DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU

Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu
Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu | Deutschland/Großbritannien/Italien/Spanien | 1969
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee) ist wieder da und versetzt die Welt in Schrecken, da er in der Lage ist, Wasser zu Eis zu machen und somit Schiffe auf Eisberge prallen zu lassen. Dafür braucht er allerdings die Hilfe des schwerkranken Professor Henderson (Gustavo Re), den er wiederum mit Hilfe von Dr. Kessler (Günther Stoll) am Leben erhält. Wieder einmal machen sich also Inspektor Nayland Smith (Richard Greene) und sein Gehilfe Dr. Petrie (Howard Marion-Crawford) auf den Weg, um das diabolische Genie zu stoppen.

Der britische Produzent Harry Alan Towers ist ein zäher Bursche und wenn er als solcher vom Erfolg einer Sache überzeugt ist, lässt er nicht locker. So hauchte er seiner DR. FU MAN CHU-Reihe nach dem eher blassen DIE RACHE DES DR. FU MAN CHU (1967) neues Leben ein, indem er der Spanier Jess Franco engagiert, der dann mit DER TODESKUSS DES DR. FU MAN CHU (1968) auch tatsächlich einige neue Impulse in die mittlerweile an Innovationen arme Serie bringen konnte. Da bedurfte es dann keiner großen Überlegungen, um Franco ein Jahr später ein zweites Mal auf den Regiestuhl zu setzen und ihn einen weiteren – und diesmal vorläufig letzten – Schachzug des chinesischen Meisterverbrechers inszenieren zu lassen. Zur Erstellung des Drehbuchs holte sich Towers, der jenes bei den vier vorangegangenen Teilen stets selber schrieb, dann erstmals Hilfe ins Boot. Doch weder Michael Haller, der seinen Karrierehöhepunkt ein Jahr später durch seine Mitarbeit an DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR (1970) erfahren sollte, noch Manfred Barthel können dem Buch zu nennenswerten Höhepunkten verhelfen. Tatsächlich handelt es sich um die bei weitem konstruierteste Geschichte der Reihe, die zu keinem Zeitpunkt davor zurückschreckt, jede noch so tolldreiste Konstruktion zum Vorantreiben der Handlung zu nutzen. So folgt dann Zufall auf Zufall, bis Nayland Smith den (Zu-)Fall endlich gelöst hat.

Dr. Kessler: Und was können wir tun, um den Professor zu retten? Nayland Smith: Ich glaube wir müssen vor allem versuchen, die Menschheit zu retten!

Es ist an dieser Stelle Francos inszenatorischen Fähigkeiten zu verdanken, dass das Ganze dann trotzdem funktioniert. Denn der vielfilmende Spanier ignoriert die völlige Willkür des Narrativ ganz einfach und inszeniert den Film als bierernste Kriminalstory. In Anbetracht der wirklich haarsträubenden Zusammenhänge dauert es so zwar ein paar Minuten, bis man sich daran gewöhnt hat, dass Franco einem diesen Unsinn tatsächlich ungeschönt vorsetzt, sobald man sich allerdings damit abgefunden hat, ermöglicht genau das dem Zuschauer aber, dem Dargebotenen völlig ungezwungen und von leidigen Überlegungen losgelöst zu folgen.

Das klappt umso besser, wenn sich mit zunehmender Spielzeit Francos Faible für bunte Lichtspiele und geklaute Tricktechnik offenbart. So erwärmen die vollfarbenen Kerker des Fu Man Chu die Herzen aller Bava-Fans und eine längere Operationssequenz, die zwischen wortlosem Grauen und sogar erotischem Knistern pendelt, ist technisch gar beeindruckend umgesetzt. Skurriler mutet da schon an, dass Franco für seine Exposition einfach das Finale von DIE 13 SKLAVINNEN DES DR. FU MAN CHU (1966) klaut und neu vertont. Das vermischt er dann noch mit der Untergangsszene aus Roy Ward Bakers DIE LETZTE NACHT DER TITANIC (1958) und wem das noch nicht reicht, der bekommt einen sehr beeindruckend umgesetzten Dammbruch zu sehen; den Franco sich kurzerhand aus Ralph Thomas GEFÄHRLICHES ERBE (1957) stibitzt hat.

Fu Man Chu: Er ist betäubt, er wird sterben. Um der Wissenschaft Willen! Dr. Kessler: Sie wollten Sagen: um Ihretwillen!

Und während dessen erster Beitrag zur Reihe noch mit einigen netten Mimen aufwarten konnte, herrscht nun überwiegend schauspielerische Armut vor. Richard Greene kommt zu seinem zweiten Auftritt als Nayland Smith und fällt wiederum eher blass aus, Howard Marion-Crawford hingegen spielt wie gewohnt mit einigem Charme und dem Wissen ob des Sidekick-Charakters seines Dr. Petrie. Christopher Lee und Tsai Chin machen ihre Sache wieder mit der mittlerweile eingeschlichenen Routine, können diesmal allerdings kaum der Erinnerung werte Momente darbieten. Dafür beginnt Günther Stoll hier seine Genrefilmkarriere als durchaus unterhaltsamer Dr. Kessler, mit einer ebenfalls ordentlichen Maria Perschy als Dr. Koch an seiner Seite. Rosalba Neri hingegen wird als vielversprechende Amazone mit Maschinenpistole eingeführt, bleibt dann im Verlaufe des Films aber irgendwie auf der Strecke. Da der Streifen dann eine noch kleinere Gewinnspanne aufwies, als seine Vorgänger, sah sich Harry Alan Towers im Nachgang gezwungen, die Reihe zu beenden und den Oberschurken vorerst auf das kinogeschichtliche Eis zu legen. Jess Francos zweiter Serienbeitrag bleibt aber trotz aller Mankos ein unterhaltsamer Abschluss, weil der Spanier es eben versteht, die Essenz dieser Reihe simpel, aber effektiv zur Schau zu stellen. Ohne viel Spannung, aber auch ohne viel Langeweile.

Anders als der vorangegangene unterhält Francos zweiter Serienbeitrag nicht mittels Setting und Schauspiel, sondern durch die simple Fähigkeit, das völlig zusammenhangslose Narrativ zu ignorieren und die Hatz nach Fu Man Chu zu reinem, unterhaltsamem Selbstzweck werden zu lassen. So wird der Abschluss der 60er-Jahre-Filmreihe zwar zu keinem großen Wurf, aber zu einem netten Finish für Freunde der Serie.

Eine Antwort zu “DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU

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