DER TEUFEL KENNT KEIN HALLELUJA

Der Teufel kennt kein Halleluja
La Collera del vento | Italien/Spanien | 1971
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Kopfgeldjäger Marco (Terence Hill) wird zusammen mit seinem Bruder Jacabo (Mario Pardo) von dem niederträchtiger Großgrundbesitzer Don Antonio (Fernando Rey) damit beauftragt, einen Aufstand in einem andalusischen Nest niederzuschlagen. Doch schon bald muss sich der eigentlich gewissenlose Marco dem Anmut der schönen Soledad (Maria Grazia Buccella) und dem Gerechtigkeitssinn des Schmieds José (Ángel Lombarte) beugen; fortan hilft er den Bewohnern …

Während sich der Italowestern in seinem Mutterland ab 1970 langsam selbst zu parodieren begann – Enzo Barbonis DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS (1970) kann hier immer wieder als eines der markantesten Beispiele dieser Entwicklung herangezogen werden – gab es trotzdem auch weiterhin noch ernsthafte Auseinandersetzungen mit dem Genre. Für eine davon zeichnete der Spanier Mario Camus verantwortlich, der zudem noch ein weiteres Risiko einging: Er besetzte den seit oben genanntem Film als Komödiant etabliertem Terence Hill wieder als düsteren Charakter ohne dumme Sprüche und Kloppereien. Somit handelte Camus 1971 bewusst entgegen mehrerer aktueller Entwicklungen und ging mit seinem DER TEUFEL KENNT KEIN HALLELUJA ein durchaus großes Wagnis ein.
Denn Hill wird hier von Beginn an zum seelenlosen Killertypus, der zusammen mit seinem Bruder Jacobo, von dem spanischen TV-Fachmann Mario Pardo trefflich, wenn auch letztlich etwas belanglos, gegeben, jeden noch so ruchlosen Auftrag annimmt. Und auch die persönliche Wandlung des blauäugigen Hauptcharakters vollzieht sich ohne jeden Humor. Hill zeigt kein Lächeln und kein Zwinkern und bleibt in seiner Spielweise so sehr eng am prototypischen Italowestern-Charakter.

Marco: Raus hier!
Ramón: Ich schwöre dir, das wirst du nochmal bereuen!
Marco: In Ordnung. Aber jetzt verschwindest du!

Tausendsassa Fernando Rey darf als von Grund auf böser Antagonist Don Antonio mal wieder eine seiner Paraderollen abliefern, während der US-Amerikaner William Layton, der kurz zuvor in der Schmuddel-Komödie SEIN BESTES STÜCK VERKAUFT MAN NICHT (1970) zu sehen war, als positiver Kontrast Don Lucas dazu eher blass bleibt. Dafür macht Maria Grazia Buccella, die 1966 als Hexe in Mario Monicellis Kracher DIE UNGLAUBLICHEN ABENTEUER DES HOCHWOHLLÖBLICHEN RITTERS BRANCA LEONE zu einiger Bekanntheit gelangte, als ebenso hübsche wie selbstbewusste Soledad eine gute Figur und Ángel Lombarte, unter anderem bekannt aus Giorgio Steganis SHAMANGO (1967), kann als knallharter Schmied ebenfalls überzeugen.

Der eigentliche Hauptdarsteller ist dann aber das von Manolo Marinero geschriebene Skript. Der weitestgehend unerfahrene Marinero erhielt dabei Unterstützung von Alberto Silvestri und Franco Verucci, die zusammen schon Romolo Guerrieris gelungenen Poliziesco-Vorreiter DIE KLETTE (1969) geschrieben hatten, sowie dem erfolgreichen italienischen Produzenten Mario Checchi Gori. Zusammen schrieben diese Herren dann ein Drehbuch, welches sich bezüglich seiner Gesellschaftskritik auffallend deutlich positioniert und welches seinen Hauptdarsteller schließlich einen Feldzug gegen die allzu raffgierigen Großgrundbesitzer führen lässt. Die unterdrückten Arbeiter könne sich schließlich mit Hilfe von Marcos trotzdem etwas unlauteren Methoden wehren und letztlich besiegt die Menschlichkeit das Kapital.

Marco: Was hast du davon, dass du auf ihrer Seite bist?
Soledad: Das weiß ich nicht, ich hab gar nichts davon. Ich könnte genauso gut alles verkaufen und von hier weggehen, aber da ist noch mein Hass!

Camus inszeniert diese Geschichte dann angenehm ruhig und abgeklärt, auch wenn man immer wieder deutlich merkt, dass ihm seitens der spanisch-italienischen Geldgeber nicht allzu große Mittel zugestanden wurden. So ist es Camus‘ und Kameramann Roberto Gerardis umfangreicher Erfahrung zu verdanken, dass der Film sein niedriges Budget jederzeit ordentlich zu verstecken weiß und die andalusischen Weiten immer wieder trefflich eingefangen werden. So reißt die Optik dann, ebenso wie Augusto Martellis Score, zwar keine Bäume aus, gestaltet sich aber trotzdem zu jedem Zeitpunkt funktional und stimmig.
Schlussendlich wird Mario Camus‘ Wagnis somit belohnt und DER TEUFEL KENNT KEIN HALLELUJA ist trotz seines deutschen Titels, der tatsächlich große Albernheiten erwarten lässt, ein gelungener Italowestern alter Schule, der mit seinem deutlich sozialkritischen Ton zudem auch inhaltlich zu überzeugen weiß. Formal sicher und gekonnt umgesetzt, gibt es an Camus Spätwestern also wahrlich nicht viel auszusetzen.

Auch wenn Camus‘ Spätwestern sicherlich eine Liga von den ganz Großen entfernt ist, sorgen seine solide Machart und die treffliche Besetzung dennoch für gelungene Unterhaltung. Die starke sozialkritische Aussage trägt ein Übriges dazu bei, dass man mit der Streifen eigentlich nichts falsch machen kann.

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