WILD BEASTS

Wild Beasts
Wild beasts – Belve feroci | Italien | 1984
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Durch einen Zufall gelangt die Droge PCP mit Hilfe der Wasserversorgung in den Frankfurter Zoo und die Tiere, die von dem versuchten Wasser getrunken haben, befreien sich aus ihren Käfigen und fallen über die Großstadt her. Nur der Veterinär Rupert (John Aldrich) kann mit Hilfe seiner Laborgehilfin und Freundin Laura (Lorraine De Selle) dafür sorgen, dass den wilden Tieren Einhalt geboten wird.

Zwischen 1962 und 1975 respektive zwischen MONDO CANE und MONDO CANDIDO schuf der italienische Regisseur und Drehbuchautor Franco Prosperi sechs Filme, die allesamt dem Mondo-Genre zugeordnet werden und überwiegend zu den bekannten Aushängeschildern dieser semi-dokumentarischen Filmsorte zählen. Danach sollte es fast eine Dekade dauern, bis Prosperi wieder einen Spielfilm veröffentlichte. WILD BEASTS sollte dabei sowohl sein erster Streifen sein, der vollends fiktiv angelegt ist, als auch seine letzte Tätigkeit im Filmgeschäft. Seit dem Ende der 70er Jahre ging Prosperi nämlich wieder seiner eigentlichen Profession, der biologischen und ethnologischen Forschung, nach.
Allzu weit entfernte sich Prosperi von seinen Mondo-Wurzeln allerdings nicht, wählte er doch das Fach Tierhorror für seinen Einstieg in die Welt der reinen Fiktion. Der Umgang mit echten Tieren stellt dabei eine enge Verbindung zu seinen bisherigen filmischen Tätigkeiten dar und verleiht dem Film einen Stil, der immer wieder an Prosperis frühere Werke erinnert. Leider trifft das auch auf das Thema Tierquälerei und Tiertötungen zu.
Anfang der 80er Jahre war es im absteigenden italienischen Genre-Kino bedingt durch die zahlreichen Kannibalen-Reißer üblich, kostengünstig brutale Schauwerte zu erzeugen, indem man reale Tiertötungen filmte. Prosperi bedient sich dieser verabscheuungswürdigen Technik hier exzessiv und lässt so zahlreiche geschmacklose Szenen auf den Zuschauer einprasseln. Dabei sind sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität dieser Sequenzen dazu befähigt, den Filmgenuss nachhaltig zu schmälern, sind es doch immer wieder Szenen, die völlig herzlos und lebensverachtend sind.

Frau: Da haben wir’s mal wieder, wir verbrauchen viel zu viel Energie! 60 Millionen Staubsauger, Kühlschränke und Fernsehgeräte und jeder glaubt, es werde immer so sein. Jeder steckt nur den Stecker in die Steckdose und kümmert sich einen Scheißdreck um alles andere!

Das steht in einem deutlichen Gegensatz zu den zahlreichen Einstellungen, in denen die Lebewesen als Darsteller genutzt werden, ohne dass man ihnen Leid zufügt. Hier werden die Tiere durchaus eindrucksvoll in Szene gesetzt, sodass der Leopard, der Frankfurts Innenstadt durchstreift oder die Elefanten, die einen Flughafen bevölkern, durchaus in Erinnerung bleiben. Letztere Szene wurde noch im ehemaligen Rhodesien und später in Südafrika aufgenommen, bis die Dreharbeiten dort unmöglich wurden. Der Rest des Films entstand im immer wieder hübsch eingefangenen Frankfurt und Umgebung.
Die Tier-Szenen stehen dabei unangefochten im Mittelpunkt des Films, in der Mitte entsteht fast schon eine episodische Dokumentation dessen, was die unbändigen Wesen in der Hessen-Metropole anrichten. Darüber hinaus bleibt Prosperis Ansatz, die Schuld daran den von Menschen entwickelten Drogen in die Schuhe zu schieben, blass. Viel mehr als ein einleitendes Zitate und eine finale Tirade gibt es dazu nicht, stattdessen setzt der Film auf die Angst vor dem ungezähmten Wildtier. Auch andere Handlungsfäden, wie Töchterlein Suzi und ihre ebenfalls PCP-beeinflussten Tanz-Kameraden, bleiben vordergründig und belanglos.

Prosperi konzentriert sich in Sachen Inszenierung vor allem auf zahlreiche Zeitlupen und Nachtsequenzen und richtet seinen Film somit auch formal ganz auf seine animalischen Hauptdarsteller aus. Auf humaner Seite kann John Aldrich als Super-Veterinär kaum punkten, ebenso wie Lorraine De Selle, die als Gloria in Umberto Lenzis DIE RACHE DER KANNIBALEN (1981) zu Bekanntheit gelangte.
Dino Galiano steuerte dann noch eine ordentliche Menge an Gewalteffekten bei, die das Wirken der Tiere verdeutlichen sollen. Dabei gibt es durchaus beachtliche Gore- und Splattereffekte zu sehen, die jedoch oftmals eng mit dem erwähnten Tier-Snuff in Verbindung stehen und deshalb kaum für sich genommen zu betrachten sind. Daniele Patucchis Synthesizer-Soundtrack hingegen ist aller Kritik enthoben und untermalt gerade die Slowmotion-Szenen sehr trefflich.
Was bleibt, ist ein solide inszenierter, inhaltlich völlig belangloser Tierhorror-Streifen, der sich durch seine exzessiven Tiertötungen und –quälereien selbst disqualifiziert. Und als wäre das nicht schon traurig genug, entlarvt der Film zahlreiche deutsche Kritiker und Schreiberlinge, die ebendiesen Umstand entweder völlig verharmlosen oder aber gar nicht erst erwähnen.

Stereotyper Tierhorror, bei dem die grundsätzlich solide Inszenierung nicht gegen die völlig belanglose Geschichte anzukommen vermag. Und selbst, wenn sie das täte, würde das nichts daran ändern, dass der Streifen aufgrund seiner zahllosen Tierquälereien und -tötungen ohnehin nicht zur Unterhaltung taugt.

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