MISSING IN ACTION

Missing in Action
Missing in Action | USA | 1984
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Col. James Braddock (Chuck Norris) kehrt zehn Jahre nach dem Ende des Kriegs zurück nach Vietnam, weil er sicher ist, dass dort noch US-amerikanische Armeeangehörige gefangen gehalten werden. Und da sich schnell herausstellt, dass er recht hat, schnappt sich Braddock seinen alten Kumpel Tuck (M. Emmet Walsh) und macht sich auf den Weg in den Dschungel …

Seit 1981 übernahm Ronald Reagan das Zepter in den USA und mit ihm entstand eine politische und gesellschaftliche Atmosphäre, die rückblickend als äußerst konservativ und nationalbewusst bezeichnet werden kann. Und da das Filmwesen es schon immer verstand, sich aktuelle gesellschaftliche Strömungen zu Nutze zu machen, sollte es nicht lange dauern, bis erste Filmschaffende darangingen, die Gelüste der US-Amerikaner nach einer cineastischen Behandlung der Wunde Vietnam zu befriedigen. Dazu engagierten Yoram Globus und Menahem Golan mit ihrer Cannon Films den Regisseur Lance Hool und ließen ihn einen Streifen drehen, der 1985 als MISSING IN ACTION 2. TEIL – DIE RÜCKKEHR veröffentlicht werden sollte. Während der Dreharbeiten brachte Reagan aber das Thema der noch in Vietnam festgehaltenen Kriegsgefangenen auf die Tagesordnung und das israelische Produzentenduo erkannte, dass dieses Thema noch weitaus vielversprechender wäre. Also drehte man kurzerhand ein Prequel zu dem erwähnten Streifen und veröffentlichte es unter dem Titel MISSING IN ACTION noch vor dem eigentlich zuerst produzierten Werk.
Auf dem Regiestuhl durfte statt Hool nun Joseph Zito Platz nehmen, der zuvor mit DER PSYCHO-RIPPER (1979), DIE FORKE DES TODES (1981) und FREITAG DER 13. – DAS LETZTE KAPITEL (1984) vor allem im Horrorgenre gewildert hatte. Lance Hool blieb aber als Drehbuchautor am Projekt beteiligt und bastelte mit James Bruner und John Crowther ein Skript, welches das Vorhaben von Globus und Golan, vom Durst der amerikanischen Gesellschaft nach einem Wiedererstarken zu profitieren, per Excellence umsetzen sollte. Der ganze Film ist ein einziger Revisionismus, der die Vietnamesen zu von Grund auf bösen Unholden erklärt und ihnen tapfere US-Soldaten gegenüberstellt. So wird die Niederlage der US-Amerikaner im Vietnamkrieg zu einem Ausrutscher, der durch moralische Überlegenheit quasi wieder wettgemacht wird. Die Vietnamesen haben den Krieg folglich nur durch ihre Niedertracht gewinnen können; eine Niedertracht, die sie auch nach dem Ende des Kriegs weiterpflegen.

Senator: Das wird ‘ne Menge Ärger geben, Braddock.
Braddock: Deshalb bin ich hier, Senator!

In Person gefasst wird diese historische Verklärung dann mit Hilfe von Colonel James Braddock. Von Chuck Norris, der hier seinen Cannon-Einstand ablieferte, gegeben, verkörpert Braddock genau die oben beschriebene Haltung. Er begegnet den Vietnamesen mit unverhohlenem Widerwillen und ist so unfreundlich wie irgend möglich. Er zweifelt zu keinem Zeitpunkt daran, dass die Südostasiaten grundsätzlich schlecht sind und lässt sie das zu jeder Zeit wissen. Natürlich gibt ihm die äußerst schmale Handlung dann Recht und so ist es für den Zuschauer jener Tage möglich, seine ganze nationale Unzufriedenheit mit Braddock zurück zu ihrem Ausgangspunkt zu schicken. Braddock fährt einfach wieder nach Vietnam und gewinnt den Krieg nachträglich.

Neben einer völlig zusammenhanglosen und selbstzweckhaften Geschichte sorgt diese Grundhaltung dann für einen unverhohlen rassistischen Grundton. Die bösen Vietnamesen quälen die Amerikaner wo es nur geht, während Braddocks Gewalttaten stets als Mittel zum Zweck entschuldigt werden. Wie fadenscheinig das meist abläuft, verdeutlicht die Szene, in der Braddock General Trau, mit James Hong übrigens erstaunlich prominent besetzt, umbringt. Ist das nämlich während des Verhörs noch nicht möglich, dient der Versuch Traus, Braddock mit einer im Bett versteckten Knarre umzulegen, dann als Legitimation. Warum und Wieso sind unwichtig, ein weiterer Toter ist so entschuldigt.
Ansonsten schickt Zito seine Mimen, darunter auch den gestandenen Hollywood-Darsteller M. Emmet Walsh als Tuck, immer wieder durch ordentliche Sets auf den Philippinen, die jedoch nicht über das mit 2,5 Millionen US-Dollar recht begrenzte Budget hinwegtäuschen können. Es sind dann die überwiegend gelungenen Aufnahmen vom Nachtleben Bangkoks, die den Film bezüglich der Optik retten. Die Actionsequenzen sind von Zitos etatmäßigem Kameramann Joao Fernandes ebenfalls ordentlich eingefangen, auch wenn sie im Vergleich zur zeitgenössischen Konkurrenz immer mal wieder etwas altbacken wirken.

Ann: Das war ein Tag …
Braddock: Oh ja, und was das erst für ‘ne Nacht werden wird …

Was nun formal und inhaltlich eigentlich nur ein durchschnittlicher B-Actioner geworden wäre, entwickelte sich im oben skizzierten gesellschaftlichen Klima in Windeseile zu einem echten Hit. Die Kinobesucher waren vom Gebotenen begeistert und sorgten dafür, dass Cannon Films das investierte Budget verzehnfachen konnte. Natürlich lieferten Globus und Golan nun auch den bereits fertigen MISSING IN ACTION 2. TEIL – DIE RÜCKKEHR nach und rundeten die Trilogie 1988 mit dem von Chucks Bruder Aaron gedrehten BRADDOCK – MISSING IN ACTION III ab. Gleichzeitig trat der Film eine Welle von revisionistischen und nationalistischen Vietnamkriegsfilmen los, von denen RAMBO 2. TEIL – DER AUFTRAG (1985) mit Sicherheit den bekanntesten darstellt. MISSING IN ACTION ist so bis heute ein Film, der überaus deutlich von den ihn umgebenden gesellschaftlichen Realitäten beeinflusst wurde. Es ist in diesem Fall de facto nicht möglich, die Form vom Inhalt zu trennen, was eine Rezeption abseits des revisionistischen Grundaspekts unmöglich macht. Ob man den Film abseits dieser Thematik genießen kann, sei letztlich jeden Zuschauer selbst überlassen.

Norris‘ erste Cannon-Produktion markiert den Auftakt einer Welle von revisionistischen Vietnamkriegsfilmen. Was eigentlich ein durchschnittlicher B-Actioner geworden wäre, wird so zu einem Politikum, das in den 80er für klingelnde Kassen sorgte und heute ein Zeitdokument für die verklärende Haltung der US-amerikanischen Gesellschaft gegenüber dem Vietnamkrieg darstellt.

4 Antworten zu “MISSING IN ACTION

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