RUN, ANGEL, RUN

Run, Angel, Run
Run, Angel, Run | USA | 1969
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Angel (William Smith) verrät seine Motorradgang an ein Magazin und streicht dafür 10.000 US-Dollar ein. Kurz darauf muss er allerdings mit seiner Freundin Laurie (Valerie Starrett) fliehen, weil seine Ex-Kumpanen, angeführt vom rücksichtslosen Ron (Gene Shane), Jagd auf ihn machen. In einem kleinen Kaff in der Nähe von San Francisco wollen sich die beiden zur Ruhe setzen, doch das Unheil bleibt ihnen dicht auf der Fersen …

Sein schauspielerisches Mitwirken in DIE WILDEN SCHLÄGER VON SAN FRANCISCO (1967), ENGEL DER HÖLLE (1967) und ANGELS FROM HELL (1968) hat auf Jack Starrett anscheinend einen derart heftigen Einfluss gehabt, dass er sein Regiedebut ebenfalls im Genre Rockerfilm absolvierte. Zusammen mit Richard Compton, ein Jahr später per DIE ROCKER VON DER BOSTON STREET (1970) ähnlich gelagert unterwegs, Jerome Wish, der ein Jahr zuvor schon am Skript zu ANGELS FROM HELL beteiligt war, und V. A. Furlong, der ansonsten mit der Filmerei nichts zu Schaffen hatte, entstand dann ein Drehbuch, welches sich zwar einerseits angenehm von den üblichen Geschichten des Feuerstuhl-Genres abhebt, letztlich aber doch an diversen Problemchen krankt.

Laurie: Ja, Schatz.
Angel: Diese Masche mit ‚Ja, Schatz‘ zieht bei mir nicht. Wenn du mich noch mal so in der Luft hängen lässt, gibt’s schwer was auf’s Maul!

Der schon von Hunter S. Thompson in seinem Standardwerk Hell’s Angels geschilderte Ausverkauf, dem der Club ab 1966 unterlag, dient hier als Aufhänger der Geschichte. Das tatsächliche Interesse der Medien an den Outlaws nutzt die Hauptrolle Angel hier, um auf Kosten seiner Gefährten in den Besitz von 10.000 US-Dollar zu gelangen und gleichzeitig zum Feind seiner alten Freunde zu werden. Es folgt eine schmissige Verfolgungsjagd, im Zuge derer Starrett durchaus geschickt mit Splitscreen-Montagen und einfallsreichen Kamerawinkel agiert. Die Story entwickelt sich langsam aber unterhaltsam und dank der flotten Inszenierung kommt kaum Langeweile auf.

Doch dann erfährt die Handlung einen abrupten Dämpfer, wenn sich das Pärchen plötzlich im Hinterland häuslich niederlässt und Hauptcharakter Angel sich einen gesicherten Job auf einer Farm sucht. Plötzlich herrscht unfassbare Langeweile, während Angel lernt, wie man Schafe fängt oder sich bei Laurie über das fehlende Abendessen beschwert. Der Versuch der ambivalenten Charakterzeichnung scheitert völlig und so wird aus dem rücksichtslosen Motorradrowdie flugs ein lärmender Hausherr, der plötzlich sein Glück in der väterlichen Beziehung zu Farmer Dan findet. Erst das finale Eintreffen der Jäger bringt den Film (zu spät) wieder auf Touren und sorgt – neben den unumgänglichen Vergewaltigungen – mittels einiger Fights und Verfolgungen für ein wenig Action. Bis dahin muss man sich an den von Cutter Renn Reynolds zugegeben gekonnt umgesetzten Gegenschnitten beim Szenenwechsel und einigen netten Einstellungen der sich auf der Verfolgung befindlichen Rocker über Wasser halten.

Angel: Ja, ich schaff mir ‘nen Harem an!
Laurie: Einen Harem? Ach, du schaffst mich ja noch nicht mal oft genug!

Williams Smith scheitert trotz großer Bemühungen (und grandiosem falschen Bart) leider an der dämlich geschriebenen Rolle des Angel und des Regisseur Ehegattin Valerie Starrett zeigt, warum dieser Auftritt für sie der einzige in einem Spielfilm sein und bleiben sollte. Gene Shane, zwei Jahre später als Esoteriker Tarot in der Werwolf-Rocker-Mixtur BLUTNACHT DES TEUFELS (1971) zu sehen, darf als Ron ein wenig Niedertracht walten lassen und der zukünftige Hollywood-Nebenrollenfachmann Lee de Broux darf sein Spielfilmdebut ableisten.
In Anbetracht des erschreckend großen Leerlaufs in der Filmmitte erstaunt dann das auffällig gute Abschneiden des Films umso mehr. Für knappe 100.000 US-Dollar in gerade einmal zwei Wochen zurechtgebastelt, spielte der Streifen in den USA runde 13 Millionen US-Dollar ein und wurde so zum 15. erfolgreichsten Film des Jahres 1969. Er belegte so eindrucksvoll, warum in jenen Jahren das Genre des Rockerfilms so beliebt war, versprach es doch hohe Renditen bei geringen Investitionen. RUN, ANGEL, RUN kann sich dabei zwar aufgrund seiner eigenständigen Geschichte durchaus vom Genredurchschnitt abheben, bleibt aber aufgrund des riesigen Lochs in der Filmmitte und der dümmlichen Charakterzeichnung trotz der technisch ordentlichen Umsetzung letztlich blass. Das wird Jack Starrett, der nach diesem Erfolg gleich den Vietnam-Rocker-Streifen THE LOSERS – VERDAMMT, VERKOMMEN, VERLOREN (1970) und die Blaxploitation-Granate SLAUGHTER (1972) nachlegte, allerdings kaum gestört haben.

Ein grundsätzlich ordentliches Konzept scheitert hier an zu viel Leerlauf in der Filmmitte und einer allzu dämlichen Charakterzeichnung. Trotzdem kann sich Starretts Debut aufgrund der eigenständigen Geschichte und der technisch ordentlichen Umsetzung durchaus vom Genredurchschnitt abheben.

3 Antworten zu “RUN, ANGEL, RUN

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