HEIßER HAFEN HONGKONG

Heißer Hafen Hongkong
Heißer Hafen Hongkong | Deutschland/Italien | 1962
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Journalist Peter Holberg (Klausjürgen Wussow) gerät in Hongkong zufällig in den Besitz eines Mikrofilms mit brisanten Wirtschaftsinformationen. Da es schnell zu ersten Todesfällen im Zusammenhang mit dem Film kommt, wendet sich Holberg an seine Kollegin Joan Kent (Marianne Koch), um das weitere Vorgehen zu planen. Doch der finstere Marek (Horst Frank) und die verführerische Colette May Wong (Dominique Boschero) sind ihnen bereits auf den Fersen …

Seit Anfang der 50er Jahre versuchte sich der deutsche Produzent Wolf C. Hartwig mit seiner Rapid Film daran, vordergründig sensationelle Sujets möglichst kosteneffizient auszuschlachten. Nach ersten Erfolgen wie DIE NACKTE UND DER SATAN (1959) oder EIN TOTER HING IM NETZ (1959) sollte Hartig dann ab 1962 den Fernen Osten als Mittel zum Zweck erkennen. Denn während dem bundesdeutschen Publikum allerlei Spielarten des Kriminalfilms spätestens seit Einführung der EDGAR WALLACE-Reihe 1959 geläufig waren, waren die exotischen Städte und Landschaften des fernen Asien etwas, was die Menschen in die Kinos zu locken vermochte.

Peter: Und warum sind Sie nicht zur Polizei gegangen, wenn es kein Selbstmord war?
Ellington: Weil ich nicht ebensolch ein Selbstmörder werden wollte wie Dean Mallory …

Da ein solches Projekt allerdings auch ein großes finanzielles Risiko mit sich brachte, wandte sich Hartwig an die italienische Cinematografica Associati, die sich sowohl monetär als auch personell an dem Projekt beteiligte. Des Weiteren knüpfte der findige deutsche Produzent auch in Hongkong Kontakte zur örtlichen Filmindustrie, welche zu jener Zeit ebenfalls in der Blüte stand und die Dreharbeiten so maßgeblich mitermöglichte. Die so geschaffenen Strukturen sollten dann in den folgenden Jahren sowohl Hartwig selbst, aber auch zahlreichen anderen deutschen und europäischen Filmemachern zu Gute kommen.

Als Regisseur konnte dann der recht angesehene Jürgen Roland gewonnen werden, der mit seiner seit 1958 höchst erfolgreichen TV-Serie STAHLNETZ sowie den EDGAR WALLACE-Beiträgen DER ROTE KREIS (1960) und DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE (1961) bereits einige Erfolge vorweisen konnte. Und tatsächlich trifft Roland dann mit seiner kühlen Art der Inszenierung voll ins Schwarze und schafft es so, klassisches deutsches Krimikino mit dem knallbunten Eskapismus der britischen Kronkolonie zu vermischen. Herauskommt dabei eine ebenso eigenständige wie unterhaltsame Mixtur aus Genreversatzstücken und auf Unterhaltung bedachtem Selbstzweck. Dass ein deutscher Tourist im Film das Panorama Hongkongs dann mit der Rheinterrasse vergleicht (welche er freilich – inklusive eines Bieres – der chinesischen Aussicht vorzieht) wirkt da geradezu wie eine äußerst reflexive Auseinandersetzung des Films mit seinem Rezipienten.
Auch in Sachen Darstellerschaft konnte Hartwig erstaunlich renommierte Mimen verpflichten und so darf der geneigte Zuschauer Marianne Koch zusehen, die zu jener Zeit eine bekannte Größe im deutschen Filmbetrieb war. Koch gibt dann eine erstaunlich selbstbewusste Journalistin, die – obwohl sie nach der Hälfte der Spielzeit natürlich dem Herren der Schöpfung verfällt – durchaus einige eigenständige Aktionen vorzuweisen hat. Regisseur Roland brachte dann Klausjürgen Wussow mit ans Set, mit dem er bereits bei den beiden oben erwähnten EDGAR WALLACE-Streifen zusammengearbeitet hatte. Wussow gibt dann den Prototypen des charmanten Fernost-Reisenden und kann als solcher überwiegend überzeugen.

Als Antagonisten gibt es mit Horst Frank einen Klassiker zu sehen, der hier auch mit seiner bekannt sinisteren Schauspielerei zu überzeugen weiß. Dominique Boschero und Brad Harris – beide durch das Mitwirken der Cinematografica Associati zu der Produktion gestoßen – vervollständigen den engeren Cast und machen ihre Sache ebenfalls überwiegend ordentlich. Harris, der durchgehend in einer Uniform mit kurzer Hose umherrennt, wirkte bei dieser Produktion übrigens auch als Stunt-Koordinator und 2nd-Unit-Director mit und schuf sich so ein zweites Standbein neben der Schauspielerei.

Marek: Die Menschen dieses Landes ziert die Tugend der Geduld. Ich bin Europäer, meine Geduld ist am Ende!

Auffällig ist am von Gerd Christoph und Giorgio Simonelli geschriebenen Drehbuch, das die an sich recht simple Handlung um Wirtschaftsspionage und -kriminalität hier sehr verschachtelt und dialogreich dargeboten wird. Gerade im Vergleich zu noch folgenden, ähnlich gelagerten Produktionen sorgt das für einige spürbare Längen im Mittelteil. Das bremst den Film letztlich zwar nicht entscheidend aus, zeigt aber deutlich, dass dieses Genre zwischen Abenteuer, Action, Krimi und Kolportage hier noch in der Entstehung begriffen war.
Letztlich funktioniert diese Mischung aber bereits durchweg überzeugend, da Roland meist die richtige Mixtur aus Action und Unterhaltung findet. Die farbenfrohen Aufnahmen Hongkongs geben einen trefflichen Rahmen ab, den Gert Wilden zudem noch mit einem schmissigen Score versieht. Diese unterhaltsame Mixtur lockte dann erwartungsgemäß eine beachtliche Zahl an Kinogängern in die Lichtspielhäuser und machte so den Weg frei für zahllose ähnlich gelagerte Werke. HEIßER HAFEN HONGKONG stellt dabei zwar sicherlich nicht den ausgereiftesten Vertreter seiner Zunft dar (was seiner Fähigkeit zu unterhalten jedoch kaum einen Abbruch tut), als Pionier dieses Genres kommt ihm aber trotzdem eine filmhistorisch exponierte Rolle zu.

Der Startschuss der deutschen Fernost-Produktionen kann überwiegend gut unterhalten, auch wenn im Mittelteil einige Längen zu durchstehen sind. Die tollen Aufnahmen Hongkongs und eine beachtliche Besetzung machen diese Makel jedoch problemlos vergessen.

4 Antworten zu “HEIßER HAFEN HONGKONG

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