ENGEL SIND NACKT AM SCHÖNSTEN

Engel sind nackt am schönsten
Amanti miei | Italien | 1979
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Barbara (Cindy Leadbetter) kommt dahinter, dass ihr Mann Sergio (Vassili Karis) sie betrügt. Um sich dafür zu rächen beschließt sie also, sich ebenfalls diversen Liebeleien hinzugeben. Doch schon bald sorgen diese Eskapaden für Probleme …

Seit der Mitte der 70er Jahre konnte sich europaweit das Schmuddelkino etablieren. Die schrittweise Lockerung der Pornographie-Gesetze in verschiedenen Staaten ermöglichte einen lockereren Umgang mit nackten Tatsachen im Kinosaal (zumindest auf der Leinwand) und machte den Weg frei für die deutschen SCHULMÄDCHEN-REPORTE oder die italienische FLOTTE TEENS-Reihe. Im Fahrwasser dieser äußerst erfolgreichen Produktion schipperten dann natürlich auch unzählige Nachahmer und Plagiate, die mittels ein wenig nackter Haut etwas Geld in die Kassen zu spülen gedachten.
Aldo Grimaldi, der nach einigen nur in Italien veröffentlichten Heimat-Schinken mit DER PFAFFENSPIEGEL (1972) ins Erotik-Fach gewechselt war, leistete dann 1979 auch seinen Beitrag zu der Schmuddel-Welle und tat sich dazu mit dem Produzenten Pino Buricchi zusammen, der in den anstehenden 80er Jahren noch mit diversen Endzeit- und Barbaren-Streifen auf sich aufmerksam machen sollte. Das Drehbuch kritzelte Grimaldi dann schnell selbst auf das nächstbeste Stückchen Papier und schon war der Grundstein gelegt.

Sergio: Wo ist Barbara?
Stefan: Hier nicht.
Sergio: Aber ihr Auto steht hier.
Stefan: Ah, die ist schon lange gegangen, ohne ihr Auto, ohne ihr Kleid.
Sergio: Wieso ohne Kleid?
Stefan: Tja, wieso ohne Auto?

Dementsprechend fällt die Handlung des Films dann auch aus, denn tatsächlich passiert durchgehend einfach nichts. Die beiden Hauptfiguren bumsen sich durch diverse Betten und finden am Ende doch wieder zueinander. Allzu interpretationsfreudige Zeitgenossen mögen darin ein Plädoyer für freie Liebe und Ungezwungenheit sehen, Pragmaten erkennen das Skript jedoch als das, was es nun einmal ist: ein Vorwand, um eine Handvoll Softsex-Szenen zu realisieren.

Die werden dann von Kameramann Angelo Lotti, der schon Umberto Lenzis gelungenen Giallo DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS (1972) fotografierte recht durchschnittlich eingefangen, es ist vielmehr Fabio Frizzis, seines Zeichens regelmäßiger Vertoner von Fulcis Werken, genial schmierigem Score zu verdanken, dass die Erotikszenen zumindest einiges an sleazigem Potenzial entfalten. Lotti hingegen sorgt nur einmal für offene Münder, wenn er nämlich minutenlang einer Frau beim Tanzen unter den Rock filmt, während diese von ihrem Tanzpartner betatscht wird. Beeindruckend.

Mädel: Werden wir uns wiedersehen?
Sergio: Äh … nein!

Die US-Amerikanerin Cindy Leadbetter, deren größte Erfolg als Schauspielerin unbedeutende Nebenrollen in Werken wie STAR CRASH – STERNE IM DUELL (1978), ABSURD (1981) oder THE RIFFS III – DIE RATTEN VON MANHATTAN (1984) sein sollten, darf hier einmal in der Hauptrolle belegen, warum sie sonst nie für eine solche besetzt wurde und Schmier-Fachmann Vassili Karis trägt einfach ein weiteres Mal seinen Billig-Charme zur Schau. Um diese Beiden herum gruppiert Gramaldi dann diverse B-Mimen und mit Maurice Poli auch einen durchaus achtbaren Vertreter der schauspielenden Zunft.
Der Rest sind Dialoge, für sich selbst so mancher Porno schämen würde, und diverse eher langweilige Softsex-Szenen. Dass der Film trotzdem kein völliger Rohrkrepierer ist, liegt zum einen darin begründet, dass es innerhalb dieses Genre noch deutlich schlechtere Vertreter gibt und zum anderen daran, dass der Film immer mal wieder etwas Charme aufblitzen lässt. Die Szene, in der drei Wagen nacheinander eine Straße passieren, diverse Diskothekenbesuche oder die unglaubliche Unverblümtheit Barbaras, wenn sie Männer auffordert, mit ihr zu schlafen, sind Details, die den Film für den Freund italienischen Kinos dann doch stellenweise wieder interessant machen. Stellenweise.

Dieser Softsex-Streifen ist wahrlich kein großer Wurf, aber für Freunde des italienischen Kinos liefert er zumindest ein paar charmante Momente. Mehr aber auch nicht.

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