WEIßE FRACHT FÜR HONGKONG

Weiße Fracht für Hongkong
Weiße Fracht für Hongkong | Deutschland/Frankreich/Italien | 1964
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Handelsagentin Claudia Laudon (Maria Perschy) gerät in Hongkong in Probleme, als sie feststellen muss, dass man ihr Heroin in ihre Handelsgüter geschmuggelt hat. Da trifft es sich gut, dass ihr die beiden Piloten Ted Barnekow (Dietmar Schönherr) und Larry McLean (Brad Harris), die durch ihr Engagement bei dem zwielichtigen Händler Robert Perkins (Horst Frank) ungeahnt nah an der Geschichte dran sind, beistehen.

1962 war für Wolf C. Hartwigs Rapid Film ein gutes Jahr. Mit dem von Jürgen Roland inszenierten HEIßER HAFEN HONGKONG etablierte man nämlich ein neues Format in der bundesdeutschen Kinolandschaft: ein exotischer Schauplatz diente dabei als Hintergrund für allerlei unterhaltsame Versatzstücke aus den Genres Komödie, Krimi oder Abenteuer. Die Mixtur kam auf dem Markt dann auch entsprechend gut an und sorgte somit dafür, dass in den nächsten Jahren unzählige ähnlich gelagerte Werke entstehen sollten. HEIßER HAFEN HONGKONG kommt diesbezüglich zwar eine Vorreiterrolle zu, doch war der Film bezüglich seines Eskapismus noch sehr zurückhaltend. Allein der Umstand, dass dort ein deutscher Journalist den Fernen Osten mitsamt seiner Eigenheiten für den deutschen Kinozuschauer erschließt, zeigt, dass man sich dem Thema Hongkong noch mit einer gehörigen Portion Ehrfurcht und Distanz annäherte.
Zwei Jahre später sollte Hartwig dann in die britische Kronkolonie zurückkehren und dieses Mal mit einer gänzlich anderen Prämisse. Dazu waren zunächst auch wieder Roland als Regisseur sowie Hansjörg Felmy und Senta Berger in der Hauptrollen eingeplant. Doch diverse Querelen bezüglich der Finanzierung des Projekts (es dauerte einige Zeit bis Hartwig, der ein derartiges Projekt weiterhin nicht alleine stemmen wollte, die französischen und italienischen Geldgeber ins Boot geholt hatte) sorgten dafür, dass sowohl Regisseur als auch Mimen sich anderen Aufgaben widmeten. Einzig der Drehbuchautor Werner P. Zibaso blieb der Produktion treu, was sich im Nachhinein als großer Glücksgriff herausstellen sollte.

Perkins: Vielleicht sollte ich mal eine kleine Pause machen.
Nancy: Und wie wird diese kleine Pause diesmal heißen?

Denn Zibaso war letztlich derjenige, der die Zeichen der Zeit erkannte und dem Film ein Drehbuch schrieb, welches einen deutlich weltmännischeren Ton anschlägt als noch zwei Jahre zuvor. Plötzlich verfolgt der Zuschauer nicht mehr den knauserigen deutschen Journalisten, sondern zwei draufgängerische Piloten, die auf der ganzen Welt zuhause sind. Es werden Menschen ausgepeitscht, Drogensüchtige betteln um etwas Stoff und die Kugeln sausen nur so durch die Gegend; und fordern entsprechend viele Opfer. Alles in allem verleiht das dem Film einen deutlich raueren aber auch trefflicheren Ton, bietet diese Ausrichtung doch zahlreiche Möglichkeiten für kurzweilige Action und Spannung.

Für die Regie zeichnet dabei der Österreicher Helmut Ashley verantwortlich, der zuvor mit der EDGAR WALLCE-Verfilmung DAS RÄTSEL DER ROTEN ORCHIDEE (1962) Erfahrung gesammelt hatte und der die späteren Jahre seiner Karriere vor allem in deutschen Krimi-Fernsehen verbringen sollte. Ashley gelingt es dabei, Zibasos Intention mittels der Inszenierung zu unterstützen, und so enthält der Film tatsächlich einige Szenen, die in ihrer Explizitheit gerade prophetisch wirken; ein derart offener Umgang mit Drogen und Gewalt sollte eigentlich erst ein paar Jahre später Einzug in das Kino halten. Aber auch abseits derart expliziter Darbietungen sorgt Ashley mit Schwung und Elan für ordentlich Kurzweil.

Larry: Ich bin hier so überflüssig wie ein Fallschirm im U-Boot.

Trotz Hartwigs Hang, angestammte Schauspieler immer wieder zu engagieren, schafften es aus HEIßER HAFEN HONGKONG dann letztlich nur Brad Harris und Horst Frank in die Besetzung von WEIßE FRACHT FÜR HONGKONG; beide wiederum in ihren angestammten Rollen. Harris – der selbstredend auch wieder als Stuntkoordinator arbeitete – darf als Larry McLean Erneut vor allem durch seine Körperlichkeit glänzen und Frank war zu diesen Zeit ohnehin schon auf die Rolle des sinisteren Antagonisten festgelegt. Daneben gibt es mit der 25-jährigen Maria Perschy, die ein Jahr zuvor in DER HENKER VON LONDON (1963) eine ihrer ersten großen Rollen spielte, eine gelungene weibliche Besetzung, die gen Ende ebenfalls zum Ziel diverser Folterungen wird. Dietmar Schönherr als wortgewandter Weltenbummler Ted Barnekow und der Franzose Philippe Lemaire, der im gleichen Jahr auch im ebenfalls von Hartwig produzierten DIE DIAMANTENHÖLLE AM MEKONG (1964) zu sehen war, als gekonnt gegebener Heroinsüchtling Laurent runden die Besetzung ab.
Zusammen mit wieder einmal schönen Aufnahmen des malerischen Hongkong und einigen komödiantischen Anflügen stellt WEIßE FRACHT FÜR HONGKONG so eine treffliche Weiterentwicklung dessen dar, was Jürgen Roland für Wolf C. Hartwig 1962 mit HEIßER HAFEN HONGKONG begonnen hatte. Aus einer Portion Fernweh wird nun waschechter Eskapismus mit all seinen exploitativen Facetten, Grell, bunt und laut haut Ashley dem Zuschauer die volle Brandbreite an vordergründiger Unterhaltung um die Ohren und sorgt so für einen wirklich gelungen Hongkong-Reißer.

Ashleys Inszenierung und Zibasos Skript führen das Konzept der hartwig’schen Fernost-Unterhaltung sinnvoll weiter und sorgen so dafür, dass WEIßE FRACHT FÜR HONGKONG zu einem durchweg gelungenen Vertreter seiner Zunft wird.

2 Antworten zu “WEIßE FRACHT FÜR HONGKONG

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