KATZENAUGE

Katzenauge
Cat’s Eye | USA | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Richard Morrison (James Woods) wendet sich an den mit skurrilen Methoden arbeitenden Dr. Vinnie Donatti (Alan King), der Ex-Tennisstar Johnny Norris (Robert Hays) muss auf dem Sims eines Hochhauses umherklettern um seine Geliebte von ihrem sadistischen Ex Cressner (Kenneth McMillan) loszueisen und die kleine Amanda (Drew Barrymore) wird von einem Troll heimgesucht, der ihr des Nachts den Atem stehlen möchte. Die Verbindung zwischen diesen drei Geschichten? Eine Katze.

Seit Ende der 70er Jahre galt es unter Hollywoods Regisseuren als sichere Angelegenheit, sich für die Verfilmung eines Stephen King-Romans verpflichten zu lassen, denn zahlreiche Filmschaffende von Weltruf hatten so schon beachtliche Erfolge hinlegen können. Zu den mit weniger Beachtung gesegneten Werken dieser frühen Phase der King-Verfilmungen gehört sicherlich der von Lewis Teague gedrehte CUJO (1983), auch wenn man dem beileibe nicht schlechten Film dabei immer etwas Unrecht tut; doch gegen die unmittelbaren Konkurrenten CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER (1976), SHINING (1980), DIE UNHEIMLICH VERRÜCKTE GEISTERSTUNDE (1982) oder CHRISTINE (1983) kann sich Teagues Beitrag einfach nicht behaupten. Das hielt den mit dem gelungenen Tierhorror-Streifen DER HORROR-ALLIGATOR (1980) bekannt gewordenen Regisseur aber nicht davon ab, zwei Jahre später einen weiteren Film nach Vorlage von Stephen King umzusetzen.
Dazu schnappte sich Teague zwei Geschichten aus Kings 1978 veröffentlichter Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht (Quitters, Inc. und Der Mauervorsprung) und ersann eine dritte selbst. Daraus entstand dann ein Episodenfilm, dessen verbindendes Merkmal eine Katze ist, die allerorten auftaucht und den Protagonisten stets zur Seite steht. Das Konzept erinnert an den von George A. Romero gedrehten DIE UNHEIMLICH VERRÜCKTE GEISTERSTUNDE und auch die Ausrichtung lässt durchaus Parallelen erkennen. Denn auch Teagues Film strotzt (zumindest in den ersten beiden Episoden) nur so vor schwarzem Humor. Insbesondere die Episode Quitters, Inc. tendiert mitunter schon zur Groteske und lässt den unvorbereiteten Zuschauer mit offenem Munde zurück. Die unorthodoxen Methoden des Dr. Donatti, die Visionen von Morrison und die surrealen Spezialeffekte sorgen für eine Achterbahnfahrt an Eindrücken, die mit Der Mauervorsprung nahtlos fortgesetzt wird. Auch hier reichen sich Humor und Übertreibung die Hand und sorgen für beste Unterhaltung. Die dritte Episode hingegen fällt etwas gemäßigter aus und richtet sich eher an jugendliche Zuschauer.

Donatti: Sie lieben Ihre Frau und Sie lieben Ihre Tochter. Das ist zwar nicht sehr verbreitet heutzutage, aber sehr hilfreich.

Allen drei Teilen gemein ist eine gelungene Ausstattung mit Spezialeffekten, die den suspekten Charakter der Geschehnisse trefflich betont. Menschen, die unendlich lange Rauch ausatmen (oder denen er gleich zu den Ohren herauskommt), abgehakte Fingerknöchel oder rollende Köpfe und natürlich der abgefahrene Troll am Ende sorgen jederzeit für optische Abwechslung und Kurzweil. Alan Silvestri, der im gleichen Jahr mit dem Soundtrack zu ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT (1985) einen Welterfolg landen sollte, rundet Teagues flotte Inszenierung dazu auch akustisch gelungen ab und gibt somit ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung.

Drew Barrymore ist dann mit Auftritten in zwei (wenn man ihren Geist mitzählt, sogar in allen drei) Episoden ein weiteres verbindendes Merkmal. Sie war bereits ein Jahr zuvor in Mark L. Lesters King-Adaption DER FEUERTEUFEL (1984) zu sehen und bedient hier die jüngeren Zuschauer; und liefert in der erster Episode ganz nebenbei einen grandiosen Auftritt als brillenbewährte Außenseiterin. Die anderen beiden Episoden verfügen dann mit James Woods und Robert Hays über erstaunlich namenhafte Hauptbesetzungen. Vor allem Woods war nach seinen Engagements für Cronenbergs VIDEODROME (1983) und Leones ES WAR EINMAL IN AMERIKA (1984) ohne Frage ein Mime von Weltformat, aber auch Robert Hays hatte mit seinen Komödien-Klassikern DIE UNGLAUBLICHE REISE IN EINEM VERRÜCKTEN FLUGZEUG (1980) und DIE UNGLAUBLICHE REISE IN EINEM VERRÜCKTEN RAUMSCHIFF (1982) einiges an Bekanntheit erlangt. Kenneth McMillan und Patricia Kalember runden dann einen Cast ab, der wahrlich kaum Wünsche offen lässt.
Es sind letztlich Kleinigkeiten, die dem Film den ganz großen Erfolg verwehren. Die Katze bleibt als gemeinsamer Nenner recht belanglos und die einzelnen Episoden weisen eine durchaus große Spannweite – von bitterböser Groteske bis jugendgerechtem Spaß – auf. Des Weiteren sind die gerade einmal sieben Millionen US-Dollar an Budget immer mal wieder zu sehen, was den Charme des Dargebotenen allerdings kaum schmälert. Freunde von Episodenfilmen und unkompliziertem 80er-Horror sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren und sei es nur, um die wirklich äußerst gelungene Episode Quitters, Inc. gesehen zu haben.

Zwischen all den weltbekannten King-Verfilmungen der 80er Jahre nimmt Teagues zweite Adaption eines der Romane des großen Horrorliteraten zwar eine zweitrangige Stellung ein, was den Unterhaltungswert dieses Episodenfilms allerdings kaum zu schmälern vermag. Die Mischung aus Groteske und Komödie funktioniert erstaunlich gut und ist zudem trefflich besetzt. Daumen hoch!

Eine Antwort zu “KATZENAUGE

  1. Ich bin mir fast, aber nur fast, sicher, dass das der erste King-Film war, den ich gesehen habe. Alleine deswegen nimmt er bei mir eine Sonderstellung ein. Meine Lieblingsepisode ist dabei „Der Mauervorsprung“, ich finde die Atmosphäre einfach herrlich! „Quitters Inc.“ hingegen funktioniert im Buch besser, vor allem was die Foltersequenz angeht. Heute würde das natürlich auch viel „effektvoller“ inszeniert werden ;-).

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