DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE

Die Nacht der rollenden Köpfe
Passi di danza su una lama di rasoio | Italien/Spanien | 1972
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem Kitty (Nieves Navarro) zufällig einen Mord beobachtet hat, erfährt sie, dass Inspektor Merughi (George Martin) bereits in einem zweiten, ähnlich gelagerten Mordfall ermittelt. Und plötzlich steht auch schon Kittys Mann Alberto (Robert Hoffmann) im Zentrum der Ermittlungen, in die auch die Reporterin Lidia (Anuska Borova) verwickelt ist. Um seine Unschuld zu beweisen, führt Alberto fortan selbstständig Untersuchungen durch …

Der italienische Regisseur Maurizio Pradeaux sollte es in 23 Jahren filmischen Schaffens auf gerade einmal sieben Regiearbeiten bringen, von denen keine heute übermäßig im Rampenlicht steht. Sein bekanntestes Werk dürfte die Giallo-/Horror-Mixtur DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE sein, mit der Pradeaux auf den von Dario Argento kurz zuvor mittels DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (1970), DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE (1971) und VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT (1971) gestarteten Giallo-Zug aufspringen wollte. Für das Drehbuch holte sich Pradeaux die Unterstützung der Herren Alfonso Balcázar, Arpad DeRiso sowie seines Darsteller George Martin. Doch der Versuch, sich an dem argento’schen Konzept von Kriminalgeschichte und Bildästhetik zu orientieren, sollte Pradeaux nur sehr schwerlich gelingen.
Dabei hält sich die Storyline inhaltlich eng an die großen Vorbilder, scheitert jedoch an der völligen Zusammenhanglosigkeit der einzelnen Elemente. So wird dann selbst der finale Twist zu einer überraschungslosen, da gänzlich willkürlichen Darbietung. Dass zwischendurch der Polizeichef (der ansonsten gar nicht vorkommt) bei einer Undercover-Aktion auf dem Straßenstrich der Herumhurerei überführt wird, wirkt da wie eine Zusammenfassung all der Unsinnigkeiten und Ungereimtheiten, die der Film im Laufe seiner Spielzeit auf den Betrachter loslässt.

Alberto: … das kann sie fast so gut wie Liebe machen!

Formal klauen Pradeaux und Kameramann Jaime Du Casas, der ein Jahr zuvor das Spencer/Hill-Vehikel FREIBEUTER DER MEERE (1971) fotografierte, ebenfalls fleißig bei der Standardwerken und machen dabei eine durchschnittliche Arbeit. Das schmale Budget verhindert zwar ganz große Augenblicke, aber die vorhandenen Sets fängt Deu Casas ganz trefflich ein. Viele Nachtaufnahmen und ein ebenfalls bei Argento geborgter Koffer voller Rasierklingen bedienen darüber hinaus die gängigen Genreinteressen; gleiches gilt für die vorkommenden Messer, Handschuhe, Mäntel und Phallussymbole. Dass man die zahlreichen Erotikszenen allerdings derart platt und unerotisch darbieten muss, schmälert den ansonsten ordentlichen Eindruck der Handarbeit wieder etwas. Gleiches gilt für Roberto Pregadios eher leiernden Score.

Leider gehört zu den Schwächen des Skripts dann auch ganz klar die Figurenzeichnung, kommt doch keine der Figuren über Nebenrollenformat hinaus. Weder der vom österreichischen Qualitätsmimen Robert Hoffmann gegebene genretypischen Privatmann Alberto, der zu natürlich zu privaten Ermittlungen gezwungen wird, noch Nieves Navarro, die im selben Jahr in SO SCHÖN – SO NACKT – SO TOT (1972) oder DIE FARBEN DER NACHT (1972) ungleich gelungenere Rollen bekleiden durfte, als dessen Herzensdame Kitty. Auch der Spanier George Martin und die Russin Anuska Borova kommen leider nicht gegen die blasse Charakterzeichnung ihrer Rollen an und so vermag auch das Schauspiel nichts an der puren Durchschnittlichkeit dieses Film zu ändern.

Alberto: Guten Morgen, Sie sind ja pünktlich!
Merughi: Rein zufällig.

Wahrlich schlecht macht all das – sowie die durchaus zahlreichen brutale Morde, die der Streifen seinem Zuschauer entgegenschleudert – DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE nun auch wieder nicht, aber es erscheint nach der Sichtung nur allzu nachvollziehbar, warum Maurizio Pradeaux heute zu den unbeachteten unter der italienischen Genreregisseuren zählt: mehr als das bloße Wiederholen bekannter Elemente auf durchschnittlichem Niveau ist hier leider nicht drin und so muss der Streifen wohl oder übel einen Platz in den hinteren Genrereihen einnehmen.

Bekannte Genreversatzstücke werden hier mehr schlecht als recht aneinandergereiht und mit einer hanebüchenen Geschichte sowie blassen Charakteren abgerundet; also wahrlich kein Giallo, den man gesehen haben muss.

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