PHANTOM KOMMANDO

Phantom Kommando
Commando | USA | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

John Matrix (Arnold Schwarzenegger), ehemaliger Kopf einer geheimen Spezialeinheit, hat sich mit seiner Tochter Jenny (Alyssa Milano) in den Bergen zur Ruhe gesetzt. Doch als die Schergen des listigen Arius (Dan Hedaya) Jenny entführen und John so zwingen wollen, einen Diktator zu ermorden, entschließt sich dieser, zum Angriff überzugehen.

Mark L. Lester hatte gerade mit DIE KLASSE VON 1984 (1982) einen riesigen und mit DER FEUERTEUFEL (1984) einen durchwachsenen Erfolg vorgelegt, da engagierte ihn der Produzent Joel Silver für ein zünftiges Action-Vorhaben. Silver hatte in enger Zusammenarbeit mit Walter Hill bereits Streifen wie DIE WARRIORS (1979), NUR 48 STUNDEN (1982) oder STRAßEN IN FLAMMEN (1984) produziert und wollte nun ein Stück vom Action-Kuchen abhaben, den ein aufstrebender Österreicher gerade in Hollywood gebacken hatte.
So schneite Silver dann in Schwarzeneggers Büro vorbei, um diesen für das neue Projekt zu begeistern. Mit CONAN – DER BABAR (1982), CONAN – DER ZERSTÖRER (1984) und natürlich TERMINATOR (1984) war dieser zu Weltruhm gelangt und hatte das simple Actionkino gleich mit an die Spitze befördert. Für 1,5 Millionen US-Dollar Gage (immerhin fast ein Fünftel des zehn Millionen US-Dollar umfassenden Budgets) sagte Arnold schließlich zu und Silver konnte ein Drehbuch in Auftrag geben, das gänzlich auf den Hauptdarsteller zugeschnitten werden sollte.

John: Was ist los?
Cindy: Das ist kein Flugzeug, das ist ein Kanu mit Flügeln.
John: Dann steig ein und fang an zu paddeln!

Die frühen Entwürfe von Jeph Loeb und Matthew Weisman, die zusammen auch das Skript für Rob Daniels TEEN WOLF – EIN WERWOLF KOMMT SELTEN ALLEIN (1985) schrieben, konnten Silvers Ansprüchen allerdings nicht gerecht werden, sodass dieser kurzerhand Steven E. de Souza nachnominierte. Der hatte nämlich schon das simple aber funktionale Skript zu NUR 48 STUNDEN geliefert und sollte auch bei diesem Projekt eine ähnlich gelagerte Leistung abliefern.

Denn auch PHANTOM KOMMANDO stellt einfach seine Hauptrolle in den Mittelpunkt zu zimmert Drumherum einige Nebenrollen, die dem Helden dienlich sind. Eine sinnvolle Geschichte braucht es da ebenso wenig, wie Motivationen oder Hintergründe. Schwarzenegger soll einfach ballernd durch die Gegend ziehen, warum sollte man die Angelegenheit da unnötig verkomplizieren? So kommt es dann, dass Arnold Telefonzellen umherwirft, Waffenläden mit Baggern überfällt, ballert, ballert, ballert und das Ganze mit unzähligen Onelinern garniert. Seine Einsilbigkeit ist übrigens deutlich durch den TERMINATOR (1984) inspiriert, auch wenn sie kaum dessen trockenen Charme entwickeln kann. Ein unmittelbares Zitat („I’ll be back“) macht diese Patenschaft noch mal mehr als deutlich.

Diaz: Also, wenn Sie ihre Tochter wiederhaben wollen, dann müssen Sie mit uns kooperieren, richtig?
John: Falsch!

Neben Schwarzenegger mimt Tommy Chongs Tochter Rae Dawn weitestgehend talentbefreit vor sich hin, während Vernon Wells, der seinen ersten großen Auftritt als durchgeknallter Wez in MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER (1981) hatte, den Endgegner gibt. Dummerweise wurde Wells‘ Kostüm für eine vorherige Besetzung geschneidert, sodass er in seinem Baumwoll-Kettenhemd mehr als dämlich aussieht. Macht aber nichts, da seine Rolle ohnehin nur als dümmlicher Antagonist dient. Dan Hedaya als stereotyper Bösewicht mit Migrationshintergrund, David Patrick Kelly als klassischer Unsympath, Bill Duke als Bill Duke und natürlich Alyssa Milano als Klischee-Töchterlein vervollständigen einen Cast, der wie erwähnt nur dazu dient, Schwarzenegger den nötigen Rahmen zu verleihen.

Der bombt und ballert sich dann durch Horden von Widersachern, wobei er ein riesiges Arsenal – welches er während des Angriffs zur Gänze mit sich rumschleppt – anwendet. Dabei kommen auch durchaus blutige Spezialeffekte zum Einsatz, die den Film in Deutschland für 25 Jahre einer Indizierung unterwarfen. So oder so versteht Lester aber sein Handwerk und trumpft gerade in diesen Actionsequenzen richtig auf.

John: Erinnerst du dich, Sully, ich hab dir doch versprochen, dich zuletzt zu töten.
Sully: Ja, Matrix, das stimmt!
John: Das war eine Lüge!

Aber auch abseits des Geballers legt Lester seinen Streifen geschickt als augenzwinkernden Genrekommentar an und untermauert diesen Anspruch mit zahlreichen Sprüchen und reflexiven Kommentaren. Der Film wird so zu einer Essenz des US-amerikanischen Actionkinos der 80er Jahre: Er versteckt seine niederen Ansprüche nicht hinter fadenscheinigen Motiven und halbseidenen Handlungsfäden, sondern nimmt sich humorvoll selbst auf die Schippe. Und während zahlreiche ähnlich gelagerte Genrekollegen an ihrer bierernsten Art scheitern, schafft es PHANTOM KOMMANDO gerade durch diese Lockerheit, einem auch noch den größten Unfug als Unterhaltung zu verkaufen. Da wirkt es selbst erträglich, dass der Baumstämme umherschleppende Arnie zwischendurch noch ein paar Rehe füttert.

Lesters Brachial-Actioner ist einzig und allein auf Schwarzenegger zugeschnitten und verschafft diesem einen weiteren ikonischen Auftritt. Die völlige Armut an Inhalt und Sinn verbirgt der Streifen jedoch hinter einer Fassade aus Action und Augenzwinkern und schafft es so, zu einem vortrefflichen Unterhaltungsfilm zu werden. Klasse!

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5 Antworten zu “PHANTOM KOMMANDO

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