DER HAMMER

Der Hammer
No Holds Barred | USA | 1989
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der schmierige TV-Unternehmer Brell (Kurt Fuller) möchte den Wrestling-Star Rip (Hulk Hogan) für seinen Sender gewinnen, doch das blonde Schwergewicht erteilt ihm eine Absage. Also schnappt sich Brell den sozial-emotional unangepassten Wrestler Zeus (Tommy Lister) und macht aus ihm einen brutalen Champion, der Rip schließlich herausfordert.

Ende der 90er Jahre blühte die Karriere des Terrence Gene Bollea, besser bekannt unter seinem Pseudonym Hulk Hogan, als viel gefeierter Wrestling-Kämpfer so richtig auf. Diverse Titel und eine selbst innerhalb des medial gekonnt aufbereiteten Wrestling-Zirkus herausragende Präsenz machten ihn zum unumwundenen Aushängeschild dieser Mixtur aus Sport und Entertainment. Und da Vince McMahon, seit 1983 Chef der damaligen WWF, kein Dummkopf ist, erkannte er das Potenzial, welches in seinem bekanntesten Kämpfer steckte und investierte zusammen mit New Line Cinema runde acht Millionen US-Dollar in ein Spielfilmprojekt, das die ikonische Position der Figur Hulk Hogan weiter festigen sollte.
Dazu buchte man den Autoren Dennis Hackin, der bereits 1980 durch sein Drehbuch zu Clint Eastwoods BRONCO BILLY auf sich aufmerksam gemacht hatte. McMahon und Hogan brachten dann ebenfalls ihre Expertise mit ein und so entstand ein Skript, welches einzig und allein den Zweck verfolgt, seinen zwar Rip genannten, aber im Endeffekt doch einfach Hogan repräsentierenden Hauptcharakter möglichst häufig in Prügeleien zu verwickeln. Daneben gibt es noch eine völlig vorhersehbare und langweilige Allerweltsgeschichte, die selbst günstige TV-Produktionen vor Scham erröten ließe. Ein bisschen Liebe und ein bisschen Freundschaft runden das Ganze dann ab und ermöglichen es dem Drehbuch, im Kampf um die höchste Austauschbarkeit selbst mit den ganz Großen zu konkurrieren.

Brell: Dieser fabelhafte Wettbewerb wird in der Abschaum-Bar in der Innenstadt durchgeführt.

Aber einen Film mit dem Hulkster wollte 1989 schließlich auch keiner sehen, um möglichst einfallsreichen Plot-Wendungen zu folgen, sondern um dem Muskelberg dabei zuzugucken, wie er diverse Gegenspieler vermöbelt. Und diesen Gefallen tut der Herr seinem Publikum dann auch, was stellenweise durchaus Unterhaltung verursacht. In feinster TV-Serien-Manier lässt der aus ebendiesem Metier stammende Regisseur Thomas J. Wright seinen Protagonisten kämpfen und Sprüche kloppen und bedient so die Gelüste der Wrestling-Fans mehr oder minder gekonnt. Dass die Inszenierung sich dabei vornehmlich an der schnell geschnittenen und mit schiefen Kamerawinkeln ausgestatteten Ästhetik der Wrestling-Übertragungen orientiert, ist nur recht und billig – wenn auch wenig einfallsreich.

Es erscheint des Weiteren völlig folgerichtig, den schauspielerisch limitierten Hogan quasi sich selbst spielen zu lassen, machen doch selbst simpelste Anforderungen deutlich, dass er mit jedwedem darstellerischen Anspruch vollends überfordert ist. Gleiches gilt für Tommy Lister, der hier neben seinem ohnehin erblindeten Auge auch noch per alberner Augenbraue und seinem ständigen Stieren zum Dämlichkeit in Persona gemacht wird. Joan Severance fällt als Love-Interest Samantha ebenso blass aus, wie die ewige Nebenrolle Kurt Fuller als grundlos-bösem Brell, der für die Einschaltquoten selbst über Leichen geht.

Typ: Müssen Sie denn unbedingt müssen?
Kerl: Ich hab das müssen vorher vergessen.

Neben all dieser schauspielerischen und inhaltlichen Limitierung gibt es dann im Verlaufe immerhin in paar nette Lacher zu begutachten. Der Haudrauf-Humor, der die proletarische Boxkneipe geradezu überflutet, die gnadenlos überzeichnete Kritik am TV-Markt und diverse dumme Sprüche, mit denen Hogan auf sich aufmerksam macht, dienen durchaus dazu, für einige Moment einen simplen Charme zu entwickeln. Hogans beständig wechselnde Flut an neonfarbenen Outfits stimmt in diesen Chor mit ein und lässt den ersten Spielfilmauftritt des Wrestling-Hünen zu einem in sich völlig stimmigen Werk werden: Hier ist wirklich als simpel und doof und nach wenigen Minuten kann man das entweder gottergeben ertragen oder es einfach sein lassen. Der Umstand, dass der Streifen in der Eröffnungswoche gleich nach INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG (1989) der zweiterfolgreichste war, dann jedoch in Windeseile abstürzte und mit einem Einspielergebnis von rund 16 Millionen US-Dollar bestenfalls als annehmbar bezeichnet werden kann, unterstützt diese These dabei trefflich.

Des Hulksters Spielfilmdebut fällt ebenso simpel wie dämlich aus und unterhält wohl nur Fans des Wrestling-Universums, dessen Mechanismen hier weitgehend übernommen werden.

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