INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG

Indiana Jones und der letzte Kreuzzug
Indiana Jones and the Last Crusade | USA | 1989
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Indiana Jones (Harrison Ford) wird von dem Geschäftsmann Walter Donovan (Julian Glover) damit beauftragt, den Heiligen Gral zu suchen. Zum einen soll so verhindert werden, dass das Artefakt den ebenfalls danach suchenden Nazis in die Hände fällt, und zum anderen ist Indy aus persönlichen Belangen an der Suche interessiert, denn sein Vater (Sean Connery) ist bei den Untersuchungen verschwunden …

Nach INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES (1984) widmete sich George Lucas erst einmal seiner Tätigkeit als Produzent und brachte mit DIE REISE INS LABYRINTH (1986), HOWARD – EIN TIERISCHER HELD (1986) oder WILLOW (1986) einige erfolgreiche Werke auf den Weg. Auch Regisseur Steven Spielberg verlegte sein Engagement in den nächsten Jahren auf das Produzieren und konnte mit DIE GOONIES (1985), ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT (1985), DIE REISE INS ICH (1987) oder FALSCHES SPIEL MIT ROGER RABBIT (1988) ebenfalls einiges an Erfolg verbuchen. Doch während sich die Köpfe hinter den INDIANA JONES-Filmen derart betätigten, war die ganze Zeit über klar, dass das Finale der von Anfang an geplanten Trilogie noch ausstand. Harrison Ford war schließlich schon 1981 mit einem Vertrag über drei Filme ausgestattet worden und somit stand Indys abermalige Rückkehr völlig außer Frage.

Vogel: Was sagt Ihnen dieses Buch, was es uns nicht sagt?
Henry: Es sagt mir, dass im Stechschritt marschierende Idioten wie Sie, die Bücher lieber lesen sollen, anstatt sie zu verbrennen!

Dazu stand jedoch ein weiteres Mal eine Umbesetzung bezüglich der Autorenschaft auf dem Programm. Willard Huyck und Glorie Katz, die das Skript zu INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES verfasst hatten, waren nicht verfügbar und so musste sich Lucas, der immerhin in Sachen Produktion auf seine altbewährten Kollegen Robert Watts und Frank Marshall zurückgreifen konnte, erneut nach neuen Schreiberlingen umsehen. Einen ersten Erfolg konnte Lucas dann in Form von Menno Meyjes verbuchen, der bereits 1985 Spielbergs Drama-Erfolg DIE FARBE LILA geschrieben hatte. Später gesellte sich dann noch Jeffrey Boam dazu, der neben David Cronenbergs THE DEAD ZONE – DER ATTENTÄTER (1983) auch den erwähnten DIE REISE INS ICH (1987) und Joel Schumachers THE LOST BOYS (1987) geschrieben hatte. Mit einem derart namenhaften Team ausgestattet ging man dann das Vorhaben an, das Franchise nach dem äußerst actionreichen Ausflug nach Indien im zweiten Teil wieder in altbekannte Fahrwasser zu lotsen.

Tatsächlich wirkt das Drehbuch zum dritten Teil dabei vielfach wie eine Reminiszenz an JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES (1981). Indy kehrt ins Barnett College zurück, Marcus Brody und Sallah treten wieder auf und die Nazis stellen erneut die Widersacher, die Indy von der Bergung eines christlichen Artefakts abhalten soll. Sofort stellt sich eine heimelige Atmosphäre ein und der Zuschauer weiß das Dargebotene augenblicklich einzuordnen. Trotzdem gibt sich das Drehbuch zu keiner Sekunde der Gefahr hin, eine bloße Kopie darzustellen: Vielmehr erweiterte es die bekannten Elemente um zahlreiche Hintergründe und Verweise, die die Welt des INDIANA JONES wie kein Film zuvor mit Leben füllen.
Hauptverantwortlich dafür ist der Ausbau der Figur Indiana Jones mittels einer Vergangenheit und eines Vaters. Die furiose Eröffnung wird so zu einer grandiosen (Neu-)Einführung der eigentlich schon bekannten Figur, wenn River Phoenix, der bereits 1986 in MOSQUITO COAST Harrison Fords Sohn spielte, als junger Indy ein Abenteuer durchlebt, welches alle relevanten Eigenschaften des später von Ford verkörperten Charakters erklärt. Wo kommt die Narbe am Kinn her, woher die Angst vor Schlagen, woher der archäologische Antrieb, woher der Fedora? Freunde der Reihe werden geradezu mit Verweisen bombardiert, bis der junge Indy dann schließlich vor seinem zunächst nicht gezeigten Vater steht, der hier zur zweiten inhaltlichen Erweiterung wird.

Fedora: Heute hast du verloren, Kleiner, aber das muss dir ja nicht gefallen.

Denn sobald Henry Jones Jr. nach rund 45 Minuten dann ins Geschehen eingreift, hebt das den Film noch einmal eine Stufe nach oben. Fortan bewegt sich Henry Jr. in einer Situation, die seine bisherige Rolle als bärbeißiger Draufgänger völlig aushebelt, denn im Angesicht seines Vaters wird er mitunter wieder zum Schuljungen. Hier kommt die grandiose Besetzung dann vollends zum Tragen, denn neben dem obligaten Harrison Ford darf Sean Connery zeigen, was in ihm steckt. Obwohl nur zwölf Jahre älter als Ford schafft es zum einen die Abteilung Maske dafür zu sorgen, dass man Connery die weise Vaterfigur zu jedem Zeitpunkt abnimmt, zum anderen sorgt aber auch der Schotte selber mit seinem unnachahmlichen Spiel für ebendiesen Effekt. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn rückt so im Verlaufe des Films immer mehr in den Mittelpunkt und wird letztlich zur Hauptsache.

Daneben ist sie Grundlage der noch einmal erhöhten Komik im Film. War schon INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES deutlich darauf bedacht, seine Brutalitäten mittels Humors abzumildern, wird dies in INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG noch deutlicher. Denn da hier die explizite Gewalt des Vorgängers ausbleibt, dient der Humor weniger als Gegengewicht, sondern kann sich frei entfalten. Neben der Beziehung zwischen Senior und Junior wird das vor allem deutlich, wenn Indy Fahrkarten kontrolliert, Hitler Tagebücher unterschreibt oder Sallah und Brody auftreten. Gerade letzterer mutiert dabei zeitweise zum völlig überzeichneten Sidekick.

Elsa: Was ist das denn?
Indy: Das ist die Bundeslade.
Elsa: Sicher?
Indy: Ganz sicher.

Trotzdem ist es auch die Rückkehr von Denholm Elliott als (diesmal mit einer deutlich größeren Rolle bedachtem) Marcus Brody oder John Rhys-Davies als ebenfalls Humor-orientierterem Sallah, die die oben bereits erwähnte Heimeligkeit besorgt. Ford und Connery spielen über jeden Zweifel erhaben und der britische TV-Mime Julian Glover, der 1980 schon eine Nebenrolle in DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK bekleidete, darf als Nazi-naher Geschäftsmann Donovan einen ordentlichen Widersacher abgeben, der zudem von Michael Byrne als Oberst Vogel trefflich flankiert wird. Der Irin Alison Doody schließlich kommt die undankbare Rolle zu, die am wenigsten präsente Dame in den ersten drei Filmen zu geben. Während Karen Allen 1981 brillierte und Kate Capshaw 1984 ebenfalls sehr viel Screentime zugedacht bekam, muss Doody zugunsten der Beziehung zwischen Ford und Connery kürzertreten. So entsteht dann auch ein winziger Makel, wenn im Finale plötzlich eine gefühlsmäßige Beziehung zwischen Indy und Elsa angedeutet wird, die zuvor (vor allem nach Elsas Enttarnung) kaum Zeit zur Entwicklung hatte.

Während der unmittelbare Vorgänger dann ein wahres Feuerwerk an Action war, der seinem Zuschauer keinerlei Verschnaufpause lief, fahren George Lucas und Cutter Michael Kahn das Tempo nun wieder deutlich runter. Es gibt wieder mehr Ruhe und Dialog und somit näher sich der Rhythmus wieder eher der Ausgewogenheit des ersten Teils an. Spielberg inszeniert indes prächtig und wird dabei zum dritten Mal von Kameramann Douglas Slocombe unterstützt. John Williams variiert das bekannte Thema ein weiteres Mal kongenial und heimste folgerichtig auch mit seiner dritten Arbeit für das Franchise einen Academy Award ein; neben den Auszeichnungen für den Besten Tonschnitt und den Besten Ton.

Indy: Ich bin gekommen, um dich zu retten!
Henry: Und wer wird kommen, um dich zu retten, Junior?

Auch optisch nähert sich der Film wieder dem Erstling an und präsentiert im Gegensatz zum exotisch-fantastischen Stil des zweiten Teils wieder einen deutlich bodenständigeren Look. An zahllosen Drehorten auf der ganzen Welt und in den wieder einmal wundervollen Kulissen von Produktionsdesigner Elliot Scott gedreht, sieht der Film zu jedem Zeitpunkt stimmig und glaubhaft aus. Eine intensive Verwendung erster digitaler Trickeffekte wie dem Compositing fällt keineswegs negativ auf, sondern findet hier ebenso dezenten wie wirkungsvollen Einsatz. Davon ab ermöglichte das auf 48 Millionen US-Dollar gesteigerte Budget einige Massenszenen und eine generelle Ausstattung, die dem Film vollends zu Gute kommen.
Mit einem Einspielergebnis von rund 470 Millionen US-Dollar wurde INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG dann zum erfolgreichsten Film der ursprünglichen Trilogie und auch die Rezeption der Zuschauer und Kritiker kannte kaum Grenzen. Spielberg und Lucas sowie Ford und Connery hatten es geschafft, die bahnbrechende Abenteuer-Action des ersten Teils um charakterliche Tiefe und Humor zu erweitern und somit einen Abenteuerfilm geschaffen, der an Unterhaltungswert wohl nicht zu überbieten ist. Der willfährige Versuch, daran im Jahre 2008 per INDIANA JONES UND DAS KÖNIGREICH DES KRISTALLSCHÄDELS anzuknüpfen, kann an dieser Stelle getrost ignoriert werden, denn 1989 erfuhr die Filmreihe INDIANA JONES ihren unbestreitbaren Höhepunkt!

Indys dritter Auftritt verbindet die perfekte Abenteuer-Action des ersten Teils mit charakterlicher Tiefe und treffsicherem Humor. Die Rückkehr bekannter Charaktere macht den durch Connery sinnvoll erweiterten Cast auch in der Breite stark und altbekannte Komponenten wie Spielbergs Inszenierung oder Williams Musik sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Der dritte Auftritt des peitschenschwingenden Abenteurers wird so zum krönenden Abschluss der ursprünglichen Trilogie.

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7 Antworten zu “INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG

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