SOS RAUMSCHIFF

SOS Raumschiff
The Invisible Boy | USA | 1957
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Wissenschaftler Tom Merrinoe (Philip Abbott) hat einen Supercomputer geschaffen, der der Menschheit die Raumfahrt erleichtern soll. Doch da sein Sohn Timmie (Richard Eyer) nicht der hellste Kopf ist, schließt Tom ihn auch gleich an den allwissenden Rechner an, was seinen Sprössling zu einem Genie macht. Was die beiden jedoch nicht ahnen: der Computer hegt ganz eigene, höchst finstere Pläne …

Der Produzent Nicholas Nayfack hatte 1956 für Metro-Goldwyn-Mayer den Science-Fiction-Klassiker ALARM IM WELTALL produziert, der über ein für damalige Verhältnisse sehr umfangreiches Budget verfügte. Zwar spielte der bahnbrechende Reißer dieses auch wieder ein, doch da allein die Konstruktion des Roboters Robby, des heimlichen Hauptdarstellers, ungefähr 125.000 US-Dollar gekostet hatte, war man bei MGM daran interessiert, weiteres Geld mit Hilfe dieser Requisite zu verdienen. Bevor man die Blechbüchse aber in allerlei US-amerikanischen Serienformaten verramschte, gönnte man dem sympathischen Elektronenhirn einen Auftritt in einem weiteren Spielfilm.
Dazu engagierte man erneut den Drehbuchautoren Cyril Hume, der bereits das Skript zu oben genanntem Werk angefertigt hatte. Aus Kostengründen – der Film sollte schließlich in erster Linie Geld einbringen – zwang man Hume aber ein enges inhaltliches Korsett auf, welches allzu forsche Vorstöße ins Weltall untersagte. Der ersann daraufhin ein relativ klassisches 50er-Bedrohungs-Szenario, welches mit ein wenig Technologie-Angst versetzt und auf der Erde angesiedelt wird. Die Russen dienen natürlich als omnipräsenter Bedrohungszustand, der die Forschung an Weltalltechnologien und somit auch dem Supercomputer, unentbehrlich macht. So weit, so bekannt.

Tom: Timmie, jetzt hör‘ genau zu. Du hast ausreichend Wasser, Essen und Luft. Du musst jetzt nur ungefähr ein Jahr Geduld haben und wir schicken eine andere Rakete, die dich nach Hause bringt.

Der Kniff (wahlweise auch die Besonderheit, das Missgeschick oder das Kuriosum) des Films besteht dann in dem Umstand, dass mittels des Charakters Timmie eine sehr kindgerechte Ebene eingebracht wird. Der damals 12-jährige Kinderstar Richard Eyern darf in dieser Rolle nach Herzenslust herumalbern und im unsichtbaren Zustand kindische Scherze vollführen. Diese sehr kindgerechten Szenen stehen den eher ernsten Technologie-Thriller-Szenen allerdings allzu kontrastreich gegenüber, sodass sich der Film über weite Strecken sehr schwer damit tut, einen gleichmäßigen Ton zu finden. Erst gen Ende überwiegt der ernste Aspekt, was die Stimmung dann augenblicklich ansteigen lässt.

Robby verkommt in diesem Film übrigens zum blassen Sidekick, der obendrein vom bösen Supercomputer beherrscht wird. Dass er dann im Finale doch Gefühle zeigt, entschädigt zwar ein wenig, doch mit der genialen Darbietung aus ALARM IM WELTALL kann Robby diesmal wahrlich nicht mithalten; obendrein ist die Erklärung, warum er viele hundert Jahre vor der Handlung von ALARM IM WELTALL auf der Erde herumsteht, mehr als dürftig. Die menschliche Darstellerschaft kommt ähnlich blass daher und wird mit Philip Abbott von einem bekannten US-Seriendarsteller jener Tage angeführt. Zusammen mit Diane Brewster entsteht so ein stereotypes Elternpaar, dass alle Erziehungs- bzw. Familienklischees der 50er Jahre überdeutlich erkennen lässt.
Und diese durchziehen den Film leider vom Anfang bis zum Ende: der Vater arbeitet und hat keine Zeit, die Mutter schmeißt den Haushalt, das Abendessen fungiert als einziges Zusammentreffen, wo dann alle feststellen, dass sie sich gegenseitig kaum kennen. Papa Tom ohrfeigt seinen Sohnemann bei jeder sich bietenden Gelegenheit und der Mutti ist es egal. Die Unsichtbarkeit wird als vorübergehende Phase bezeichnet und der vermeintlich mangelnden Intelligenz des Sprösslings wird mittels des Supercomputers nachgeholfen. Dass in der Post-Final-Sequence dann erneut eine Ohrfeige droht, die allerdings von Robby verhindert wird, kann man sowohl als augenzwinkernde Selbstreflexion lesen als auch als einsichtsbefreite Alberei – leider liegt letzteres näher.
Und da sowohl die allgemeine Ausstattung als auch Herman Hoffmans allzu televisionäre Inszenierung dem Streifen einen recht öden Anstrich verpassen, bleibt so nicht viel, was diesem Filmchen zu Ehren gereichen würde. Erst sobald er sich entscheidet, nicht mehr zwischen den Stühlen hocken zu bleiben, entwickelt er eine gewisse Atmosphäre – allein, sie kommt zu spät.

Kuriose Mixtur aus Kinderfilm und Paranoia-Thriller, die erst am Ende ein wenig Wirkung zeigt. Bis dahin wird aber allzu oft deutlich, dass hier lediglich Robby the Robot noch ein wenig Geld in die Kassen spülen sollte.

Eine Antwort zu “SOS RAUMSCHIFF

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