ROBOCOP 3

RoboCop 3
RoboCop 3 | USA | 1993
IMDb, OFDb, Schnittberichte

OCP möchte die Bevölkerung des alten Detroit endgültig vertreiben, um das arg ins Stocken geratene Projekt Delta City endlich zu vollenden. Doch es gibt eine Gruppe von Widerständlern, die sich im Untergrund erfolgreich gegen die Räumung wehrt. Als es jedoch auch für die Rebellen eng wird, bekommen sie unerwartete Hilfe: RoboCop (Robert John Burke) schließt sich nach dem Tod seiner Partnerin Lewis (Nancy Allen) dem Widerstand an …

Irvin Kershners ROBOCOP 2 (1990) vermochte zwar weder Kritiker noch Kinogänger vollends zu begeistern, sorgte mit seinem soliden Einspielergebnis aber trotz für Zufriedenheit im Hause Orion Pictures. Zusammen mit diversen Comics, Videospielen und Zeichentrickserien war die Figur RoboCop auch mittlerweile in der Popkultur angekommen und vor allem bei den jüngeren Konsumenten ein beliebter Actionheld. Also war Orion durchaus an einer Fortsetzung der Spielfilmreihe interessiert, wollte diese jedoch stärker in Richtung eines jugendverträglichen Formats entwickeln. Finanzielle Engpässe innerhalb des Studios dürften hier ein zusätzlicher Antrieb gewesen sein, dass Franchise mittels niedrigerer Freigabe für eine breite Schicht an Kinogängern zu konzipieren.
Patrick Crowley, der beim Vorgänger bereits als ausführender Produzent mitgewirkt hatte, übernahm nun den Produzentenjob für Orion, da Jon Davison nach dem Abgang von Peter Weller nicht mehr zur Verfügung stehen wollte. Weller war von ROBOCOP 2 derart enttäuscht, dass er eine Mitarbeit von vorneherein ausschloss und Davison sah das Projekt ohne den Hauptdarsteller als unumsetzbar an. Immerhin konnte Crowley erneut Drehbuchautor Frank Miller verpflichten, der schon den Vorgänger geschrieben hatte und nun seine zweite Skriptarbeit abliefern sollte. Miller verwendete dabei zahlreiche Ideen, die eigentlich schon 1990 hätten Verwendung finden sollen, überreichte das Drehbuch dann aber im Status eines weit vorangeschrittenen Entwurfs an Regisseur Fred Dekker, der es final überarbeitete.

Fred Dekker war als aufstrebender Regisseur zur Produktion gestoßen und hatte sich mit DIE NACHT DER CREEPS (1986) und MONSTER BUSTERS (1987) bereits einen Namen gemacht. Und auch in Sachen Drehbucharbeit hatte Dekker bereits überzeugt, zeichnete er doch unter anderem für die Bücher zu HOUSE (1986) und HOUSE 2 – DAS UNERWARTETE (1987) verantwortlich. Leider ist heute unklar, welche (An-)Teile am Drehbuch welchem Autor zuzuordnen sind, sowohl Dekker als auch Miller haben jedoch immer wieder betont, dass keiner von beiden die alleinige „Schuld“ am Endergebnis trägt.
Dieses fällt nämlich äußerst durchwachsen aus und drängt das Franchise ohne Rücksicht auf Verluste in Richtung eines unkomplizierten Action-Abenteuers. Der Ernst und der Zynismus des Universums werden einfach ignoriert und stattdessen wird die Welt mit poppigem Kurzweil und diversen Belanglosigkeit angefüllt. Die Rahmenhandlung um den Konzern OCP bleibt zwar bestehen, tritt jedoch stark in den Hintergrund. Die allgegenwärtige und beißende Gesellschaftskritik eines ROBOCOP (1987) wird schlicht ignoriert, nur die wenigen verbliebenen Mediabreaks zeugen noch von dem einstigen entlarvenden Sarkasmus der Reihe.
Im Bezug auf die Figur RoboCop lässt sich diese Entwicklung am Tode seiner Partnerin Anne Lewis festmachen. Diese inhaltliche Entscheidung bot nicht nur Schauspielerin Nancy Allen, die ebenfalls sehr skeptisch an die Produktion heranging, die Möglichkeit, ihr Engagement frühzeitig und endgültig zu beenden, sondern kappte auch die einzige menschliche Bindung des Charakters Murphy/RoboCop. So war der Weg frei für einen emotionslosen Actionhelden, der fortan ballernd durch die Gegend zieht. Dass dessen Motivation sich dann auf seine alte Partnerin stützt, mag etwas anachronistisch wirken, ist aber letztlich belanglos.

RoboCop: Meine Freunde nennen mich Murphy. Für Sie bin ich RoboCop!

Formal bedeutete diese Entwicklung, dass eine Überarbeitung von RoboCop Fähigkeiten nötig war, um den grundsätzlich sehr starren Kämpfer zu einem fröhlicheren Kämpfer für das Gute zu machen. Also verpasste man dem Metallmann einen variablen Waffenarm, mittels dessen er nun auch Schnellfeuerwaffen und andern Schnickschnack bedienen konnte. Ein Flightpack schließlich sorgt für größere Mobilität und macht das Finale so vollends zu einem austauschbaren Action-Hokuspokus.
Leider reduzierte Orion das Budget aber auf 23 Millionen US-Dollar, was man dem Film auch deutlich ansieht. Während ROBOCOP 2 ein optisches Feuerwerk abbrennt, fällt ROBOCOP 3 da deutlich bodenständiger aus. Was zum einen den positiven Effekt hat, dass der Film optisch wieder in die Nähe der realistischen Darstellungen des Erstlings rückt, sorgt auf der anderen Seite dafür, dass die Popcorn-Action immer wieder überraschend unspektakulär ausfällt. Selbst das Flugfinale kann kaum beeindrucken und so entsteht eine tiefe Kluft zwischen dem Anspruch, Action für alle Altersklassen zu inszenieren, und dem tatsächlich Gebotenen. Dass die angestrebte Jugendverträglichkeit auch dafür sorgte, dass jegliche – in den Vorgängern bekanntlich zahlreich vorhandene – Gewaltspitzen fehlen, trägt weiter zu dem genannten Stil bei.

Robert John Burke übernahm dann für Peter Weller und führt dessen Erbe ordentlich, wenn auch unspektakulär fort. Hauptargument für seine Einstellung waren übrigens Burkes Maße, da man seitens Orion nicht gewillt war einen neuen RoboSuit zu konstruieren und Wellers Nachfolger somit in dessen Kostüm passen musste. Der übrige Cast ist mit diversen Stereotypen besetzt und bleibt kaum nachhaltig im Gedächtnis. CCH Pounder als idealistische Rebellin, Rip Torn als Nachfolger des alten Manns oder die neunjährige Remy Ryan als Kinderrolle Nikko machen ihre Sachen zwar allesamt ordentlich, sind letztlich aber nur Marionetten in Orions Konzept, den Film zu einem Blockbuster zu machen.
Dieses Konzept sollte dann auch nicht ausgehen und der Film versagte auf ganzer Linie. Obwohl man ihn aus Angst vor dem übergroßen Erfolg von JURASSIC PARK (1993) erst im Herbst des Kinojahres veröffentlichte, konnte der Streifen nur knappe elf Millionen US-Dollar an den Kinokassen einbringen und sich nur mit Hilfe der Heimkinoauswertung zur schwarzen Null retten. Zusammen mit zahlreichen Verrissen war aber trotzdem klar, dass das Franchise hiermit (zumindest was das Kino anging) beendet war. Leider machte man seitens der Produktion Fred Dekker (dessen Inszenierung zu den wenigen Pluspunkten des Films zählt) zum Hauptverantwortlichen für den Misserfolg, was dessen Karriere nachhaltig schädigte: bis heute führt Dekker nie wieder Regie und beschränkte sich fortan auf wenige Engagements als Produzent.

RoboCops dritter Auftritt führt das Franchise endgültig in Richtung Popcorn-Unterhaltung und besiegelt so gleichzeitig dessen Untergang. Weniger zynisch als der Erstling und weniger bombastisch als der Vorgänger, stellt der dritte Teil mausgraue Action-Unterhaltung dar und hat dem Thema nichts mehr hinzuzufügen. Ein trauriger Abgang einer großen Figur.

2 Antworten zu “ROBOCOP 3

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