DIE TEUFLISCHEN VON MYKONOS

Die Teuflischen von Mykonos
Ta pedhia tou dhiavolou | Griechenland | 1975
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Das miteinander liierte Geschwisterpaar Christopher (Robert Behling) und Celia (Jane Lyle) verschlägt es auf die Ferieninsel Mykonos. Doch anstatt dort Entspannung und Frieden zu suchen, haben es sich die beiden zur Aufgabe gemacht, die Insel von Perversion zu befreien; oder dem, was sie dafür halten.

Der Grieche Nico Mastorakis war in der 50er Jahren vor allem für das griechische Fernsehen tätig, bevor er dann seine Brötchen unter der griechischen Militärdiktatur zwischen 1967 und 1974 beim staatlichen Propagandafernsehen verdient. Dort zeichnete er für diverse Unterhaltungsformate verantwortlich und stieß dabei mehrfach mit dem Willen der Obristen zusammen, was ihn letztendlich sogar kurzzeitig ins Gefängnis beförderte. Nachdem die Junta Syntagmatarchon dann schließlich 1974 ihr Ende fand, war es Mastorakis wieder möglich, Filme zu drehen, und er sollte diese neu gewonnene Freiheit nutzen, um dem europäischen Exploitationkino einen der wohl dreckigsten und sleazigsten Filme überhaupt zu schenken.
Denn 1974 hatte Mastorakis Tobe Hoopers BLUGERICHT IN TEXAS gesehen und war äußerst erstaunt darüber, dass ein derart mieser und pessimistischer Film einen solchen finanziellen Erfolg darstellen konnte. Also entwarf er ein Skript, dessen einziges Ziel es war, möglichst viele Tabubrüche in sich zu vereinen, um so einen größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Gerüchten zufolge soll Mastorakis dazu zunächst eine Liste mit allerlei Absurditäten angefertigt haben, auf Grundlage derer er dann das eigentliche Drehbuch schrieb.

Celia: Sie sind also Maler? Ich liebe Maler.
Typ: Und ich bin sicher Maler lieben Sie auch.

Und tatsächlich schafft es der Film schon nach wenigen Minuten, seinen Zuschauer bis in Mark zu erschüttern. Gleich nachdem die enge verwandtschaftliche Situation der Protagonisten geschildert wird, macht sich Christopher über eine Ziege her. Danach folgen zahlreiche Morde, die jeder für sich einiges an Zeit in Planung und Ausführung investieren. Minutenlang werden dann Opfer gequält und auf diverse Weisen dem Tode zugeführt. Dabei verwendet Mastorakis sowohl explizite Brutalitäten als auch eine Menge an implizitem Grauen und sorgt so für eine überaus unangenehme Mischung.

Ein Grund für diese unangenehme Grundstimmung ist auch, dass der Rahmen des Films auf das Nötigste reduziert wird. Eine fortschreitende Handlung gibt es quasi nicht, der Film besteht – von dem ebenso miesen wie trefflichen Ende abgesehen – nur aus einzelnen Episoden. Auch die Motivaton des Geschwisterpaares bleibt, abgesehen von der diffusen Zielsetzung, die Perversion auszulöschen, unklar. So bietet Mastorakis dem Zuschauer kaum eine Gelegenheit, eine Distanz zu den Geschehnissen zu entwickeln. Sie sind einfach da, unabdingbar.
Die von Robert Behling und Jane Lyle weitestgehend überschaubar gemimten Hauptfiguren sind somit kaum dazu geeignet, sich mit ihnen zu identifizieren. Aber auch die abstrusen Figuren, die ihnen zum Opfer fallen, sind es nur bedingt. Zu exzentrisch, zu vulgär, zu überzeichnet sind die Opfer, als dass der Zuschauer ihnen wirklich sein Herz schenken könnte. So wird dem Rezipienten jede Einfühlung verwehrt, er bleibt Betrachter der unglaublichen Ereignisse.

Celia: Ich will nur heute Nacht nicht bei ihm schlafen.
Mädel: Fein, ich lade dich zu mir ein!

Diese umfassen dann neben der erwähnten Zoophilie und diversen grausamen Morde auch eine Szene, in der auf eine Frau uriniert wird, die selbiges lustvoll hinnimmt, oder aber das Verbrennen eines Opfers mittels einer Sprühdose und eines Feuerzeugs. Zwischendurch gibt es immer wieder Morde und Unzucht, was überwiegend kostengünstig aber nichtsdestotrotz glaubhaft umgesetzt wird. Innerhalb der schönen landschaftlichen Kulisse von Mykonos entsteht so eine Mischung aus Ästhetik (auch aufgrund von Mastorakis‘ durchaus gekonnter Inszenierung) und Abscheu.
In Anbetracht der eingangs erwähnten Vita Mastorakis‘ kann man nun zu dem Schluss kommen, dass der Film – ähnliche wie DAS LETZTE HAUS LINKS (1972) oder eben BLUTGERICHT IN TEXAS – einen Absang auf die Hippie-Ideale der späten 60er Jahre darstellt. Des Regisseurs eigenen Beteuerungen zur Folge ist der Fall allerdings sehr viel einfacher gelagert und lautet: Tabubruch zur Gewinnmaximierung. Welcher Deutung man nun auch immer den Vorzug geben möchte, es ändert sich nichts an der Tatsache, dass Mastorakis‘ Spielfilmdebut bis heute einer der niederträchtigsten und sleazigsten Streifen ist, den das europäische Kino hervorgebracht hat.

Unfassbar sleazige Zusammenstellung von Tabubrüchen, die bei wirklich Jedem eine Wirkung hinterlassen wird; wie diese dann auffällt, hängt dabei stark vom jeweiligen Rezipienten ab und reicht von Faszination bis zu purem Entsetzen.

2 Antworten zu “DIE TEUFLISCHEN VON MYKONOS

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