BLUTNACHT DES TEUFELS

Blutnacht des Teufels
Werewolves on Wheeles | USA | 1971
IMDb, OFDb, Schnitteberichte

Kurz nachdem Guru (Gene Shane) Helen (Donna Anders), Freundin von Adam (Steve Oliver), dem Anführer einer wilden Motorradgang, vorhergesagt hat, dass sie in einem geheimnisvollen Turm grausam zu Tode kommen wird, ereignet sich tatsächlich ein ähnliches Geschick. Doch Helen kommt nicht zu Tode, sondern wird mit einer geheimnisvollen Krankheit infiziert, die sie bald auch an Adam weiterreicht.

Nachdem er sich einige Jahre als Produktionshelfer und Ausstatter im Dunstkreis des Roger Corman durchgeschlagen hatte, sollte Michel Levesque Anfang der 70er Jahre auch zweimal höchstpersönlich auf dem Regiestuhl Platz nehmen. Vor dem durchschnittlichen WIP-Reißer SWEET SUGAR (1972) – gleichzeitig dem Ende von Levesques Karriere als Regisseur – sollte allerdings zunächst ein Beitrag zum seit Mitte der 60er Jahre florierenden Genre des Rockerfilms stehen. Da dieses Thema 1971 allerdings schon weitestgehend abgegrast war, entschied sich der findige Levesque dazu, den Stoff mittels einiger Horror-Elemente ein wenig aufzupeppen.
Zusammen mit David M. Kaufman erschuf er also eine Geschichte, die bekannte Elemente des Motorrad-Kinos mit einer Werwolf-Handlung zu verknüpfen sucht. Dazu gibt es ein paar satanistische Mönche, einen kartenlegenden Hippie innerhalb der Motorradgang und ein paar düstere Vorahnungen. Doch so vielversprechend diese Aspekte eingeführt werden, so umstandslos werden sie in der Folge fallengelassen. Können ein nächtliches Ritual und das Auftreten der Mönche zunächst noch unterhalten, wirft der Streifen all das nach 20 Minuten über Bord und wird zu einem klassischen Vertreter seiner Art.

Adam: Keine Angst, du erfrierst schon nicht. Wir stecken einfach die alten Karren an, das gibt ein schönes Lagerfeuer.
Helen: Warum schlafen wir nicht in den Karren?
Adam: Wir brauchen sie alle für’s Feuer.

Die Bande gurkt dann also zu durchaus trefflicher Musik durch die Gegend und streitet sich um Wein, Weib und die richtige Route. Alles ist völlig episodisch, einen größeren Handlungsrahmen oder irgendwie geartete Motivationen und Beweggründe gibt es nicht. Innerhalb dieser Struktur wirken die nächtlichen Werwolf-Angriff dann genauso sinnvoll, wie der Umstand, dass Helen ihren Adam einer Vampirin gleich in den Hals beißt, um das Werwolf-Dasein an ihn weiterzugeben. Denn die Protagonisten fürchten sich schlicht und einfach gar nicht vor der Bedrohung, da sie sie gar nicht erkennen: Ein denkbar schlechter Grundstein für einen (Semi-)Horrorfilm.

Immerhin gibt es gen Ende dann zunehmend mehr von den im Originaltitel namensgebenden Wölfen zu sehen. Diese erinnern stark an Paul Naschys Interpretation der Bestie und verleihen dem Film so doch einiges an niederem Charme. Trotz ihres ausgesprochen artifiziell anmutenden Charakters sehen sie gelungen aus und wenn sich ein Werwolf dann auf ein Motorrad schwingt und zu psychedelischen Gitarrenklängen durch die Wildnis gurkt, entschädigt das schon für so einiges.
Steven Oliver kommt als Hauptrolle hingegen eher schlecht davon. Oliver sammelte zwar bei Russ Meyers MOTOR-PSYCHO – WIE WILDE HENGSTE (1965) und ANGELS FROM HELL (1968) bereits Genre-Erfahrung, bleibt in diesem Falle allerdings mehr als blass. Gene Shane, seit RUN, ANGEL, RUN (1969) ebenfalls qualifiziert, fällt als Guru hingegen positiv auf und stellt so einen der auffälligeren Charaktere innerhalb des ansonsten völlig austauschbaren Casts dar. Mit Donna Anders schließlich gibt es auch ein Mädel zu sehen, das aber auch nichts anderes macht, als das, was alle Damen in derlei Filmen so tun.

Movie: Sex macht mich so munter, Doktor, und nach’m flotten Dreier kann ich zwei Nächte lang nicht schlafen. Das sollten Sie auch mal versuchen, mein Lieber. Bei richtiger Dosierung würden Sie ständig hellwach sein und dann hätten Sie auch doppelt so viel vom Leben.

Ansonsten gibt es natürlich ellenlange Aufnahmen von Bikern, die durch die Gegend fahren und selbstverständlich sind auch diese Szenen mit irgendwelchen örtlichen Rockerbanden aufgenommen worden. Einige nette Sounds erleichtern den Anblick dieser Szenen und eine launige deutsche Synchronisation tut ein Übriges, damit es immer mal wieder was zu lachen gibt. Trotzdem ändert das alles nichts daran, dass der Streifen sein ohne Frage vorhandenen Potenzial weitestgehend ungenutzt lässt. Die kurzen Momente, in denen die Werwölfe wüten, lassen nämlich immer wieder erahnen, was hier möglich gewesen wäre, wenn man den Pelzträgern mehr Zeit zur Entfaltung eingeräumt hätte. Schade.

Eine tolle Idee wird hier leider nicht adäquat umgesetzt. Die wenigen gelungenen Szenen, in denen die Werwölfe zeigen, was sie können, wiegen das Gros an Rockerfilm-Standards leider nicht auf und so kann sich der Streifen trotz seinem grundsätzlich vorhandenen Potenzial leider nicht wirklich aus dem Genredurchschnitt erheben.

2 Antworten zu “BLUTNACHT DES TEUFELS

  1. Ich habe den Film auch recht enttäuschend im Gedächtnis.
    Die Idee an sich birgt wirklich viel Potential für erstklassige
    (Trash-)Unterhaltung. Jedoch ist die Inszenierung einfach zu lustlos und inkonsequent.

    Gefällt mir

  2. Pingback: RUN, ANGEL, RUN | SPLATTERTRASH·

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