SPARTACUS

Spartacus
Spartacus | USA | 1960
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Sklave Spartacus (Kirk Douglas) erhebt sich eines Tages aus seinem Joch, um gegen seine römischen Herren aufzubegehren. Mit seiner geliebten Varinia (Jean Simmons) an seiner Seite marschiert er mit tausenden weiterer Slaven gegen Rom und dessen egozentrischen Herrscher Marcus Crassus (Laurence Olivier).

Nachdem Stanley Kubrick mit WEGE ZUM RUHM (1957) seinen ersten großen Erfolg abgeliefert hatte, wollte er sich eigentlich zusammen mit seinem angestammten Produzenten und Partner James B. Harris an die Verwirklichung von LOLITA (1962) begeben. Doch ein unvorhergesehenes Zerwürfnis zwischen Kirk Douglas, der in WEGE ZUM RUHM die Hauptrolle gegebene hatte, und dem Regisseur Anthony Mann, den Douglas für das von ihm produzierte Projekt SPARTACUS engagiert hatte, sollte Kubricks Pläne durchkreuzen. Douglas und Mann hatten sich nach den ersten Drehtagen des von Universal Pictures und Douglas‘ Bryna Productions mit rund zwölf Millionen US-Dollar an Budget ausgestatteten Projekts aufgrund von Kompetenzstreitigkeiten zerworfen und Douglas brauchte zügig einen anderen Regisseur, damit ein derart hoch budgetiertes Vorhaben von Seiten der Studios nicht sofort wieder eingestellt würde. Seine Wahl fiel so auf den seinerzeit 32-jährigen Stanley, weil Douglas sich von dessen relativer Unbekanntheit (und der fälschlicherweise daraus gefolgerten Unsicherheit) auch einen größeren Einfluss auf den Film versprach; ein Plan, der ganz und gar nicht aufgehen sollte.
Kubrick befand sich somit erstmalig (und gleichzeitig letztmalig) in der Situation, dass er bei einem Spielfilm nicht die volle künstlerische Kontrolle innehaben sollte. Denn tatsächlich waren das Drehbuch und das Artdesign des Films schon bei seiner Ankunft am Set fix. Dazu hatte Douglas klare Vorstellungen von seinem Film und seiner Rolle darin, was mehrfach zu Auseinandersetzungen zwischen beiden führte; und Douglas‘ Wechsel der Regie im Nachhinein zusätzlich unglücklich erscheinen lässt. Auch wird von zahlreichen Problemen und Querelen zwischen Kubrick und den diversen Filmschaffenden am Set berichtet. Ärger mit dem Beleuchter, Stress mit den Ausstattern und Auseinandersetzungen mit Statisten beherrschten die Drehtage und machten die Arbeiten an dem Monumentalfilm für Kubrick zu einer Belastungsprobe und einer weitreichenden Erfahrung gleichermaßen.

Gracchus: Der schlimmste Nachteil für einen Patrizier ist, dass er sich zuweilen auch wie ein Patrizier benehmen muss.

Das Drehbuch für den Film stammt dabei von einer besonders interessanten Personalie: Dalton Trumbo sollte die Romanvorlage von Howard Fast aus dem Jahre 1951 in ein spielfilmgerechtes Skript übertragen. Trumbo war seit 1943 Mitglied der Kommunistischen Partei der USA und als solches vehement von den Verfolgungen während der McCarthy-Ära betroffen. Seine Weigerung, während der Prozesse Aussagen bezüglich unamerikanischer Umtriebe zu machen, sorgt somit nicht nur dafür, dass man ihn heute zu den berühmten Hollywood Ten zählt, sondern auch dafür, dass er knapp ein Jahr im Gefängnis verbringen musste. Trotzdem wurde Trumbo (oftmals unter Pseudonymen) zu einem gewichtigen Teil der US-amerikanischen Autorenschaft und lieferte als solcher zahlreiche bekannte Drehbücher.

Das zu SPARTACUS wirkt dabei häufig wie eine Zusammenfassung seiner politischen Überzeugungen: das geknechtete Proletariat erhebt sich, wirft die Ketten ab und zieht gegen das Kapital in die Schlacht. Die Patrizier wiederum suhlen sich in ihrer Dekadenz und sind dem puren Willen und der grundsätzlichen Aufrichtigkeit der Arbeiterklasse unterlegen. Erst durch Ränkespiele und Machtmissbrauch ist es den Regierenden schließlich möglich, dass Proletariat zu besiegen; zumindest dieses mal. Trumbo bringt diese Aussagen so deutlich im Film unter, dass der Streifen bei seiner Veröffentlichung von zahlreichen Prominenten als marxistische Propaganda abgestraft wurde. Douglas hingegen betonte in Interviews immer wieder, dass die Entscheidung für Trumbo eine der besten sei, die er je getroffen habe. Und tatsächlich ist das Skript – auch abseits der trefflichen politischen Aussagen – eines jener Monumentalfilmdrehbücher, die die naturgemäß lange Spielzeit dieses Genres geschickt mit Emotionen und Spannung zu füllen vermögen. Einzelne Szenen, wie die Ich-bin-Spartacus-Sequenz oder die erwähnte (erst 1991 bei der Restauration wieder in den Film integrierte) Badeszene habe es darüber hinaus zu größerer popkultureller Bedeutung gebracht.

Gracchus: Ja, ich habe ein Schwäche für Frauen, das liegt in meiner Natur, und deshalb nehme ich nicht wie diese Aristokraten ein Ehegelübde auf mich, von dem ich weiß, dass meine Natur mich zwingt es zu brechen.

Kubrick nutzt die Ruhe, die er durch das bereits fertige Drehbuch gewonnen hatte, dann, um dem Film bezüglich der Formalia seinen Stempel aufzudrücken. Zum ersten Mal stand ihm dabei eine beinahe uneingeschränkte Ausstattung zur Verfügung, die er auch geschickt zu nutzen verstand. Vor allem die berühmte Schlachtszene zwischen Spartacus‘ Sklavenheer und Crassus Legionen ist dabei auch heute noch atemberaubend inszeniert. Tausende Statisten vollziehen im spanischen Hinterland komplizierte Manöver, die Kubrick dann zusammen mit dem erfahrenen Kameramann Russell Metty gelungen einfängt. Die pure Gigantomanie dieser Szenen fasst die Macht und Gewalt von Spartacus‘ Feldzug perfekt zusammen und macht diesen somit wirklich als ein Aufbegehren der Massen spürbar. Davon ab zeigt Kubrick immer mal wieder sein Faible für Symmetrie und wohlgeplante Einstellungen. Zusammen mit den überwiegend gelungenen wenn auch stellenweise etwas artifiziellen Kulissen entsteht so ein schön anzusehender Film, der vor allem in seinen Massenszenen vorbehaltlos überzeugt.

Ebenfalls überzeugen kann der Cast, der vor namhaften Darstellern nur so strotzt. Kirk Douglas überzeugt als stoischer Freiheitskämpfer ohne weiteres und bekommt mit Jean Simmons (die die Rolle von der Deutschen Sabine Bethmann übernahm, die nach Streitigkeiten mit Douglas ebenfalls kurz vor Drehbeginn abgesetzt wurde) eine starke Varinia an die Seite gestellt. Tatsächlich kann Simmons dem ansonsten häufig etwas hölzernen Douglas mit ihrem engagierten Spiel einige Emotionen entlocken und ist somit hauptverantwortlich dafür, dass der Hauptcharakter auch abseits von Schlachten und feurigen Reden funktioniert. Mit Laurence Olivier gibt dann einer der größten britischen Charakterdarsteller den Antagonisten Crassus, was diese Rolle ebenfalls sehr sehenswert ausfallen lässt. Die komplizierte Figur, die ihre Bisexualität gen Schluss (und nach Zurückweisungen durch Vertreter beider Geschlechter) de facto auf die Stadt Rom ausweitet, fällt so jederzeit facettenreich und spannend aus.

Spartacus: Wenn ein freier Mensch stirbt, verliert er die Freude am Leben. Wenn ein Sklave stirbt, verliert er den Schmerz.

Gleiches gilt für Oliviers Landsmann Peter Ustinov, der als Gladiatoren-Händler Batiatus für den humorvollen Aspekt im Cast verantwortlich zeichnet. Ständig etwas überdreht, jedoch nie albern entwirft Ustinov so einen Opportunisten sondergleichen, der im Herzen aber ein guter Mensch bleibt und so ebenso wie der dritte Brite im Bunde, Charles Laughton als kongenial gespielter Gracchus, die Ambivalenz der Rollen im Film betont. Tony Curtis als Antoninus (dessen Beziehung zu Spartacus neben der Badeszene eine weitere homoerotische Thematisierung im Film darstellt) und John Gavin als Caesar runden die Besetzung ab und belegen ein weiteres Mal, dass der Streifen in Sachen Darstellerei wirklich alle Register zieht.
Trotz dieser vielen Positiva wurde der Streifen von Kubrick selbst erneut zwiespältig rezipiert. Insbesondere die engen Grenzen und Vorgaben, innerhalb derer er bei diesem Projekt arbeiten musste, sorgen dafür, dass er diesen Film als negative Erfahrung wahrgenommen hat. Folglich sollte er im weiteren Verlauf seiner Karriere stets darauf achten, bei seinen Projekten die volle künstlerische Kontrolle inne zu haben. Doch auch wenn Kubrick sich von seinem Beitrag zum Monumentalfilm wenig begeistert zeigt, bleibt SPARTACUS doch einer der besten Vertreter des Genres. Schwungvoll und ohne große Längen erzählt der Film eine spannende Geschichte von Aufbegehren und Freiheit und gehört somit auch heute noch zu den unumwundenen Standardwerken des Genres.

Kubricks Beitrag zum Monumentalfilm gehört zu den gelungensten Vertretern des Genres. Eine politisch-aufgeladene und zügig vorgetragene Geschichte wird dabei von einem äußerst beeindruckenden Cast trefflich dargeboten. Kubricks Handschrift ist zwar nur stellenweise zu erkennen, aber die atemberaubenden Schlachtszenen wiegen das spielend wieder auf und machen den Film zum Genre-Standardwerk.

4 Antworten zu “SPARTACUS

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