THE BLASTFIGHTER – DER EXEKUTOR

The Blastfighter – Der Exekutor
Blastfighter | Frankreich/Italien | 1984
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Ex-Bulle Jake Sharp (Michael Sopkiw) zieht sich nach der abgegessenen Haftstrafe für einen Selbstjustizmord in die Wälder Georgias zurück, gerät dort allerdings schnell mit einer Bande von Wilderern unter der Führung von Wally (Stefano Mingardo) aneinander. Auch dessen Bruder Tom (George Eastman), mit dem Jake seit langer Zeit befreundet ist, kann den Konflikt nicht entschärfen und schon bald werden die ersten Waffen gezückt …

Lamberto Bava, Sohn des großen Mario, hatte schon mit seinen beiden ersten Spielfilmen, dem Slasher MACABRO – DIE KÜSSE DER JANE BAXTER (1980) und dem Giallo A BLADE IN THE DARK (1983) zeigt, dass er im Gegensatz zu seinem Vater eher ein Handwerker als ein Künstler ist. Beide Streifen stellen launige Genreproduktionen dar, die ihr vordringlichstes Anliegen, dem Schöpfer möglichst schnell Geld in die Taschen zu spülen, allerdings zu keinem Zeitpunkt verhehlen können. Da erstaunt es nicht, dass Bavas dritte Regiearbeit in das seit Ted Kotcheffs 1982 veröffentlichten RAMBO florierende Actiongenre fallen sollte. Eine Truppe rund um den italienischen Drehbuchfachmann Dardano Sacchetti, der mit seinen Arbeiten für Argentos DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE (1971), Fulcis WOODOO – DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1979) oder Castellaris THE RIFFS – DIE GEWALT SIND WIR (1982) bereits seine breit gefächerten Fähigkeiten bewiesen hatte, hatte nämlich bereits ein Skript geschrieben, welches eigentlich von Lucio Fulci umgesetzt werden sollte, der jedoch die Regiearbeit am Endzeit-Klopper DIE SCHLACHT DER CENTURIONS (1984) vorzog.

Wally: Hey Lollipop! Typ: Warum nennst du sie so? Wally: Leck mal dran – dann weißt du’s!

Der Vorlage treu bleibend spielt der ganze Streifen dann in einem US-amerikanischen Waldstück. Da die Produktion tatsächlich in den USA drehte, sehen sowohl die Kleinstadt als auch die Natur dabei glaubhaft aus und erzeugen so eine enge visuelle Nähe zum großen Vorbild RAMBO. Allerdings erlauben sich die Herren Autoren, die Vorlage inhaltlich etwas abzuwandeln und schicken dazu Valentina Forte in ihrer Debutrolle ins Rennen. Sie darf dann als Töchterlein Connie eine Spur Emotionalität in die Geschichte einbringen, die jedoch an Michael Sopkiws völlig gefühlslosem Spiel eiskalt abprallt. Sopkiw hatte ein Jahr zuvor in Sergio Martinos ordentlichem Endzeit-Trasher FIREFLASH – DER TAG NACH DEM ENDE (1983) debütiert und sollte es in der Folge auf gerade einmal fünf Spielfilmauftritte bringen. Aufgrund seiner heillosen Überforderung was die Kontrolle über sein Gesicht angelangt, erstaunt das auch nicht weiter und so reiht sich der Schnauzbartträger kommentarlos in die Riege der John Rambo-Klone jener Tage ein.

Ansonsten versucht die Geschichte mittels eines heuchlerischen Tierethik-Exkurses einen einigermaßen belastbaren Hintergrund zu schaffen, was jedoch ebenfalls völlig danebengeht. Immerhin bietet sich so die Möglichkeit, den ebenfalls gänzlich unbegabten Stefano Mingardo vorzustellen, der Fachleuten aus Ruggero Deodatos ATLANTIS INFERNO (1983) bekannt sein dürfte und der hier als erzböser Wilderer auftritt. Als sein Bruder darf dann noch Genreveteran George Eastman auftreten, der dem Streifen (neben Michele Soavi und Ottaviano Dell’Acqua in Kleinstrollen) wenigstens ein bekanntes Gesicht schenkt.

Jake: Das einzige, was ich will, ist Frieden. Tom: Du bekommst nur Frieden, wenn du was zu sagen hast!

Leider sieht das Skript auch vor, dass Hauptrolle Jake das gleich zu Beginn erhaltene Supergewehr erst einmal unter einer Bodendiele versteckt, um es dann erst zehn Minuten vor Filmende wieder hervorzuholen. Bis dahin eiert Jake vornehmlich mit seiner Tochter durch den Wald und die beiden bekunden abwechselnd ihre Zuneigung zueinander. So entwickelt sich der Film dann zu einer einzigen gewaltigen Länge, die dafür sorgt, dass der Zuschauer den Einsatz der Wunderwaffe immer stärker herbeisehnt. Wenn es dann schließlich soweit ist, erweisen sich leider sämtliche Patronen als Explosionsgeschosse, die mit der inzwischen auf eine halbe Armee angewachsenen Gegnerschar (woher kommen eigentlich all diese Wilderer? Beliefern die wirklich alle den einen, Aphrodisiakum-produzierenden Chinesen?) nur allzu schnell aufräumen. Lediglich eine Handvoll tatsächlicher Abschüsse, die dann immerhin angenehm blutig ausfallen, gibt es zu bestaunen, was nach der ellenlange Wartezeit eine relativ derbe Enttäuschung darstellt. Immerhin steuert Fabio Frizzi einen klassischen Synthie-Soundtrack bei und Bavas etatmäßiger Kameramann Gianlorenzo Battaglia fängt das Geschehen auch recht gekonnt ein. Ansonsten sorgen einige dumme Dialoge, massenweise grotesker Unfug und unübersehbar große Logiklöcher zumindest für leidliche Action-Unterhaltung. Dass Lamberto Bava kurze Zeit später mit DÄMONEN 2 (1985) und DÄMONEN (1986) zwei kleine Klassiker des Zombiefilms abliefern sollte, war hier allerdings noch nicht zu erahnen.

Überwiegend langweiliger Action-Streifen, der sich vor allem in seinem viel zu langen (und langweiligen) Mittelteil ordentlich verzettelt. Das erträgliche Geballer am Ende kann diesen Patzer nicht mehr ausbügeln und die maue Besetzung tut ein Übriges dazu, dass der Streifen in der Welle von RAMBO-Klonen hilflos untergeht.

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