LIANE, DIE WEIßE SKLAVIN

Liane, die weiße Sklavin
Liane, die weiße Sklavin | Deutschland/Italien | 1957
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Liane (Marion Michael) lebt wieder im Dschungel, doch schon kommt Frank (Adrian Hoven), um sie zu ihrem alten Freund Thoren zu bringen. Franks Flugzeug muss auf dem Flug zwischenlanden und nimmt den gefangenen Menschenhändler Frazer (Friedrich Joloff) an Bord, der seinen Bewacher kurz darauf ausschaltet und das Flugzeug zur Notlandung in der Wüste zwingt.

Nachdem sich LIANE, DAS MÄDCHEN AUS DEM URWALD (1956) zu einem wahren Klassenschlager entwickelt hatte, war man im Hause Arca-Filmproduktion natürlich brennend an einem Nachfolger interessiert. Also wurde Ernst von Salomon, der auch schon das höchst überschaubare Skript des Vorgängers zusammenschrieb, damit beauftragt, auf Grundlage von Anne-Day Helvegs in einem deutschen Boulevardblatt veröffentlichten Abenteueroman ein weiteres Drehbuch anzufertigen.
Leider fiel diese Unternehmung noch bescheidener aus als im Vorgänger, denn während der eventuell einige Zeitgenossen mit seinem plakativ-dümmlichen Aufeinandertreffen von sogenannter Zivilisation und Wildnis unterhalten konnte, fällt das dem Nachfolger schon deutlich schwerer. Die Geschichte um Sklavenhändler und hinterhältige Araber ist so konstruiert und langweilig wie nur irgend möglich und endet ebenso vorherseh- wie austauschbar. Der Film macht hier keinerlei Anstalten, seine Ambition, das erneute Zurschaustellen seiner Hauptdarstellerin, zu verbergen.

Krankenschwester: Seien Sie vorsichtig, Herr Frank, wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um!
Frank: Das hat meine Mutter auch schon gesagt.

Denn natürlich steht wiederum Marion Michael im Fokus der Geschehnisse. Wer allerdings nach den sekundenlangen Aufnahmen ihrer entblößten Brust im Original hier auf eine Fortsetzung derartiger Eskapaden hofft, der wird bitter enttäuscht. So hüpft die Michael hier deutlich zugeknöpfter durch die Gegend, was so manch lüsternem Kinogänger den Besuch des Lichtspielhauses nachhaltig vergällt haben dürfte.
Anstelle des braven Hardy Krüger darf nun der deutlich schmieriger auftretende Adrian Hoven ans Werk, was in manchen Einstellungen für einen sehr viel deutlicheren Subtext als noch ein Jahr zuvor sorgt. Während Krüger immer nett und distanziert den großen Bruder gab, können Hovens lüsterne Blicke kaum verhehlen, dass er in Liane mehr als nur die zu beschützende Wilde sieht. Mit Friedrich Joloff als niederträchtigem Allround-Kriminellen und Rik Battaglia, der immerhin noch Nebenrollen in Leones TODESMELODIE (1971) und Damianis und Leones NOBODY IST DER GRÖßTE (1975) bekleiden sollte, als Klischee-Araber gibt es natürlich auch wieder die stereotypen Unholde, die ein solcher Streifen verdient.

Im Gegensatz zum Vorgänger setzt der Film, bei dem Hermann Leitner Eduard von Borsody als Regisseur beerbte, deutlich mehr auf Action und Kurzweil. Anstatt in Hamburg die Unterschiede zwischen Großstadt und Dschungel zu erörtern, wird jetzt vornehmlich in Wüsten umhergerannt und gekämpft. Leider sorgt das aufgrund der quasi nicht vorhandenen Geschichte aber weder für wirkliche Unterhaltung, noch bewahrt es den Film vor den wieder einmal am laufenden Band abgespulten rassistischen Vorurteilen. Sklavenhandelnde Karawanen, Polygamie und natürlich wieder einmal schwarze Wilde, die in einer Plappersprache sprechen und andauernd halbnackt umherhüpfend auf Trommeln einschlagen. Und wie schon ein Jahr zuvor handelt es sich dabei mitnichten um exploitative Darstellung (deren Ironie oder plakative Überhöhung sie vor oben genannten Vorwürfen schützen würde), sondern um einen ungeschönten Beleg, wie sich der deutsche Kleingeist jener Zeit die Welt vorstellte.

Frazer: Ich bring dich irgendwo hin, wo du alles haben wirst, was dir Spaß macht und was dir gefällt.
Liane: Europa?
Frazer: Willst du gern nach Europa?
Liane: Nie!

Dass Erwin Halletz das Gewurschtel dann mit durchaus schmissigen Klängen versorgt und man in Kairo einen ganze Menge an stimmigen Aufnahmen einfangen konnte, ändert so schließlich nichts daran, dass Lianes zweites Abenteuer ebenso baden geht, wie das erste. Das hinderte die Kinogänger des Jahres 1957 jedoch nicht daran, auch diesen Film zu einem finanziellen Erfolg zu machen, sodass Arca vier Jahre später noch LIANE, DIE TOCHTER DES DSCHUNGELS (1961) hinterherschob. Da sich Marion Michael in der Zwischenzeit allerdings bei den Dreharbeiten zu BOMBEN AUF MONTE CARLO (1959) schwer verletzt hatte, konnte man kaum neue Szenen mit ihr drehen und bastelte stattdessen einfach einen Hybriden zusammen, der die Geschichte der ersten beiden Filme noch einmal mit altem Material zusammenfasst. Ein dumm-dreister Abschluss, einer dumm-dreisten Filmreihe.

Etwas mehr Action, ansonsten bleibt alles beim Alten: Tumbe Klischee und rassistische Vorurteile werden ohne jede ironische Distanz auf den Zuschauer losgelassen. Inszenatorisch und schauspielerisch herrscht ansonsten völlige Armut.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s