NUDE ON THE MOON

Nude on the Moon
Nude on the Moon | USA | 1961
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der junge Wissenschaftler Dr. Jeff Huntley (Lester Brown) fliegt zusammen mit seinem weisen Gefährten Prof. Nichols (William Mayer) in einer selbstentwickelten Rakete zum Mond. Dort angekommen müssen die beiden schnell feststellen, dass der Mond zum einen äußerst bewachsen ist und dort zum anderen zahlreiche nackte Mädel herumrennen.

Nachdem die US-amerikanische Produzentin Doris Wishman 1960 mit dem Nudisten-Filmchen HIDEOUT IN THE SUN die Erfahrung gemacht hatte, dass man auf Seiten der Zensoren bei solchen Werken, so sie denn den Anschein eines dokumentarischen Anspruchs wahrten, durchaus der Meinung war, man könne sie auf die Bevölkerung loslassen, dauerte es nicht lange, bis die werte Dame mit NUDE ON THE MOON den nächsten Film voller Nackedeis und Nonsens produzieren sollte. Dieses Mal sollte der vordergründig dokumentarische Stil allerdings einer Sci-Fi-Geschichte weichen, die die erste Mondlandung sieben Jahre vor ihrer tatsächlichen Umsetzung schon einmal durchexerziert.
Tatsächlich stellt diese Rahmenhandlung im Film aber nur eine belanglose – wenn auch erstaunlich lange – Nebensächlichkeit dar. Im Kern handelt es sich wiederum um einen Nudistencamp-Reißer, der sich völlig schmerzbefreit ausschließlich mit der Darstellung von halbnackten Damen und Herren in blumigen Umgebungen beschäftigt. Da erstaunt es schon ein wenig, dass die Sci-Fi-Einleitung gute 30 der gerade einmal 70 Spielminuten in Anspruch nimmt. Erst einmal auf dem Mond gelandet machen die Protagonisten aber tatsächlich nichts anderes, als die einheimischen Nackedeis bei allerlei Belanglosigkeiten zu filmen.

Nichols: Jeff, you’re acting like a schoolboy.
Jeff: You know what: I feel like a schoolboy!

An beeindrucktesten ist dabei sicherlich die Umgebung, in der das Ganze stattfindet. Eine Roadside-Attraction namens Coral Castle im sonnigen Florida dient hier als kostengünstige Mondkulisse. Folglich gibt es ein paar Pappmaschee-Steine und drumherum zahlreiche einheimische Pflanzen und Kieswege. Dass die Herren Wissenschaftler dann tatsächlich etwas von diesem Kies ausklauben und mit unglaublichem Erstaunen feststellen, dass es sich um etwas noch nie Gesehenes handelt, deutet wundervoll simpel darauf hin, mit welcher Motivation Doris Wishman ihre Filme konzipierte.

Hier geht es nicht um Glaubhaftigkeit oder Sinn, nicht um Können oder Perfektion. Hier geht es schlicht und einfach darum, sich als Zuschauer etwas verkaufen lassen zu wollen. Man kann innerhalb von Sekunden behaupten, der Film sei unglaublich schlecht und diese Behauptung ließe sich auch zigfach belegen, aber man kann sich eben auch auf diesen Mond entführen lassen, der nun mal aussieht wie eine Touri-Attraktion in Florida. Man kann glauben wollen, dass die albernen Helme die in noch alberneren Kostümen steckenden Astronauten am Leben erhalten und dass auf dem Mond zahlreiche leichtbekleidete Damen umherrennen. Es kommt schlicht auf die Perspektive an, mit der man sich diesem Film nähert. Und diese Perspektive sollte bei einem Wishman-Streifen grundsätzlich eher durch das Herz als durch den Verstand geprägt sein.

Jeff: I was speaking to the queen here.
Nichols: Yes, but she doesn’t speak!

So werden dann die zahlreichen Unzulänglichkeiten schnell zu belanglosen Nebenerscheinungen. Die von Phelan Raymond (der auch die Kamera bediente) und Wishman inszenierten Szenen erreichen oftmals kaum den Einfallsreichtum von Urlaubsvideos? Die Mimen William Mayer, Lester Brown und Marietta ohne Nachnamen sind augenscheinlich Laien, die ansonsten auch kaum beim Film tätig waren? Alle Nudisten tragen Antennen auf dem Kopf? Die Kamera, einziger Beweis für die Reise und das Erlebte, wird verbummelt? All das kann Denjenigen, der den Film mit dem Herzen sieht, nicht vergraulen.
Vergrault werden konnten jedoch die US-amerikanischen Prüfbehörden, die den Film im Gegensatz zu HIDEOUT IN THE SUN nicht einfach so durchwinken wollten. Es ist halt doch etwas anders, ob man ein irdisches Nudistencamp dokumentiert oder ein lunares rücksichtslos ausbeutet. Doris Wishman dürfte das kaum gestört haben, denn der Erfolg des Films gab ihr Recht und bestärkte sie auf ihrem Weg, der ihren Anhängern in den folgenden zwei Jahrzehnten zahlreiche ähnlich gelagerte Reißer bescheren sollte. NUDE ON THE MOON stellt dabei einen frühen Klassiker dar, der das Konzept von Doris‘ Filmen schon sehr früh sehr deutlich aufzeigte.

Doris Wishmans zweite Produktion deutet schon an, was in den folgenden zwei Jahrzehnten noch kommen sollte: Gedankenlose Sexploitation, die weniger den Verstand als vielmehr das Herz anspricht. Und wer ein Herz für Doris hat, der kommt an diesem Frühwerk nicht vorbei.

Eine Antwort zu “NUDE ON THE MOON

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