DER DRUNKEN-MASTER SCHLÄGT WIEDER ZU

Der Drunken-Master schlägt wieder zu
Gong Fu Da Pai Mai | Taiwan | 1979
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der desorientierte Sohn (Sze-Ma Lung) des reichsten Mannes der Stadt hat beschlossen Kung Fu-Kämpfer zu werden. Doch da sein Vater möchte, dass sein Filius die familieneigenen Geschäfte fortführt, anstatt sich idealistischen Träumereien hinzugeben, dreht er ihm den Geldhahn ab. Also muss der Jungspund selber zusehen, woher er Geld und Ausbildung bekommt.

Die Jackie Chan-Klopper DIE SCHLANGE IM SCHATTEN DES ADLERS (1978) und SIE NANNTEN IHN KNOCHENBRECHER (1978) sorgten nicht nur dafür, dass der Hauptdarsteller seine Karriere kurze Zeit später auch in Übersee fortsetzen konnte, sondern begründeten auch eine Flut von Drunken Boxing-Filmen, die allesamt von der in den erwähnten Komödien so trefflich dargebotenen Kampftechnik profitieren wollten. Das dachte sich wohl auch Regisseur Su Chen-Ping, der seit Ende der 60er Jahre diverse Erfahrungen im Bereich Eastern und Martial Arts, darunter DIE PRANKE DES GELBEN TIGERS (1976) und 18 KÄMPFER AUS BRONZE (1978), gesammelt hatte. Doch das entscheidende Elemente der zahlreichen Nachahmer, nämlich die Mitwirkung von Simon Yuen Siu-Tin, der in den oben erwähnten Streifen den Drunken Master gab, konnte Su Chen-Ping nicht erwirken.

Lehrer: Passt auf, ich werde euch jetzt die totale Gewinntechnik demonstrieren!

Stattdessen schickt er den zwar keineswegs unbegabten Dean Shek ins Rennen, der seine Sache als alter Trunkenbold auch durchaus ordentlich macht, im Vergleich zu Siu-Tin allerdings klar den Kürzeren zieht. Das macht aber nicht allzu viel, da der Charakter des mürrisch-herzlichen Kung Fu-Meisters hier ohnehin nur plakative Funktion hat. Der Typ trinkt nicht, vermittelt kaum Techniken und dient somit (vor allem beim deutschen Verleihtitel) vornehmlich der werbetechnischen Verbreitbarkeit des Films.

Die Hauptrolle fällt hingegen Sze-Ma Lung zu, der bis dato in einer Handvoll Genreproduktionen Erfahrung gesammelt hatte, hier allerdings sehr blass daherkommt. Das von Sung Pe Liu stammende Drehbuch zeichnet Lungs Rolle nämlich völlig austauschbar und charakterlos. Ist die Geschichte vom Kung Fu-Schüler auf Trebe ohnehin schon eine altbekannte, wird sie hier mittels einer Hauptrolle, die nichts kann und nichts tut, zusätzlich geschwächt. Der junge Mann eiert einfach von Szene zu Szene und scheitert an den meisten sich ihm stellenden Aufgaben; eine Entwicklung ist dabei nicht zu erkennen. Das ist vor allem schade, weil das Skript mit seiner Thematik durchaus Ansätze böte. Aber der Kampf zwischen Kapital und Tradition wird auf die denkbar schlichteste Weise aufgelöst und das Potenzial somit glatt verschenkt.

Lehrer: Du stehst da wie’n Fragezeichen ohne Punkt.

Und wenn darstellerisch und narrativ schon nichts geboten wird, dann müssen eben die Kampfszenen überzeugen. Su Chen-Ping bietet hier immerhin Mittelmaß an und inszeniert ordentliche, wenn auch letztlich nicht allzu aufregende Kämpfe. Immer wieder erkennt man dabei, dass DIE SCHLANGE IM SCHATTEN DES ADLERS und SIE NANNTEN IHN KNOCHENBRECHER deutlich Pate standen, gleichen sich doch einzelne Szenen und Sequenzen bis ins Detail. Da die Vorbilder Chen-Ping Versuchs aber eben doch in allen Belangen mindestens zwei Nasen voraus sind, stellt dessen Drunken Boxing-Beitrag nicht mehr als eine Randnotiz des Subgenres dar.

Su Chen-Pings Versuchs, auf dem Erfolg der Drunken Boxing-Thematik mitzureiten endet in einem Film, der zwar zu keinem Zeitpunkt wirklich schlecht ist, aber eben auch nichts bietet, was ihn in irgendeiner Weise eigenständig oder erinnerungswürdig werde ließe.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.