MACHO MAN

Macho Man
Macho Man | Deutschland | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Box-Champion Dany Wagner (René Weller) lernt die attraktive Sandra Petersen (Bea Fiedler) kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Das gleiche gilt für den Karate-Champion Andreas Arnold (Peter Althof). Doch anstatt sich zu streiten, nehmen die beiden lieber zusammen einen Ring von Heroin-Dealern hoch.

Konnte Alexander Titus Benda 1982 mit seiner Krimi-Komödie DAS NÜRNBERGER BETT noch keinen großen Erfolg verbuchen, so sollte sich das drei Jahre später ändern. Benda, der unter der Flagge der DEF Filmproduktion Nürnberg neben der Regie auch für das Drehbuch und die Produktion verantwortlich zeichnen sollte, erkannte, dass er einen zugkräftigen Namen für sein nächstes Filmprojekt brauchte. Da kam ihm der Boxer René Weller, damals gerade frisch gebackener Bundes- und Europa-Meister im Leichtgewicht gerade recht, denn der verkaufte sich in den Medien seit Beginn der 80er Jahre als Playboy und war unter dem Namen „der schöne René“ und mittels einschlägig bekannter Fotoaufnahmen zu einigem Ruhm gelangt.

Lisa: Bin ich jetzt in der berühmten Jungfrauenfalle von Nürnberg gelandet?
Andres: Natürlich,. Schatz. Und gleich schlägt sie zu. Zack!

Nun kann man eine solche Hauptrolle nicht in eine humorige Krimi-Klamotte stecken, vielmehr muss hier ein Drehbuch voller Dynamit her. Also kritzelte Benda eine hanebüchene Geschichte rund um Heroin, Boxen, Karate und Diskotheken zusammen, die es an jedem Sinn und Zusammenhang mangeln lässt. De facto handelt es sich weniger um ein Drehbuch, als vielmehr um eine Zusammenstellung von Szenen, die den vierköpfigen Cast möglichst abwechslungsreich zur Schau stellen. Allein der Umstand, dass die beiden Kontrahenten im Zwist um Sandras Herz einen Kampf auszutragen beschließen, den sie dann mittendrin abbrechen um spontan eine Bande von Heroindealern aufzumischen, zeigt, dass es hier mitnichten um das Erzählen einer Geschichte geht, sondern einfach darum, die Protagonisten bei ihren Lieblingstätigkeiten zu filmen.
Was für René Wellers Charakter das Boxen, ist für Peter Althofs, der im echten Leben sowohl Karate- als auch Kickbox-Trophäen erringen konnte, Rolle das Karate. Also kann Benda schon mal einen guten Teil der Spielzeit darauf verwenden, die beiden Herren beim Training oder aber bei der Ausübung ihrer Fähigkeiten zu zeigen. Es wird einfach gekloppt und geboxt, was das Zeug hält.

Dem gegenüber stehen das B-Sternchen Bea Fiedler und Jacqueline Elber, die beide bereits im Karl-Dall-Kracher SUNSHINE REGGAE AUF IBIZA (1983) zu sehen waren. Die Damen sind, neben ein paar kleineren Entblößungen der Fiedler, vor allem für die Tanzerei zuständig. Denn neben der Ausübung von Kampfsport bringt der Streifen einen guten Teil seiner Spielzeit auch mit der Zurschaustellung von rhythmischer Bewegung rum. Dabei schenken sich Damen und Herren nichts, und präsentieren wildeste Verrenkungen zusammen mit debilstem Grinsen. Getoppt wird das nur noch von Eurodance-Fachmann Captain Hollywood, der einen feinen Breakdance auf das marode Kneipenparkett legt.

Sandra: Du, jetzt hätte ich richtig Bock auf’n geiles Frühstück. Oh Gott, bin ich kaputt. Gibt’s bei dir was?
Dany: Ach, bei mir gibt’s doch fast alles …

Und so nähern wir uns langsam aber sich der Kernkompetenz des Films: dem Zeitkolorit. Wie kaum ein anderes deutsches Werk zeichnet der Film ein ungeschöntes Bild seiner Zeit. Die Herren bestechen mit unfassbaren Frisuren und passenden Schnäuzern, die Damen stehen dem kaum nach. Weller rennt ausschließlich in viel zu engen Trainingsanzügen herum und die damaligen Adidas-Jacken übertreffen ohnehin alles. Dazu kommen Karottenhosen, Strickpullover sowie Sandaletten und unzählige weitere modische Zeitzeugnisse. Das Ganze wird dann in als Diskothek betitelten Eckkneipen zur Schau gestellt und mit zeitgenössischen Klängen unterlegt. So wird der Streifen letztlich mehr zu einem Sammelsurium an deutscher 80er-Popkultur, als zu einem echten Spielfilm. Denn das Weller und Althof – wir wollen sie so nennen, da sie ohnehin meist sich selber spielen – irgendwelche belanglosen Heroin-Hampelmänner zur Strecke bringen ist völlig unwichtig.
Im Lichte dieses Konzepts erstaunt es auch nicht, dass dieser nüchtern betrachtet völlig inhalts- und zusammenhangslose Streifen sich zu einem bis heute gefeierten Vehikel mausern konnte. Dabei ist weder die Gewalt besonders hart, noch sind die Damen besonders nackt oder nur die Sprüche besonders erheiternd. Es ist einfach die unglaubliche optische Pracht, die dem Zuschauer hier entgegenschlägt, die den Streifen einzigartig macht. Derart unverfälschte Zeitdokumente sind in Deutschland eben rar und genau deshalb wird MACHO MAN vollkommen zu recht immer wieder als „Kultfilm“ betitelt.

Ein Film, der einzig und allein durch seine ungeschönte Zurschaustellung von Zeitkolorit unterhält. Da er das aber mit Bravour tut, fällt der ansonsten allgegenwärtige Dilettantismus quasi nicht in Gewicht.

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