ALARM IM WELTALL

Alarm im Weltall
Forbidden Planet | USA | 1956
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Das Raumschiff C57D soll unter Führung von Kapitän Adams (Leslie Nielsen) das Verschwinden einer Gruppe von Kolonisten auf einem Planeten im Altair-System aufklären. Doch Adams Team stößt dort nur auf den undurchsichtigen Dr. Morbius (Walter Pidgeon) und dessen Tochter Altaira (Anne Francis). Als der Doktor berichtet, dass die übrigen Kolonisten allesamt einer unerklärlichen Macht zum Opfer gefallen sind, beschließt Adams, der Sache auf den Grund zu gehen …

Die Mitte der 50er Jahre war für den Science-Fiction-Film eine durchaus erfolgreiche Zeit, bot er den oftmals US-amerikanischen Filmschaffenden doch die Möglichkeit, ihre allgegenwärtigen Kommunismus-Ängste in Form von nicht-menschlichen Bedrohungen darzustellen. Daneben dienten Filme wie PANIK IN NEW YORK (1953) und dessen japanische Weiterentwicklung GODZILLA (1954), FORMICULA (1954) oder TARANTULA (1955) mit ihren absurden Monstren zur kurzweiligen Vorstadtunterhaltung. Der Science-Fiction-Film hatte sich also eine gefällige Nische gesucht, innerhalb derer er, von den weniger fiktionalen Produktionen oft milde belächelt, ein durchaus gewinnträchtiges Dasein pflegte. Das sollte sich jedoch schlagartig ändern, als der Produzent Nicholas Nayfack der Metro-Goldwyn-Mayer knappe zwei Millionen US-Dollar aus der Tasche leierte, mit Hilfe derer er dann ein Projekt starten sollte, das den Science-Fiction-Film für immer aus der zweiten Reihe der Spielfilmproduktionen hinaus ins Lampenlicht treten lassen sollte.
Regie sollte dabei Fred M. Wilcox führen, der zuvor bei den LASSIE-Sequels LASSIE – HELD AUF VIER PFOTEN (1946) und LASSIES HEIMAT (1948) Erfahrung gesammelt hatte. Darüber hinaus verpflichtete Nayfack den Drehbuchautoren Cyril Hume, der schon an Woodbridge Strong Van Dykes TARZAN, DER AFFENMENSCH (1932) (der erste TARZAN-Film von MGM und der erste mit Johnny Weißmüller in der Hauptrolle) beteiligt gewesen war. Hume schuf dann auf Grundlage von William Shakespeares Der Sturm ein Skript, welches dem zuvor häufig allzu unterhaltungsträchtigen Genre eine gehörige Prise Drama hinzufügte. Darüber hinaus war das Buch von Anfang an darauf ausgelegt, die Hintergründe bezüglich der Krell-Zivilisation im Unklaren zu belassen und dem Film somit eine Portion an Mystery und Interpretierbarkeit zu verpassen. Im Verlaufe der Vorproduktion übernahmen dann Irving Block und Allen Adler die Arbeit am Drehbuch und besorgten die endgültige Fassung.

Farman: Können Sie diese Schriftzeichen entziffern?
Dr. Morbius: Ein wenig schon, das ist ja mein Beruf.

Und tatsächlich unterscheidet sich die Geschichte dann im fertigen Film deutlich von den zeitgenössischen Genrekollegen. Sobald Dr. Morbius auftritt erhält der Film eine ernste und hintergründige Stimmung, die mit den Enthüllungen bezüglich der Krell-Zivilisation immer mehr zunimmt. Ohne den Zuschauer mit der Nase auf die impliziten Aussagen zu stoßen, skizziert der Film dann das Bild einer mächtigen und moralisch hochstehenden Zivilisation, die sich trotzdem mittels Macht und Gewalt korrumpierte. Geniale Andeutungen wie die merkwürdig geformten Türen oder die auf riesige Köpfe ausgelegten Gedankenleser sind nur einige Materialsierungen dieser mystischen Zivilisation.
Angereichert wird die Geschichte dann mit Versatzstücken des Horrorkinos. Das von Anfang an unbekannte Wesen sorgt zunehmend für Verwirrung und Angst und wenn es dann schließlich zu sehen ist, dient seine schemenhafte Darstellung ebenfalls bestens zur Erzeugung einer Gänsehaut. Die Auflösung am Ende ist dann ebenso tiefsinnig wie bedrückend und verschafft dem Film so ein trefflich nachdenkliches Ende.

Bis es allerdings soweit ist, bombardiert der Streifen seinen Zuschauer aber geradezu mit fantastischen Effekten. Während die oben erwähnten Sci-Fi-Kollegen häufig mit kleinen Budgets – und dementsprechend limitierter Tricktechnik – auskommen mussten, kann Nayfacks Produktion wahrlich aus dem Vollen schöpfen; und nebenbei auch noch von der brandneuen Eastmancolor-Technik profitieren, die die außerirdischen Welten plötzlich in den prächtigsten Farben erstrahlen lässt. So sehen dann vor allem die zahlreichen Matte Paintings atemberaubend gut aus. Die Planetenoberfläche mit ihren zahllosen Bergen und Steinskulpturen sieht auch heute noch wundervoll aus und die verschiedenen Untergrund-Einrichtungen der Krell spiegeln Größe und Gewalt der Einrichtungen perfekte wider. Dazu gibt es unzählige tolle Modelle und Kulissen zu sehen, die mit ihrem Design die Filmemacher der folgenden Jahrzehnte maßgeblich mitprägen sollten. Für die Darstellung des Monsters borgte man sich bei den Kollegen von Disney einige Animatoren und diese sorgten dafür, dass auch die unsichtbare Bestien bei ihren kurzen Auftritten zu überzeugen weiß.

Smutje: Robby, das werde ich dir nie vergessen. Und wenn du mal ‘nen paar Liter Schmieröl brauchst, dann melde dich bei mir: für dich klaue ich jede Menge!

Der Film ist so auch heute noch eine Augenweide sondergleichen und in seiner Bedeutung als Genre-Blaupause gar nicht hoch genug einzuschätzen. Sowohl die großen Franchises wie STAR TREK oder STAR WARS, aber auch Filmreihen wie ALIEN oder andere bekannte Sci-Fi-Werke bedienen sich ganz augenscheinlich bei den Ideen von ALARM IM WELTALL. Phaser, Communicator, (fremdsprachen-begabte) Roboter, vergangene Alien-Zivilisationen und viele andere Konstanten des Science-Fiction-Films werden hier eingeführt. Es scheint unbestreitbar, dass die riesigen Krell-Anlagen den Todesstern vorgezeichnet haben und dass Robbys Fähigkeiten zur Reproduktion den Replikator vorweg nehmen. Gerade mit dem zeitlichen Abstand von über 60 Jahren lässt sich der Film somit heute als zentraler Grundstein des Sci-Fi-Kinos der 60er, 70er und 80er Jahre lesen.
Zu den meistzitierten Elementen des Films gehört dabei Roboter Robby, der hier sowohl zentrales inhaltliches Element aber auch humorvolles Comic Relief ist. Der geistige Vater von C3PO gehört heute zur Popkultur und wurde in unzähligen späteren Werken zitiert. Er gehorcht den asimov’schen Robotergesetzen, was ein weiteres Mal seine durchdachte Konzeption belegt. Aber auch neben dieser Rolle weist der Film durchaus sinntief gestaltete Figuren auf.

Leslie Nielsens Kapitän Adams stellt dabei noch die bodenständigste Figur dar. Als klassischer Heldentypus erscheint er so stellenweise fast wie Parodie auf die alten Strukturen des Genres. Edelmütig und draufgängerisch, rollenkonstant und dem Guten verschrieben bietet er den personalen Ankerpunkt der Geschichte. Demgegenüber gibt Walter Pidgeon einen genialen Dr. Morbius, der zunächst undurchsichtig, dann antagonistisch und schließlich selbstaufopfernd mehrfach die Rolle wechselt. Pidgeons Spiel trägt dabei maßgeblich zum Funktionieren der Rolle bei und macht den Doktor (neben Robby selbstverständlich) zum heimlichen Hauptcharakter des Films. Dessen Tochter Altaira, von Anne Francis im für jene Tage auffällig kurzen Rock gegeben, übertrifft ihren Vater bezüglich der Wandlungsfähigkeit noch, lässt sich an ihr doch eine ganze gesellschaftliche Rolle ablesen. Da sie in einer Welt ohne gesellschaftlich bedingte Geschlechterrollen aufgewachsen ist, birgt die Begegnung mit der männlichen Raumschiffcrew diverse Unwägbarkeiten. Dass ihr Vater diese in einer Unterhaltung mit Adams bereits vorzeichnet und die verlorene Unschuld Altairas in ihrer Beziehung zu den örtlichen Wildtieren genial wiedergespiegelt wird, gehört dann zu den weiteren kleinen Höhepunkten des Films.

Dr. Morbius: Es tut mir wirklich leid um Sie, junger Mann.
Adams: Bedauern Sie lieber Ihre Tochter, Morbius!

Unterlegt wird das alles von einem Gemisch aus Soundtrack und Geräuschkulisse. Das Ehepaar Bebe und Louis Barron hat dafür eine Vielzahl an elektrischen Gerätschaften bemüht, mit Hilfe derer die beiden dann den ersten quasi-elektronischen Soundtrack der Filmgeschichte geschaffen haben. Dabei ist es insbesondere der Umstand, dass man zu keinem Zeitpunkt feststellen kann, ob es sich gerade um Geräusche oder Musik handelt, der die Akustik des Films so außergewöhnlich macht. Die Töne des Monsters, der Maschinen und der Raumschiffe verschmelzen so mit den eigentlichen Klängen des Films und schaffen ein grandioses Hörerlebnis – das unerhörter Weise nicht mit dem verdienten Academy Award belohnt wurde, weil man die Arbeit der Barrons nicht als instrumentale Musik anerkannte.
Auch den – eigentlich verdienten – Academy Award für die Besten Spezialeffekte konnte der Streifen nicht einsacken (hier sah die Jury Mark Robsons DIE BRÜCKEN VON TOKO-RI (1954) vorn), was die zeitgenössische Rezeption des Films trefflich widerspiegelt. Sowohl an den Kinokassen als auch in den Kritiken kam ALARM IM WELTALL nur mittelmäßig weg und wurde so keineswegs zu einem Erfolg. Erst im Verlaufe der folgenden Jahrzehnte erkannten Zuschauer wie Schreiberlinge gleichermaßen, welchen Wert der Film eigentlich innehat, und so stellt er heute einen unumwundenen Klassiker dar, der sowohl bezüglich der Optik als auch des Inhalts einen ewigen Ehrenplatz in den Genrehitlisten sicher hat.

Die auch heute noch atemberaubende Tricktechnik und die zahllosen inhaltlichen Grundlagen machen ALARM IM WELTALL zu einer der Sci-Fi-Blaupausen schlechthin, die bis heute tiefe Spuren im Genre hinterlassen hat. Dass der Film daneben auch noch inhaltliche Tiefe und Spannung bietet, macht ihn zu einem unumwundenen Meisterwerk.

6 Antworten zu “ALARM IM WELTALL

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