HÖLLENHUNDE DES SECRET SERVICE

Höllenhunde des Secret Service
Superseven chiama Cairo | Frankreich/Italien | 1965
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Geheimagent Martin Stevens (Roger Browne) wird nach Kairo geschickt, um dort ein radioaktives Metall sicherzustellen. Dummerweise wurde dasselbe zu einem Zoom-Aufsatz für eine Kamera weiterverarbeitet und an den ahnungslosen Reisenden Prof. Gabin (Francesco De Leone) weiterverkauft. Zusammen mit der hübschen Faddja (Rosalba Neri) macht sich Stevens auf die Jagd.

Nach diversen Abenteuer- und Sandalenfilmchen stieg Umberto Lenzi 1965 mit HEIßE GRÜßE VOM C.I.A. in das zu jener Zeit stark im Trend liegende Genre des Agentenfilms ein. Und da das Dingen ganz passabel lief, lieferte er nur wenige Monate später mit HÖLLENHUNDE DES SECRET SERVICE einen weiteren Vertreter dieser Gattung nach. Beide Streifen wurden von der Romana Film produziert und es vermag nur recht wenig zu erstaunen, dass mit Fortunato Misiano als Produzent, Angelo Francesco Lavagnino als Komponist, Augusto Tiezzi als Kameramann oder Pier Vittorio Marchi als Ausstatter die gleichen Köpfe hinter beiden Filmen stecken.
Nur für das Drehbuch zeichnet nun, freilich neben Lenzi selbst, Piero Pierotti anstelle des wahrscheinlichen Pseudonyms Wallace Mackentzy verantwortlich. Aber das ändert auch nichts daran, dass das Skript genrekonform auf geradezu tolldreiste Art und Weise Ideen und Konzepte der JAMES BOND-Filme kopiert: ein englischer Agent liebt sich in einer Pre-Title-Sequenz durch diverse Betten bevor ihn sein nüchterner Chef dann mit einem gefährlich, beinahe unlösbaren, Auftrag bedenkt, anstatt mit dem hochverdienten Urlaub.

Yussef: Er starb an einem Messerstich. Eine im Orient weit verbreitete Krankheit.

Mit ein paar Gadgets ausgestattet macht der im Original Superseven genannte Heroe dann, was die Herren Agenten in derlei Filmen halt so tun. Dabei strotzt das Skript vor Logiklöchern und Unsinn und so mancher Anschluss wirkt äußerst gezwungen. Tatsächlich bedienen sich sowohl der rechtschaffende Geheimagent als auch die niederen Widersacher höchst unwahrscheinlich Methoden, um ihren Weg fortzusetzen. Aufgrund einer Puppe der Schweizer Garde mal eben in ebenjenes Land zu reisen (und dort dann auch noch zufällig den richtigen See ausfindig zu machen), ist schon eine sehr waghalsige Weise der Verfolgung. Aber immerhin schafft es der Film so, dem Zuschauer eine durchaus hohe Anzahl an verschiedenen Drehorten (darunter das wunderbar eingefangene Kairo) zu bieten.

Und tatsächlich schafft es Lenzi, all diese an sich völlig durchschnittlichen Genre-Versatzstücke zu einem unterhaltsamen Gesamtwerk zusammenzusetzen. Die Handlung schreitet einfach derart schnell voran, dass es dem Zuschauer kaum möglich ist, die Ungereimtheiten und Fehler zu beachten. Innerhalb weniger Minuten scheucht Lenzi seinen Betrachter durch unzählige Sets und Kulissen, lässt dabei drei Antagonisten sterben und seinen Helden drei Rätsel lösen.
Und auch der Cast kann sich durchaus vom Genredurchschnitt abheben. Roger Browne, der zwei Jahre später als ARGOMAN – DER PHANTASTISCHE SUPERMANN (1967) seinen größten Erfolg feiern sollte, gibt den Bond-Verschnitt nämlich anders als viele Kontrahenten bewusst schmierig und kann genau deshalb punkten. Er wirkt tatsächlich wie eine treffliche Parodie des Vorbilds und kann genau deshalb ernstgenommen werden. Mit Rosalba Neri und Fabienne Dali, ein Jahr später auch in Bavas DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA (1966) zu sehen, gibt es gleich zwei Damen zu sehen, die erstaunlich stark und selbstbewusst daherkommen; wahrlich keine Selbstverständlichkeit in jenen Tagen.

Levantiner: Deine Achillesferse ist nicht deine Neugier, nein, sondern deine verdammte Heroinsucht!

Dina De Santis, die schon in HEIßE GRÜßE VOM C.I.A. mitwirkte, schlägt dann mit ihrer Drogensucht den Bogen zu den Antagonisten, die hier ebenfalls erstaunlich niederträchtig ausfallen. Italo-Größe Andrea Aureli gibt hier als Levantiner einen äußerst hinterlistigen Gegenspieler, der eine Bande anführt, die sich zahlreiche brutale Morde zur Aufgabe gemacht hat. Überdosis und hydraulische Hebevorrichtung inklusive.
Der Rest des schmissig inszenierten und mit einem ordentlichen Score versehenen Films ist dann prototypisches Eurospy-Kino: Da werden radioaktive Metalle einfach so umhergeschleppt, Frauen geliebt und Schergen erschossen. Höhepunkt sicherlich die Szene, in der ein Schweizer Oberbulle eine Klage fallenlässt, weil Herr Superseven beweisen kann, das die Schusswaffe, mit der er zwei Zollbeamte bedroht hat, nur ein Feuerzeug ist. So sah die Agentenwelt in den 60er Jahren eben aus!

Ein an sich austauschbarer Eurospy-Vertreter wird durch Lenzis flotten Vortragsstil und eine überdurchschnittliche Besetzung zu einem erstaunlich unterhaltsamen Vertreter seiner Art.

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