MISSING IN ACTION 2. TEIL – DIE RÜCKKEHR

Missing in Action 2. Teil – Die Rückkehr
Missing in Action 2: The Beginning | USA | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Colonel James Braddock (Chuck Norris) gerät in den letzten Tagen des Vietnamkriegs mitsamt seiner Truppe in Gefangenschaft und sitzt auch noch Jahre nach Kriegsende im Gefangenenlager des sadistischen Colonel Yin (Soon-Tek Oh). Dieser versucht durch Folter und Misshandlungen ein Geständnis von Braddock zu erwirken, doch der hält stets den Mund; bis es ihm eines Tages zu bunt wird …

Menahem Golan und Yoram Globus, die Köpfe hinter der Cannon Films, hatten Anfang der 80er Jahre das Thema Vietnamkrieg als wunden Punkt der US-amerikanischen Gesellschaft ausgemacht und sich folgerichtig für die finanzielle Verwertung dieser Thematik mittels günstig produzierter Actionfilme entschieden. Dazu engagierten sie den Regisseur Lance Hool, der bis dato als Drehbuchautor und Produzent tätig gewesen ist und der hier sein Spielfilmregiedebut abliefern sollte. Die Herren Steve Bing, Larry Levinson und Arthur Silver wurden darüber hinaus mit der Aufgabe bedacht, ein Drehbuch anzufertigen, welches sich dem unter Präsident Ronald Reagan wieder erstarkenden nationalen Bewusstsein der USA widmete. Waren es in den 70er Jahren noch die Zweifel ob des eigenen außenpolitischen Auftretens, die die Mentalität in Übersee bestimmten, schuf Reagans erzkonservatives Auftreten den Nährboden für unverhohlenen Revisionismus und Militarismus gleichermaßen.
Folglich fällt das Skript von Bing, Levinson und Silver auch völlig simpel aus: es verfolgt lediglich den Zweck, an den im tatsächlich Krieg überlegenen Vietnamesen symbolisch Rache zu nehmen. Das wird am Ende gar durch Braddocks Ausspruch „Das war meine Rache“ verbalisiert, aber auch zuvor schon überdeutlich klargemacht. Die Unterteilung in Gut und Böse ist messerscharf und erfolgt selbstverständlich entlang ethnischer Linien. Der Franzose Francois gehört dabei übrigens ebenfalls klar zu den Bösen; der Grund dafür dürfte im dem Umstand, dass Frankreich in seinem Kolonialgebiet Indochina überhaupt erst die spätere Kriegssituation hat entstehen lassen, liegen.

Yin: Ich fürchte, ich habe ihm Freund eine Überdosis Opium verabreicht. Jetzt ist er in der Lage von hier aus bis Los Angeles zu laufen – aber wer möchte schon zurück nach Hause.

Lance Hool inszeniert diese simple Konstellation dann gleichfalls einfallslos. Colonel Yin quält alles und jeden, während Braddock und seine Mannen heldenhaft jeder Folter standhalten. Alle vietnamesischen Soldaten sind Sadisten, alle US-Amerikaner Menschenrechtler. Das ändert sich erst ab der Mitte des Films, wenn Braddock beschließt, dem Spuk mit Waffengewalt ein Ende zu setzen. Bis dahin hat der Film die dann folgenden Schandtaten seines Protagonisten allerdings schon längst legitimiert: Braddocks kaltblütiges und blutrüstiges Vorgehen ist dann die logische – und als solche auch gerecht dargestellt – Konsequenz. Auf der politisch-gesellschaftlichen Ebene bedeutet das, dass die USA doch noch einen Krieg gewinnen, der eigentlich schon lange vorbei ist und den selbstverständlich die Vietnamesen vom Zaune gebrochen haben – Revisionismus par Excellence.

Schauspielerisch fällt das Ganze erwartbar limitiert aus. Chuck Norris spielt seinen Stereotypen problemlos runter und darf seine spätere popkulturelle Ausprägung hier schon einem mit einem Fundament versehen, wenn er eine Ratte, die ihm an Leder will, per kräftigem Biss ins Jenseits befördert. Der koreanisch-stämmige US-Amerikaner Soon-Tek Oh, bekannt seit seinem Auftritt in DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT (1974), darf als Yin nach Herzenslust böse sein und Professor Toru Tanaka, bereits 1981 im Norris-Frühwerk DER GIGANT zu sehen, hilft ihm dabei nach Möglichkeit.

Typ: Braddock ist weg, wieso legen wir ihn nicht dafür um?
Kerl: Ich könnte mich irren, Colonel, aber ich halte es nicht für eine gute Idee, mich umzubringen.

Leider fallen auch die Actionsequenzen recht dürftig aus, gibt es doch neben einigen gelungenen Explosionen und herben Faustkämpfen nur wenige Schauwerte zu begutachten; eine Hängebrücke und ein Flammenwerfer werden da schon zu Höhepunkten. Die Eintönigkeit liegt auch maßgeblich im Drehort begründet, denn so schön der Dschungel in Mexiko und auf St. Kitts auch aussieht, bietet er doch nur wenig optische Abwechslung. So mangelt es dem Film schlicht Schauwerten; welche in Anbetracht seiner inhaltlichen Armut bitter nötig gewesen wären.
Eigentlich schon vor MISSING IN ACTION (1984) gedreht, war MISSING IN ACTION 2. TEIL – DIE RÜCKKEHR zunächst keine Veröffentlichung vergönnt. Denn als Reagan eine Rede hielt, in der er erklärte, er wollte alle noch Vietnam befindlichen Soldaten nach Hause holen (diese Rede wird paradoxerweise im zweiten Teil gezeigt), entschieden Globus und Golan, dass ein Film mit genau dieser Thematik her müsse. Also wurde schnell mit Joseph Zito auf dem Regiestuhl MISSING IN ACTION gedreht und aus Hools Film wurde ein als Fortsetzung veröffentlichtes Prequel, welchem man auf der Erfolgswelle von Zitos Films nun doch einigen Erfolg zutraute. Und den hatte der Film dann in gewissem Maße auch, was 1988 die weitere Fortsetzung BRADDOCK – MISSING IN ACTION III nach sich ziehen sollte.

Lance Hools Werk steht Joseph Zitos Vorgänger bezüglich des revisionistischen Charakters in nichts nach und wird so wiederum zu einem entblößenden Dokument des damaligen US-amerikanischen Zeitgeistes. Da Hools Beitrag allerdings noch deutlich eintöniger und abwechslungsärmer ausfällt, werden die 90 Minuten hier zu einer wahren Geduldsprobe.

3 Antworten zu “MISSING IN ACTION 2. TEIL – DIE RÜCKKEHR

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