MIKE MORRIS JAGT AGENTEN IN DIE HÖLLE

Mike Morris jagt Agenten in die Hölle
Il raggio infernale | Italien/Spanien | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Agent Mike Morris (Gordon Scott) will eigentlich gerade Urlaub machen, als ihm sein Chef einen Auftrag von äußerster Wichtigkeit überträgt. Die Schergen des listigen Carver (Alberto Dalbés) haben den renommierten Professor Carmichael (Tullio Altamura) inklusive dessen Strahlenkanone entführt und bedrohen nun die gesamte Welt.

Nachdem sich Gianfranco Baldanello im Verlaufe der 50er Jahre bei zahlreichen Sandalenfilmen und anderen Genrestücken als Regieassistent verdingt hatte, sollte er ab 1965 auch selber auf dem Stuhl der Stühle Platz nehmen. Allerdings konnten seine beiden Frühitalowestern 30 WINCHESTER FÜR EL DIABOLO (1965) und UCCIDETE JOHNNY RINGO (1966) nicht für Aufsehen sorgen und werden heute eher als technisch wie inhaltlich unbedeutende Randnotizen rezipiert. 1967 sattelte Baldanello dann um und widmete sich dem gerade florierenden Agenten-Genre.
Die spanische Leda Films Productions und die italienische Meteor Film statteten die Produktion dann mit einem netten kleinen Budget aus, von dem man sich allerdings gleich vier Autoren gönnte. Neben den eher unbekannten Juan Antonio Cabezas und Aldo Cristiani waren allerdings auch Jaime Comas Gil, der bereits unter der riesigen Autorenschaft von Leones FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR (1964) war, und Domenico Paolella, der ebenfalls 1967 als Autor und Regisseur von OPERATION ATLANTIS (1967) bereits Agentenerfahrung gesammelt hatte. Leider greift hier allerdings die Regel der vielen Köche und so stellt das finale Drehbuch selbst innerhalb dieses an stereotypen Geschichten nicht armen Genres ein deutlich unterdurchschnittliches dar.

Lucy: Ach, ihr Männer steckt doch alle bis obenhin voller Komplexe.
Mike: Das würde ich nicht so unbedingt sagen. Ich würde‘ mich jedenfalls bedeutend wohler fühlen, wenn ich bis obenhin voll Whiskey wär‘.

Die Handlung um Professoren, Laserkanonen, Agenten und schöne Frauen könnte altbekannter nicht sein und wurde im ab 1962 boomenden Agentenkino bereits unzählige Male präsentiert. Dazu fehlt dem Skript eine vernünftige Taktung, sodass die Entführung zu Beginn, die eigentlich nur eine Eröffnung vor der Exposition der Figuren darstellt, mal eben 20 Minuten dauert. Derlei struktureller Unfug wird danach konsequent fortgesetzt, sodass der Film es zu keinem Zeitpunkt schafft, einen funktionierenden Rhythmus zu finden.

Gleiches gilt für Hauptrolle Gordon Scott, der sich hier als Bond-Plagiat versuchen darf. Scott feierte seine größten Erfolge in den 50er Jahren als einer der TARZAN-Darsteller und fühlte sich danach in diversen Sandalen-Kloppern recht wohl. Dementsprechend zeigt er seine wohltrainierte Figur am liebsten unbedeckt, was als smarter Agent allerdings nicht allzu oft möglich ist. Scott tut trotzdem was er kann und hampelt so oft es geht oben ohne durchs Bild; an allen anderen Aufgaben, die der Beruf des Schauspielers so mit sich bringt, scheitert er allerdings in schöner Regelmäßigkeit.

Gangster: Entschuldige Sie, wir suchen einen Mann.
Lucy: Bei mir werden Sie da kein Glück haben, ich such‘ nämlich selbst einen, seit zwei Jahren schon.

Immerhin stellen sich ihm mit Nello Pazzafini und Alberto Dalbés zwei Größen der italienischen Kinos entgegen, die zwar ebenfalls nicht brillieren, dem Film aber immerhin einen gewissen Schliff verleihen. Die Damenwelt, vertreten durch Delfi Mauro und Silvia Solar, kommt hingegen so klischeeladen und dümmlich stereotyp weg, wie es in diesem Genre leider allzu oft Usus war. Der Cast ist also nicht dazu befähigt, die schwache Geschichte mittels herausragenden Spiels aufzuwiegen. Um den Fähigkeiten seines Hauptdarstellers trotzdem Rechnung zu tragen, macht der Film dann immerhin eines richtig: er schickt seinen Heroen in zahllose Konflikte, die manchmal mit Muskelkraft, viel öfter aber mit Hilfe von Feuerwaffen gelöst werden. Insbesondere im Finale ballert sich der nur in der deutschen Synchronisation so genannte Herr Morris – mit dem Originalnamen, Bart Fargo, hätte man diesen großartigen deutschen Verleihtitel halt nicht basteln können – dann durch Horden von Gegnern. Dass Gianni Ferrio das dann noch mit einem viel zu fröhlichen Swing-Mix unterlegt, sorgt zumindest in diesen Szenen für eine gewisse Erheiterung.
Aber auch das ändert nichts daran, dass MIKE MORRIS SCHICKT AGENTEN IN DIE HÖLLE ganz klar zu den schwächeren Vertretern der Eurospy-Welle gehört. Vor allem die ebenso langweilige wie rumplig vorgetragene Handlung sorgt dafür, dass hier kaum Freude aufkommt, aber auch die blasse Besetzung und die uninspirierte Inszenierung tragen ihren Teil dazu bei.

Geschichte, Besetzung und Inszenierung bilden hier eine langweilige Troika, die dem Film einen Platz am Ende der Genre-Hitliste sichert. Einzig die Kombination aus viel Geballer und fröhlicher Begleitmusik sorgt kurzzeitig für Abwechslung, rettet der Streifen aber letztlich auch nicht mehr.

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