INDIO

Indio
Indio | Italien | 1989
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als der US-Soldat Daniel Morell (Francesco Quinn) nach drei Jahren Dienst in jenen südamerikanischen Dschungel zurückkehrt, aus dem er ursprünglich stammt, muss er feststellen, dass ein skrupelloses Unternehmen unter Führung des niederträchtigen Whytaker (Brian Dennehy) sein Dorf vernichtet und seinen Vater getötet hat. Und als Morell den Kampf gegen die Ausbeuter aufnimmt, heuern diese auch noch seinen alten Trainer Jake (Marvelous Marvin Hagler) an, um ihm den Gar auszumachen.

Die 80er Jahre waren für das italienische Kino bekanntlich eine Zeit des rapiden und endgültigen Untergangs und all die großen Regisseure und Darsteller der vorangegangenen Jahrzehnte mussten zusehen, dass sie sich mit ebenso kostengünstigen wie massenkompatiblen Produktionen über Wasser hielten. Dabei hatte es der Action- und Abenteuerfachmann Antonio Margheriti vermutlich etwas einfacher als so mancher Kollege, war seine Karriere doch seit Anbeginn vornehmlich durch kurzweilige Action und eher lockere Unterhaltung geprägt. Also ließ er sich von Filiberto Bandini und Franco Bucceri ein Action-Skript schreiben, welches inspiriert durch Ted Kotcheffs RAMBO (1982) und die erfolgreiche THUNDER-Reihe von Fabrizio De Angelis stereotype Action mit einem dicken moralischen Zeigefinger bieten sollte.

Typ: Verdammt, spielst du schonwieder mit dem Zeug? Ein Teelöffel voll reicht für das ganze Camp!
Kerl: Ja, fast so gefährlich wie dein Essen …

So machen gleich in den ersten Minuten unzählige verträumte Monologe im Innern der Hauptrolle deutlich, dass es in den folgenden neunzig Minuten ausschließlich darum gehen soll, die unberührte Natur vor den hässlichen Griffeln geldgeiler Ausbeuter zu bewahren: da werden Dörfer zertrümmert, alte Häuptlinge ermordet, nur mit Lendenschurz bekleidete Herren erschossen und Straßen mitten durch Dörfer geplant. Immer und immer wieder haut Margheriti seinem Zuschauer derlei Botschaften per Holzhammer vor den Schädel, bis es auch der Letzte verstanden haben dürfte. Das ist zwar weder originell noch sonderlich spannend, rückt den Film aber im Gegensatz zu den unzähligen moralisch sehr fragwürdigen Action-Kloppern der 80er Jahre auf die helle Seite der Macht.

Logisch, dass ein derartiges Konzept auch einer klare Rollenverteilung bedarf. Francesco Quinn, der nach seiner Debut-Nebenrolle in Oliver Stones PLATOON (1986) sukzessive ins TV-Metier rutschte, darf hier als relativ blass charakterisierter Heroe ran und macht seine Aufgabe leidlich erträglich. Er ist eben ausschließlich gut und anständig, mehr nicht. Immerhin sind ihm ein paar nette Action-Sequenzen zugedacht, was seine inhaltliche Armut einigermaßen aufzuwiegen vermag. Brian Dennehy, der schon im Vorbild RAMBO dabei war, gibt dann den klaren Kontrast zu Quinn und darf als durchweg schlechter Whytaker nach Herzenslust morden und brandschatzen. Dass er sich in einer Szene als Opfer einer globalisierten Verwertungsideologie darstellt, kann ihm da auch nicht mehr helfen. Und letztlich steht zwischen diesen beiden noch der Boxer Marvelous Marvin Hagler, der nach seinem 1987 verlorenen Weltmeistertitel (den er zuvor seit 1980 ununterbrochenen geführt hatte) ein wenig Zerstreuung im Filmbusiness suchte. Und obwohl Haglers Jake als einzige Rolle nicht ganz so einseitig ausfällt, bleibt doch auch sein Spiel auf simplem B-Action-Niveau.

Morell: Auch Zucker kann sehr bitter schmecken.

Aber das ist verschmerzbar, schafft es Margheriti doch zusammen mit Kameramann Sergio D’Offizi, die Actionsequenzen wieder einmal höchst ansprechend und abwechslungsreich darzubieten. Die Kämpfe sind ordentlich choreographiert, das Geballer fällt auch glaubwürdig aus und diverse Explosionen runden das Ganze gekonnt ab. Natürlich lässt es sich der Miniatur-Fanatiker Margheriti auch dieses Mal nicht nehmen, diverse Modelle vor die Kamera zu halten und dann abzufackeln und tatsächlich sieht das wieder mal klasse aus. Dass der später nur noch als Indio betitelte Hauptcharakter dann noch Kokosnüsse per Palme verschießt oder letztere gleich als Peitsche gegen Helikopter einsetzt, sorgt auch noch für die nötigen Lacher zwischen all der Action. Pino Donaggios schmissiger Score letztlich rundet diese auch noch gelungen ab.
Letztlich gelingt es Margheriti so erstaunlich gut, die nach immer weiterer Kost gierende Kundschaft der Videotheken (der Film erfuhr tatsächlich nur in Italien und Portugal eine Kinoveröffentlichung) zu befriedigen und dabei einen der wohl un-italienischsten Filme dieser Epoche abzuliefern. Ob es dann auch diese amerikanische Art des Filmemachens war, die dem Streifen einen solchen Erfolg bescherte, dass zwei Jahre später die Fortsetzung INDIO 2 – DIE REVOLTE (1991) folgte, kann nur gemutmaßt werden; dass sie dafür sorgt, dass der Streifen schmissig unterhält, ist aber weitestgehend sicher.

Ein ordentlich inszenierter B-Actioner, der seine Ökobotschaft mit dem Holzhammer vorträgt und so erstaunlicherweise durchaus gut zu unterhalten vermag.

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