BRADDOCK – MISSING IN ACTION III

Braddock – Missing in Action III
Braddock: Missing in Action III | USA | 1988
IMDb, OFDb, Schnittberichte

13 Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs wird der Veteran James Braddock (Chuck Norris) in den USA von dem in Vietnam lebenden Missionar Reverend Polanski (Yehuda Efroni) besucht, der ihm mitteilt, dass Braddocks totgeglaubte Frau Lin (Miki Kim) doch noch lebt. Zusammen mit ihrem gemeinsamen Sohn Van (Roland Harrah III) ist sie der Willkür des General Quoc (Aki Aleong) schutzlos ausgeliefert, was Braddock natürlich dazu veranlasst, erneut nach Vietnam zurückzukehren …

Sowohl MISSING IN ACTION (1984) als auch MISSING IN ACTION 2. TEIL – DIE RÜCKKEHR (1985) waren für Cannon Films veritable Erfolge, sodass einer Fortsetzung der revisionistischen Abenteuer des Colonel James Braddock eigentlich nichts im Wege stand. Die Herren Globus und Golan gedachten dafür erneut den Drehbuchautoren James Bruner zu engagieren, der mit den Büchern zu MISSING IN ACTION, INVASION U.S.A. (1985) und DELTA FORCE (1986) bereits seine Fähigkeit bewiesen hatte, Hauptdarsteller Norris passende Rahmenhandlungen auf den Leib zu schneidern. Allerdings ging es bereits auf das Ende der 80er Jahre zu und somit auch auf das Ende der Filmschmiede Cannon, die 1989 endgültig die Segel streichen sollte. Also schrumpften auch die Budgets, was Bruner letztlich derart einschränkte, dass er die Produktion verließ. Auch der Regisseur James Zito, der den ersten Teil der MISSING IN ACTION-Trilogie inszeniert hatte, verließ aus diesem Grund das Schiff – und ermöglichte so, dass der Abschluss der Filmreihe zu einer echten Familienproduktion werden konnte.

Little John: Braddock, ich warne Sie. Treten Sie niemandem auf die Füße!
Braddock: Ich trete nicht auf Füße, Little John. Ich trete in den Arsch!

Denn als Bruner die Drehbuchseiten von seinem Schreibtisch fegte, stand schon Chuck Norris bereit, um die Arbeit daran fortzusetzen. Wer sollte schon besser wissen, wie man Braddock durch den Dschungel hetzt als Norris selbst? Für den Regiestuhl fand man dann mit Aaron Norris, Chucks kleinem Bruder, eine adäquate Besetzung. Seit Mitte der 70er Jahre als Stuntman tätig, erschien er dazu befähigt, die zahllosen Actionsequenzen seines Bruders stilecht auf die Leinwand zu zaubern; auch wenn dies das erste Mal sein sollte, dass er bei einem Spielfilm Regie führte.
Und tatsächlich lässt sich der Streifen gar nicht mal so übel an. Der Fall Saigons im Jahre 1975 wird durchaus trefflich eingefangen und gibt so einen stimmigen Einstieg (der die inhaltliche Konsistenz der Filmreihe allerdings völlig torpediert, da er den Umstand, dass Braddock laut dem zweiten Teil noch Jahre nach Kriegsende in Gefangenschaft war, schlicht und einfach ignoriert). Danach verliert sich der Film leider in ermüdenden Handlungssequenzen, die letztlich nur dazu dienen, eine dem Erstling nahezu identische Storyline zu kreieren. Wieder muss Braddock wider den Willen der Behörden nach Vietnam zurückkehren um dort erneut schutzlose Gefangene aus den Fängen der selbstverständlich grundbösen Kommunisten zu retten. Dass es sich diesmal um Kinder, die personifizierte Unschuld, handelt, macht inhaltlich kaum einen Unterschied, sorgt aber für einiges an dümmlichen Kommentare sämtlicher Parteien.

Denn einer der zu errettenden Heranwachsenden ist natürlich Braddocks Sohn Van, dargestellt von Roland Harrah III, der seinem Papa zunächst höchst abweisend gegenübersteht, sich allerdings mit jedem durch seinen Vater dahingerafften Widersacher mehr auf dessen Seite schlägt. Letztendlich sitzen die beiden in einem gerade abstürzenden Flieger nebeneinander und bekunden sich gegenseitig ihre tiefe Zuneigung. Nach diesem Schema funktioniert auch der Rest des Films: alles was passiert, wird dem Zuschauer mit dem Holzhammer vorgetragen. Eine der wenigen interessanten Komponenten, Braddock von Miki Kim durchaus ordentlich gespielte vietnamesische Frau Lin, kommt dabei als einzige zu kurz und dient nach rund 30 Minuten als billiges Opfer, um die grenzenlose Niedertracht der örtlichen Militärs zu verdeutlichen.

Braddock: Ob wir laufen oder kriechen, wir werden es schaffen! Kommt, Kinder!

Die Truppe um General Quoc, von dem seit den 60er Jahren im US-Fernsehen tätigen Aki Aleong völlig stereotyp gegeben, fällt dabei serientypisch eindimensional aus und dient wieder mal ausschließlich dazu, Horden an niederzumetzelnden Gegnern zu stellen. Das diese es allesamt verdient haben, von Braddock um die Ecke gebracht zu werden, wird durch Lins Tod, diverse Folterungen und die Diskriminierung der asiatisch-amerikanischen Kinder mehr als nur klargestellt. Zwar fällt die Revision in diesem Falle nicht ganz so grässlich aus, wie in den beiden Vorgängern, es bleibt jedoch unübersehbar, dass Golan und Globus der Meinung waren, dass auch im Jahre 1988 immer noch genügend (US-amerikanische) Kinogänger der Meinung waren, dass die bösen Vietnamesen noch mal zur Rechenschaft gezogen werden müssten.
Immerhin schafft es der Regie-Norris tatsächlich, dem Zuschauer das relativ geringe Budget vorzuenthalten und in der letzten halben Stunde dann endlich passable Actionszenen auf die Leinwand zu zaubern. Alles nichts weltbewegendes, aber doch zumindest solide B-Action. 1988 war dergleichen jedoch nicht mehr allzu gefragt, sodass sich am mäßigen Erfolg des Films (gerade mal sechs Million US-Dollar Einspielergebnis in den USA) auch die nahe Zukunft von Cannon und Norris ablesen ließ. Während das Studio ein Jahr später den Dienst einstellen sollte, sollte auch für den Darsteller eine Durstphase beginnen, die, unterbrochen von kleineren Erfolgen, erst im neuen Jahrtausend wieder enden sollte.

Kinder statt Veteranen, ansonsten bleibt bei James Braddock alles beim Alten. Freunde der Vorgänger dürfen also beherzt zugreifen, Zuschauer, die sich schon vorher am revisionistischen Charakter der Reihe stießen, werden am Abschluss der Trilogie ebenfalls wenig Freude haben.

Advertisements

2 Antworten zu “BRADDOCK – MISSING IN ACTION III

  1. Pingback: MISSING IN ACTION 2. TEIL – DIE RÜCKKEHR | SPLATTERTRASH·

  2. Pingback: MISSING IN ACTION | SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s