hier am Ende Menschen, Drogen oder Tomaten geschmuggelt werden, macht kaum einen Unterschied, solange am Ende der Mord an dem guten Scooter aufgeklärt wird.

Da der Film seine Thematik kaum ernstnimmt und sie lediglich als Hintergrund für Bronsons Ermittlungen nutzt, scheitert er quasi an sich selbst. Hier wäre viel möglich gewesen, doch Freedmans augenscheinlicher Unwille, Position zu beziehen, macht den Film – von Bronsons sich abzeichnendem Abstieg abgesehen – zu einem weitgehend belanglosen Thrillerfilmchen.

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