HERKULES

Herkules
Hercules | Italien/USA | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem Herkules (Lou Ferrigno) seine Eltern durch das finsterere Treiben der Göttin Hera (Rossana Podestà) verloren hat, macht er sich auf den Weg nach Troja, um dort um das Herz der Königstochter Cassiopeia (Ingrid Anderson) zu ringen. Doch zahlreiche Gefahren stellen sich ihm auf seinem Wege entgegen …

Das Science-Fiction-Vehikel STAR CRASH – STERNE IM DUELL (1978) und der Horror-Reißer ASTARON – BRUT DES SCHRECKENS (1980) zählen neben der Drehbuchbeteiligung an Dario Argentos VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT (1971) ohne Frage zu den bekannteren Visitenkarten des Luigi Cozzi. Und da der Erfolg der beiden genannten Regiearbeiten (zu denen Cozzi auch das Drehbuch (mit-)entwickelte) ganz ohne Frage auf der Fähigkeit beruhte, in Hollywood erfolgreiche Sujets einer kostengünstigen Zweitverwertung zuzuführen, sollte der Herr auch 1983 an diesem Konzept festhalten. Ein Jahr zuvor hatte nämlich John Milius‘ Klopper CONAN – DER BARBAR (1982) ein Fantasy-gespicktes Revival des Sandalenfilms der 60er Jahre angeleiert und was läge da für Cozzi, diesmal von Cannon Films finanziert, näher, als auch auf diesen Zug aufzuspringen.

Circe: Wer bist du?
Herkules: Herkules.
Circe: Ich weiß!

Da der Autorenfilmer allerdings eher zu Klotzen als zu Kleckern pflegt, belässt er es bei der Anfertigung des Drehbuchs nicht bei ein paar fantastischen Elementen, die eine vorzeitliche Welt näher ausdefinieren, sondern verpasst dem Zuschauer die volle Breitseite. Beginnend mit dem Urknall (hier durch die Büchse der Pandora herbeigeführt) haut Cozzis Skript dem Zuschauer im Minutentakt Unfassbarkeiten aller Art um die Ohren: Die Götter wohnen auf dem Mond und Daedalos versucht Herkules mit riesigen metallischen Widersachern beizukommen, während dieser lebendige Bären ins Weltall schmeißt um damit die gleichnamigen Sternenbilder zu erzeugen. Zwischendurch verschlägt es den Halbgott auch mal nach Troja oder ins Weltenall, wo er sich mittels eines Streitwagens fortzubewegen pflegt, der von einem Stein angetrieben wird, den er zuvor selbst ins All geschleudert hat. Dieser kurze Abriss verdeutlicht in groben Zügen, was der Film seinem Zuschauer alles – ohne mit der Wimper zu zucken – vorsetzt. Von derlei Nonsens gibt es noch ein Vielfaches zu sehen, eine auch nur annähernd vollständige Auflistung würde Rahmen und Geist sprengen.

Auffällig ist dabei, dass Cozzi sich einerseits erstaunlich eng an die griechische Mythologie hält, in anderen Momenten dann allerdings völlig freidreht. So gibt es in diesem Film (der darüber hinaus als erster Spielfilm überhaupt den Mut bewies, sich den schlichtest denkbaren Titel zu geben) vermutlich die Leinwandpremiere der Säuberung der Ställe des Augias zu sehen. Aber auch andere Prüfungen wie das frühkindliche Ringen mit einer Flussschlange oder das Aufeinandertreffen mit der Zauberin Circe belegen, dass Cozzi nicht nur etwas in der griechischen Mythologie geschmökert hat, sondern sich auch bewusst bisher weniger beackerte Sequenzen herausgesucht hat. Wenn dann aber Minuten später der Koloss von Rhodes vor Kreta steht und die Insel selbst das Attribut grün erhält (was der Streifen dann mit einen knallgrünen Farbfilter verdeutlicht), bleibt von der zaghaft keimenden Authentizität nur Staub übrig. Dass der König von Afrika Herkules zwischendurch bittet, seinem Land Wasser zu bringen und der Heros dann, durch Circe zu kolossaler Größe gebracht, eine Landmasse teilt und somit die heutigen Kontinente erschafft ist dann nicht nur unfassbar anachronistisch, sondern auch einer der Punkte im Film, die jegliche Mitdenken völlig ad absurdum führen.

Giacomo Calò Carducci verpackt diesen Wahnsinn dann in unzählige ebenso farbenrohe wie kostengünstige Kulissen und sorgt so auch auf optischer Ebene für einen andauernden Rauschzustand beim Betrachter. Rauchschwaden, Miniaturen, Pappmaschee-Kulissen und immer und immer wieder Blitz- und Leuchteffekte aller Art erwecken die mythologische Science-Fiction-Welt des Streifens zu knallbuntem Leben. Dazu gibt es Stop-Motion- und Latexmonster sowie diverse Rückprojektionen. Die erwähnten Riesenmonster aus dem Metallbaukasten komplettieren schließlich ein optisches Potpourri wie man es sich skurriler kaum vorstellen kann.
Während CONAN – DER BARBAR dann mit Aufsteiger Arnold Schwarzenegger punkten konnte, entschied sich Cozzis für dessen ewigen Widersacher Lou Ferrigno. Dieser hatte 1977 in der Semi-Dokumentation MISTER BODY schon Arnolds Kontrahenten gemimt und war danach als Hauptrolle der TV-Serie HULK zu großem Ruhm gelangt. In seinem Spielfilmdebut, welches übrigens mit einer Goldenen Himbeere als Schlechtester Newcomer belohnt wurde, darf Ferrigno dann seine Muskeln auch mal in die Filmkamera halten. Dass die Früchte dieser Arbeit überschaubar ausfallen, versteht sich von selbst, vermag den Unterhaltungswert des Dargebotenen aber kaum schmälern.

Erzähler: Währenddessen überqueren Herkules und die Zauberin Circe den Regenbogen, der sie zu den Toren der Hölle führt …

Tausendsassa Brad Harris darf als gelangweilter König Augias auftreten und Schmuddelfachfrau Sybil Danning, die ebenfalls eine Himbeere abräumen konnte, brilliert als niederträchtige Ariadne. Legendär auch Claudio Cassinellis, in DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER (1974) oder MORTE SOSPETTA DI UNA MINORENNE (1975) noch Aushängeschild, unglaubliche Darbietung als scheinbar sedierter Göttervater Zeus oder William Bergers, ebenfalls mehr als verdienter Genre-Mime, völlig bekloppter König Minos. Neben Optik und Inhalt ist also auch der Cast dazu bewogen, die Grenzen des Fassbaren beim Betrachter in neue Sphären zu verschieben.
Die Hälfte der Kulissen stammt übrigens aus dem fast deckungsgleich besetzen DIE SIEBEN GLORREICHEN GLADIATOREN (1983) und da Cozzi dazu noch ein paar Archivaufnahmen von hier und da verwendete, bleibt am Ende augenscheinlich genügend Material übrig, um zwei Jahre später daraus noch mit DIE ABENTEUER DES HERKULES 2 einen Nachfolger zusammenzubasteln. Das wird Freunde des Erstlings sicherlich begeistern. Und dass es Freunde dieses Films gibt, ist in Anbetracht der schieren Unfassbarkeit des Dargebotenen ziemlich sicher.

Gänzlich abgedrehtes Gemisch aus Fantasy und Science-Fiction, das auf Grundlage der griechischen Mythologie einfach macht was es will. Und wenn man für derlei Absurditäten auch nur ein wenig Verständnis hat, dann stellt dieser Streifen wahrlich ein Füllhorn an völlig sinnbefreiter Unterhaltung dar.

2 Antworten zu “HERKULES

  1. Pingback: SINDBAD – HERR DER SIEBEN MEERE | SPLATTERTRASH·

  2. Seiner Zeit durchaus unterhaltsam und erfrischend anders, als Bübchen fand man diese Blechmonster ganz lustig, und das war doch das Wichtigste.

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