FRIGHT NIGHT – DIE RABENSCHWARZE NACHT

Fright Night – Die rabenschwarze Nacht
Fright Night | USA | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als Charly Brewster (William Ragsdale) zufällig beobachtet, dass sein neuer Nachbar Jerry Dandrige (Chris Sarandon) ein mordender Vampir ist, will ihm zunächst niemand glauben. Erst spät kann Charly seine Freundin Amy Peterson (Amanda Bearse), sein Kumpel Ed Thompson (Stephen Geoffreys) und den TV-Vampirjäger Peter Vincent (Roddy McDowall) überzeugen – doch da ist es schon beinahe zu spät …

Der US-Amerikaner Tom Holland hat sich seit Beginn der 60er Jahre bis hinein in der 80er vor allem als Darsteller in diversen TV-Formaten verdingt. Ab dem Beginn der 80er Jahre verschlug es ihn allerdings auch zunehmend hinter die Kamera, wo er zunächst für diverse Drehbücher, darunter auch die zu Philippe Moras ordentlichem DAS ENGELSGESICHT – DREI NÄCHTE DES GRAUENS (1982) und Mark L. Lesters großartigem DIE KLASSE VON 1984 (1982), verantwortlich zeichnete. Derart im Horror-Metier bewandert sollte Holland dann 1985 auch endlich sein Regiedebut abliefern, für welches er von Columbia Pictures knapp neun Millionen US-Dollar erhielt und dessen Drehbuch er auch gleich selber verfasste.
Denn Holland verfolgte von Anfang an ein klares Ziel mit seinem Werk FRIGHT NIGHT – DIE RABENSCHWARZE NACHT: Seit die endlosen Slasher-Filmreihen um HALLOWEEN, FREITAG DER 13. und NIGHTMARE ON ELM STREET die jungen Menschen Jahr für Jahr in die Kinosäle lockten, um mit immer haarsträubenderen Morden und Sensationen für Grauen zu sorgen, waren die althergebrachten Motive und Figuren des Genres aus der Mode geraten: Vampire, Werwölfe oder Mumien, all diese Gesellen hatten des Publikums Gunst verloren. Also schrieb Holland ein Skript, welches dem Vampir als Stellvertreter dieser Monstren die Aufmerksamkeit zu Teil werden ließ, die er verdiente.

Peter Vincent: Ich wurde soeben entlassen, weil kein Mensch mehr einen Vampirkiller sehen will und Vampire schon gar nicht. Offensichtlich will man nur noch irgendwelche verrückt gewordenen Männer sehen, die in irren Masken herumlaufen und Jungfrauen aufschlitzen.

Diesem Vorhaben ordnet sich der gesamte Film dann rigoros unter. Woher der Vampir, der zum neuen Nachbar des auffällig konturlosen Hauptcharakters Charly Brewster wird, kommt, ist ebenso unerheblich, wie dessen sonstige Hinter- und Beweggründe. Er ist halt da und fertig. Auch seine diversen Metamorphosen hin zu fliegenden Wesen oder Werwolf-artigen Ungetümen werden nicht weiter thematisiert. Vielmehr vereint die Rolle des Jerry Dandrige hier unterschiedliche Formen der klassischen Horrorfigur in sich. So funktioniert der Film vor allem als Verbeugung vor den klassischen Wesen des Horrorfilms – was Holland der Figur Peter Vincent auch mehrere Male sehr explizit in den Mund legt, wenn der den ergrauten Vampirkiller über die Unart der Jugend schimpfen lässt, nur noch irren Killern beim Ermorden von Jungfrauen zuzusehen. Dass Peter Vincent der Host (ein heute ebenfalls vergessener Beruf) einer TV-Horror-Reihe ist, betont dieses Konzept weiterhin.

Selbiger Charakter, der von Roddy McDowall übrigens sehr trefflich und karikierend gegeben wird, ist übrigens mittels seines Namens eine ebensolche Verbeugung vor den Genrekoryphäen Peter Cushing und Vincent Price. McDowall, dessen berühmteste Rollen sicherlich seine diversen Auftritte in der PLANET DER AFFEN-Reihe waren, fungiert dabei als Personalisierung des klassischen, mittlerweile abgelösten Horrorkinos. So ist er dann auch der einzige, der dem von William Ragsdale zwar engagiert gespielten, aber wie erwähnt eben sehr blass geschriebenen, Charly zur Seite steht und letztlich – ganz im Sinne des Autoren Holland – doch wieder zu alter Stärke kommt.
Chris Sarandon darf als wunderbar überzeichneter Schmiervampir Jerry Dandrige überzeugen und in sich die Blutsauger-Klischees der letzten Jahrzehnte vereinen. Neben List und Tücke ist es aber vor allem eine starke erotische Prägung, die diesen Charakter ausmacht und die das Finale so schlüssig wirken lässt. In diesem verfällt ihm Charlys Freundin Amy (Amanda Bearse, ab 1987 als Marcy D’Arcy in EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE zu sehen), die dann ebenfalls von der schüchternen Blume zur wilden Schlange mutiert. Stephen Geoffreys, der in den 90er Jahren eine umfangreiche Karriere als homosexueller Pornodarsteller beginnen sollte, schließlich vervollständigt den engeren Cast mit einer angenehm abgedrehten Darbietung als Evil Ed.

Peter Vincent: Bis jetzt ist alles genauso gewesen wie im Film, hoffen wir, dass es so weitergeht.

Und da es sich der Film nun mal auf die Fahne geschrieben hat, den klassischen Figuren des Horrorfilms eine angemessene Hommage zu Teil werden zu lassen, lässt er sich folgerichtig auch in Sachen Effekte nicht lumpen. Niemand anders als Richard Endlund wurde mit der Herstellung der Spezialeffekt beauftragt. Dieser hatte bereits an Meilensteinen wie KRIEG DER STERNE (1977), DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980), POLTERGEIST (1982) oder GHOSTBUSTERS – DIE GEISTERJÄGER (1984) mitgewirkt und auch hier leistete er mit seinem Team volle Arbeit. Der ganze Film hat einen großartigen Look, der bewusst artifizielles Design mit allerlei Horrorklischees mischt. Die Masken und Verwandlungen sehen hervorragend aus und einiges an trefflich eingesetztem Kunstblut darf ebenfalls bestaunt werden. So ist es neben den zahlreichen Referenzen auch die Optik, die diesen Streifen zu einem Genuss macht.
Nun könnte man sicherlich anführen, dass der Film narrativ fast gar nichts bietet. Und falsch wäre das nicht: die Geschichte ist ebenso flach wie vorhersehbar und allenthalben unlogisch. Allerdings würde man mit einem solchen Schluss Hollands Intention sträflich ignorieren. Tom Holland wollte hier eine Verbeugung vor dem klassischen Horrorkino abliefern; nicht mehr, nicht weniger. Und wenn man wieder mal in die nebelschwangere Latexmasken-Welt von FRIGHT NIGHT eintaucht, kann man nur zu einem einzigen Schluss kommen: es ist ihm mit Bravour gelungen!

Tolle Verbeugung vor dem klassischen Horrorkino, die vor allem mit einem großartigen Look und tollen Spezialeffekten überzeugt. Dazu noch zahlreiche Referenzen und ein solider Cast und fertig ist der waschechte 80er-Spaß.

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5 Antworten zu “FRIGHT NIGHT – DIE RABENSCHWARZE NACHT

  1. Ich persönlich finde den Film nicht ganz so stark, wie du ihn beschreibst. Aber eines bleibt schlicht unvergesslich und, soweit es mich betrifft, auch unerreicht: die Maske von Amanda Bearse als Vampirin! Die jagt mir auch heute noch jedes Mal einen kalten Schauer über den Rücken!

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