DEREK FLINT – HART WIE FEUERSTEIN

Derek Flint – Hart wie Feuerstein
In Like Flint | USA | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Geheimagent Derek Flint (James Coburn) wird von seinem Vorgesetzten Lloyd C. Cramden (Lee J. Cobb) damit beauftragt, eine Verschwörung auf höchster Regierungsebene zu untersuchen. Der Verdacht: Die undurchsichtige Unternehmerin Elisabeth (Alla Lee) hat die Kontrolle über das Weiße Haus errungen, indem sie den Präsidenten (Andrew Duggan) durch einen Doppelgänger ersetzt hat.

1965 konnte 20th Century Fox mit der Agentenfilmparodie DEREK FLINT SCHICKT SEINE LEICHE einen vor allem optisch äußerst gelungenen Film abliefern, der die durch das misslungene Großprojekt CLEOPATRA (1963) in arge Nöte geratenen Studiofinanzen wieder korrigierte. Dementsprechend erstaunt es kaum, dass man den Produzenten Saul David zwei Jahre später mit einer Fortsetzung beauftragte, die das (zumindest finanziell) erfolgreiche Konzept aus Parodie und Überfluss fortsetzen sollte. Der Stab sowie die Hauptrollen Coburn und Cobb konnten dabei wieder zusammengeführt werden, nur auf dem Regiestuhl kam es zu einem Positionswechsel. Daniel Mann wurde hier durch Gordon Douglas ersetzt, der sich seit den frühen Jahren des Tonfilms als Regisseur verdingte und der 1954 mit dem Bug Movie-Grundstein FORMICULA seinen größten Erfolg feiern durfte.

Derek Flint: Gehirn- und Haarwäsche, alles in einem Arbeitsgang.

Das Drehbuch musste Hal Fimberg dieses Mal alleine erstellen, was diesen jedoch nicht davon abhielt, wieder ein sehr überzeichnetes und an Seitenhieben wenig armes Büchlein zu schreiben. Im Gegensatz zum Vorgänger fällt die Storyline dann etwas bodenständiger aus; soweit ein solcher Begriff einem Film, in dem es um Gehirnwäsche, Raumfahrt, Kyrotechnik und ähnliches geht, gerecht werden kann. Aber tatsächlich versucht sich Fimbergs Skript deutlich mehr an Themen, die die zu jener Zeit aktuellen gesellschaftlichen Diskurse parodieren: Frauenrechte, Raumfahrt und der Kalte Krieg werden hier durch den Kakao gezogen und dienen als Grundlage einer durchaus kurzweiligen, wenn auch immer wieder etwas lückenhaften Geschichte. Der Film versteht sich dabei zu jedem Zeitpunkt als Parodie und nimmt sich deshalb die Freiheit, nach Herzenslust über seine Themen herzuziehen. So lassen sich die selbstbewussten Damen, die eigentlich die Weltherrschaft anstreben, dann doch allzu gern von den Sprüche-klopfenden Herren übervorteilen oder Derek Flint stimmt als Fidel Castro-Verschnitt russische Volkslieder an (während kyrillische Untertitel und ein taktgebender roter Stern den Zuschauer zum Mitsingen animieren).

Die Handlung führt Protagonisten und Zuschauer dann um die halbe Welt und beeindruckt erneut mit fantastischen Schauwerten. Zwar bietet der Film im Gegensatz zu DEREK FLINT SCHICKT SEINE LEICHE deutlich weniger an abgedrehten Kulissen und kunterbunten Sets, was jedoch nichts daran ändert, dass die rund vier Millionen US-Dollar, die 20th Century Fox an Budget bereitstellte, auch hier äußerst trefflich genutzt werden. In einer Mischung aus Retrofuturismus und bewusst artifiziellem Look entsteht so eine wahrhafte Wohlfühlatmosphäre für Freunde prunkvoller und einfallsreicher Ausstattung. Bezüglich der Entwicklung des Art Designs erscheint übrigens ein Vergleich zu JAMES BOND 007 JAGT DR. NO (1962) und LIEBESGRÜßE AUS MOSKAU (1963) angemessen, wo der zweite Film ebenfalls optisch weniger exzentrisch, dafür jedoch umso stimmiger ausfällt.

Elisabeth: Mr. Flint, Sie sind wirklich sehr intelligent. Tja, für einen Mann …

Natürlich übernimmt James Coburn dann wieder die Rolle des Derek Flint und natürlich gibt er diesen wieder völlig überdreht und enthemmt. Sein wildes Minenspiel und seine ungelenken Bewegungen machen die Rolle wieder schwer zu fassen, wirken insgesamt aber ein wenig stimmiger als im Vorgänger. Es bleibt bei aller Liebe aber trotzdem schwer, allzu große Sympathien für die Figur zu entwickeln; zu hochnäsig, zu überheblich und selbstgerecht tritt Flint doch immer wieder auf.
Dem Gegenüber überzeugt Lee J. Cobb, der ein Jahr später in Damiano Damianis DER TAG DER EULE einen Ausflug ins italienische Genrekino machen sollte, als ZOWIE-Chef Lloyd C. Cramden wieder einmal, indem er die Figur passgenau zwischen Klischee und Abziehbild anlegt. Es sind die unschuldigen Analysen und hilflosen Blicke dieser Figur, die maßgeblich dafür verantwortlich sind, dass der Film als Agentenparodie funktioniert; was die Verwendung diverser Elemente in den AUSTIN POWERS-Filmen belegt.

Trotz des Themenstranges um die welterobernden Damen, kommt den Darstellerinnen dann wieder eine untergeordnete Rolle zu. TV-Mimin Jean Hale ragt als einigermaßen eigenständige Lisa noch hervor, die übrigen Schauspielerinnen, darunter auch Altstar Anna Lee als Mastermind Elisabeth oder das Batgirl Yvonne Craig als russische Agentin Natascha, dienen eher als Projektionsfläche der platten Gags von Derek Flint. Hier wäre etwas mehr Mut und etwas mehr Fingerspitzengefühl wünschenswerte gewesen, hätte die Handlung doch durchaus Anlass für ein gesellschaftspolitisch aktuelles Statement geboten, welches über ein schelmisches Grinsen der Damen am Ende hinausgeht.

Derek Flint: Raus mit der Sprache!
Natascha: Du wirst darüber sehr glücklich sein, mein Schatz, aber zuerst musst du mich glücklich machen!

Nichtsdestotrotz bleibt Derek Flints zweites Abenteuer eine gelungene Fortsetzung, die sich durchaus deutlich vom Vorgänger unterscheidet. Die optische Exzentrik wird ebenso zurückgefahren wie die Anzahl an abgedrehten Gadgets und stattdessen gibt es eine bodenständigere und letztlich auch gradlinigere Geschichte. So bedient der Film, der im Kern jedoch weiterhin eine überhöhte Parodie auf das europäische Agentenkino jener Tage bleibt, formal andere Geschmäcker und macht die beiden DEREK FLINT-Filme zu einem durchaus abwechslungsreichen und unterhaltsames Gesamtpaket. Den spät nachgeschobenen TV-Streifen DEAD ON TARGET (1976), der als Pilot eine Serie zu starten versuchte (was allerdings nicht gelang), darf man hingegen guten Gewissens an den Rand des Kanons rücken.

Etwas bodenständiger, dafür flotter und stringenter, bildet Derek Flints zweiter Auftritt einen angenehmen Kontrast zum ersten Teil. Trotzdem ist der Film prächtig ausgestattet und hat so in letzter Konsequenz die Nase haarbreit vorne.

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Eine Antwort zu “DEREK FLINT – HART WIE FEUERSTEIN

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