PANIK IN NEW YORK

Panik in New York
The Beast from 20,000 Fathoms | USA | 1953
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Bei einem Atomwaffentest in der Arktis befreienn US-amerikanische Forscher eine urzeitliche Kreatur aus dem Eis, doch da Prof. Tom Nesbitt (Paul Hubschmid) der einzige ist, der das Wesen mit eigenen Augen gesehen hat, will ihm nach seiner Rückkehr nach New York niemand Glauben schenken. Erst als sich die Unglücke häufen wird klar: Das Wesen ist auf dem Weg nach New York …

Nachdem sich der russisch-stämmige, während des zweiten Weltkriegs über Frankreich in die USA geflohene, Eugène Lourié mit zahlreichen Arbeiten als Szenenbildner, darunter einige maßgebliche Werke des Poetischen Realismus in Frankreich, verdingt hatte, sollte er 1953 seine erste von gerade einmal vier Spielfilm-Regiearbeiten übernehmen. Denn Anfang der 50er Jahre wurde KING KONG UND DIE WEIßE FRAU (1933) weltweit zu diversen Wiederaufführungen in die Kinos gebracht und ebnete so den Weg, für eine Dekade voller Monster und Riesenwesen.
Neben diesem Riesenaffen diente Ray Bradburys Kurzgeschichte The Fog Horn als Quell der Inspiration für die Autoren Lou Morheim und Fred Freiberger. Von dieser blieb jedoch letztlich nicht viel übrig, sodass der Kauf der Rechte durch die Produzenten der Jack Dietz Productions eher als höfliche Geste Bradbury gegenüber zu werten ist. Stattdessen floss natürlich der Eindruck der jüngeren Weltgeschichte mit in die Story ein und so ist es ein Atomwaffentest, der das Wesen aus seinem eisigen Schlaf weckt. Könnte man darin noch eine Kritik am unreflektierten Umgang mit dieser Waffe sehen (allein, die die Explosion in Ruhe aus der Nähe betrachtenden Wissenschaftler strafen diese These schon zu Beginn lügen), so wiederspricht spätestens der Einsatz von „positiven Ionen“ zur Zerstörung des Dinos dieser Idee aufs Schärfste. Im Vergleich zu Ishiro Hondas ein Jahr späteren folgenden GODZILLA (1954) lassen sich die unterschiedlichen gesellschaftlichen Konnotationen der Atomtechnik also deutlich ablesen.

Tom: Die Welt besteht seit Millionen von Jahren. Der Mensch geht erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit aufrecht, geistig kriechen wir noch.

Um den Rhedosaurus, der übrigens nie existierte, zum Leben zu erwecken, heuerten die Produzenten dann den jungen Ray Harryhausen an. Dieser hatte bei PANIK UM KING KONG (1949), der zweiten Fortsetzung zum Klassiker von 1933, seine ersten Gehversuche als Tricktechniker gemacht und durfte nun zum ersten Mal hauptverantwortlich die Trickaufnahmen eines Spielfilms leiten. Und tatsächlich sind es vor allem diese Tricksequenzen, die den Film unterhaltsam machen. Insbesondere im letzten Drittel gibt es allerhand Aufnahmen des Rhedosaurus zu sehen, die dank eines Split-Screen mit den realen Aufnahmen kombiniert werden konnten. Auch die Interaktion der Stop-Motion-Bestie mit der Achterbahn fällt beeindruckend aus. Die Abwesenheit des Sauriers in der ersten Filmhälfte hingegen, sorgt für einige Längen.

Denn die Geschichte bleibt abseits der Monster-Auftritte recht blass. Während Honda ein Jahr später menschliche Schicksale und philosophische Exkurse nutzt, um Leid und Entsetzen greifbar zu machen, bleibt Louriés Film hier sehr oberflächlich. Zwar versucht sich Professor Elson an einigen tiefschürfenden Überlegungen, doch letztlich können diese zwei, drei Bemerkungen den ebenso flachen wie vorhersehbaren Handlungsverlauf nicht retten. Das Techtelmechtel zwischen Tom und Lee bleibt ziellos und so hampelt sich die Story in ebenjenem banalen Takt vorwärts, der allzu viele der der US-amerikanischen Sci-Fi-Streifen der 50er Jahre kennzeichnet.

Richie: Jedes Mal, wenn eines von diesen Dingern losgeht, habe ich das Gefühl, wir schreiben das erste Kapitel einer neuen Schöpfungsgeschichte.
Tom: Wir wollen nur hoffen, Richie, das wir nicht das letzte der alten schreiben.

Der Schweizer Paul Hubschmid, der eine Dekade später eine große Nummer im deutschen Fernost-Kino werden sollte, gibt die heroische Hauptrolle dann ordentlich, ebenso wie Paula Raymond, die als willenlose Gehilfin des Professors hier alle Stereotypen jener Tage erfüllt. Der wiederum wird von Cecil Kellaway mit dem typischen Charme eines Hollywood-Veteranen gegeben. Bemerkenswert ist noch der Auftritt von Lee Van Cleef, der hier eine seine ganz frühen Nebenrollen gibt; und es damit bzgl. des Genres seinem späteren Filmpartner Clint Eastwood gleichtat, der zwei Jahre später als Bomberpilot in Jack Arnolds TARANTULA (1955) auftauchte.
Es ist also vor allem die auch heute noch hübsch anzusehende Tricktechnik des Ray Harryhausen, die dem Film seinen Charme verleiht und ebendiese war es 1953 auch, die dem Film, der für knapp 250.000 US-Dollar produziert wurde, ein Einspielergebnis von fast fünf Millionen US-Dollar bescherte. Auch beim Publikum war der Streifen ein Hit und so darf man ihn durchaus als Startschuss für das folgende Jahrzehnt an US-amerikanischen Riesenmonster-Streifen benennen; und ebenso als Grundlage für Hondas bereits erwähnten Geniestreich GODZILLA.

Prototypischer Riesenmonster-Reißer, der seine belanglose – ja teils langweile – Handlung mit bahnbrechenden Tricksequenzen von Ray Harryhausen locker aufzuwiegen vermag. Als Startschuss des US-amerikanischen Riesenmonster-Jahrzehnts und als unmittelbare Inspiration von Ishiro Honda kommt dem Streifen darüber hinaus eine wichtige filmhistorische Position zu.

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2 Antworten zu “PANIK IN NEW YORK

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