DER FLUCH DES SCHLANGENTALS

Der Fluch des Schlangentals
Klatwa doliny wezy | Polen/Sowjetunion | 1988
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der ehemalige französische Pilot Bernard Traven (Roman Wilhelmi) hat in den Wirren des Indochina-Kriegs ein mysteriöses Manuskript an sich genommen, welches von einer unvorstellbaren Waffe kündet. Jahre später wendet er sich in Paris unter einem Vorwand an Professor Jan Tarnas (Krzysztof Kolberger) und die Journalistin Christine Jaubert (Ewa Salacka), um diese Waffe in seine Gewalt zu bringen.

Die Abenteuer-Blockbuster JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES (1981) und INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES (1984) traten seinerzeit eine Welle an kostengünstigen Nachahmern los, die allesamt versuchten, mit den verschiedensten Dschungel-Geschichten etwas vom großen Adventure-Markt abzubekommen. Die QUATERMAIN-Filme schafften das neben AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN (1984) und AUF DER JAGD NACH DEM JUWEL VOM NIL (1985) sicherlich noch am besten, während zahllose unbekanntere Vertreter zu deutlich weniger Bekanntheit gelangten. Und während so diverse Indy-Plagiate durch Urwälder und Wüsten hampelten, entschloss man sich auch östlich des Eisernen Vorhangs, diesem Genre einen Vertreter beizusteuern. Die estländische Tallinnfilm (damals natürlich unter sowjetische Ägide) tat sich sodann mit der polnischen Zespól Filmowy „Oko“ zusammen, um den polnischen Regisseur Marek Piestrak, der schon bei dem gelungenen Sci-Fi-Drama TESTFLUG ZUM SATURN (1979) und dem Horror-Schinken DIE WÖLFIN (1983) ordentliche Arbeit abgeliefert hatte, mit der Umsetzung eines weiteren Abenteuerfilms zu betrauen.

Traven: Professor, halten Sie es nicht für merkwürdig, dass seit wir das Manuskript entziffert haben in unserer Umgebung immer wieder Schlangen auftauchen?

Mit etwas Unterstützung der Herren Wojciech Nizynski und Vladimir Valutskiy schuf Piestrak dann ein Drehbuch, welches sich zunächst recht unaufgeregt entlang bekannter Linien bewegt. Einer mäßigen Exposition folgt die Vorstellung des Professors Tarnas, der natürlich eine unangefochtene Kapazität auf seinem Gebiet ist und die üblichen Verschrobenheiten derartiger Persönlichkeiten zuhauf präsentiert. Das Zusammentreffen dessen mit dem undurchsichtigen Traven und der auffällig bordsteinschwalbenhaft anmutenden Reporterin Christine unterhält dabei vornehmlich durch das unterdurchschnittliche Schauspiel und die Schroffheit, mit der der Film seine inhaltlichen Ziele verfolgt. Feingefühl oder Spielwitz lassen hier weder die Mimen noch die Inszenierung erkennen, vielmehr schlägt der Streifen seinem Zuschauer jeden Schritt rücksichtslos ins Gesicht.

Dabei ist zumindest der Pole Krzysztof Kolberger, der seinen international meistbeachtesten Auftritt in dem durchschnittlichen schwedisch-britischen Ninja-Reißer NINJA, IN GEHEIMER MISSION (1984) hatte, ein in seinem Heimatland durchaus angesehener Mime, der auch auf eine stattliche Anzahl an Werken verweisen kann. Hier wird er neben dem von seinem Landsmann Roman Wilhelmi, der sich seine Sporen vornehmlich im polnischen TV verdiente, gespielten stereotypen Draufgänger Traven leider zur Nebenrolle, fehlt es dem Professor doch schlicht an Durchsetzungsvermögen und Mumm. Auf der weiblichen Seite darf Ewa Salacka ungehemmtes Overacting zur Schau stellen, was ihre Journalistin Christine zum weiblichen Sidekick-Buddy des Films macht. Bodenlos gekleidet mit grausigem Mienenspiel stolpert Salacka durch den Film und sorgt abwechselnd für Lachen und Staunen.

Selbiges zu erreichen entschließt sich der Streifen dann ab der Filmmitte. Bleiben die Geschehnisse bis dahin – von den gelegentlich auftauchenden Schlangen mal abgesehen – relativ bodenständig, kündet ein plötzlich zu Luft werdender Mönch im Hinterlande von Vietnam von dem, was noch kommen soll. Den Protagonisten ist das plötzliche Verschwinden ihres Begleiters übrigens nicht ein einziges Wort wert und so stehen sie dann Minuten später riesigen Pappmasche-Schlangen und mit Laseraugen bewehrten Tempelstatuen gegenüber. Völlig konsequent führt der Film seine plötzliche Fantasy-Zuwendung dann auch mit Aliens, Mutationen und zahlreichen billigen Blitz- und Lichteffekten fort und verliert so völlig den Boden unter den Füßen. Im Finale steigert sich das Ganze zu weitestgehend zusammenhangloser Effekthascherei, was aber auch nicht mehr daran ändert, dass der Zuschauer hier die volle Bandbreite an unterhaltsamen Genre-Versatzstücken erleben kann.

Jan: Wir müssen schnell weg, sonst hängt und der Mord auch noch an!
Christine: Moment, ich mach‘ ein Foto!

Mag man nun nach den schmählichen Beschreibungen der Monstren Befürchtungen bezüglich der Produktionsqualität hegen, so sei an dieser Stelle entwarnt. Natürlich spielt sich das Dargebotene auf einem recht überschaubaren Level ab, aber immer wieder überzeugt der Streifen mit schönen Kulissen und tollen Aufnahmen, die teilweise sogar in Südostasien entstanden sind. Die Tempel sehen glaubhaft aus, die Ausstattung (auch mit Militärgerät) weiß zu gefallen und auch so ein Laboratorium einer Geheimgesellschaft hat man schon mal schlechter ausgesehen. Einzig die eingezeichneten Blitz- und Magieeffekte fallen qualitativ ein wenig ab, was aber am charmanten Look des Films nicht mehr zu ändern vermag.
In der politisch-aufgeheizten Atmosphäre der späten 80er Jahre wurde dem Film natürlich kein bundesdeutscher Kinostart zu Teil, stattdessen lief er ab dem 22.06.1990 als einer der letzten Filme in den Kinos der DDR an, bevor die keine vier Monate später den Dienst quittierte. So erklärt sich auch, dass der Film außerhalb seines (Haupt-)Entstehungslandes Polen (wo er vor einigen Jahren übrigens in eine Auswahl der schlechtesten polnischen Filme aufgenommen wurde) kaum Bekanntheit erlangen konnte. Und das ist sehr schade, denn DER FLUCH DES SCHLANGENTALS ist ein wahnsinnig unterhaltsamer Vertreter seiner Art, der deutlich mehr Ansehen verdient hätte.

Schmissiger Abenteuer-Reißer, dessen bodenloses Schauspiel und narrative Absurditäten nichts daran zu ändern vermögen, dass diese flotte Mischung aus Fantasy, Action und Science-Fiction besten unterhält; so muss B-Abenteuer-Kino aussehen!

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