DRACULAS TOCHTER UND PROFESSOR SATANAS

Draculas Tochter und Professor Satanas
La mujer murciélago | Mexiko | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Da in und um Acapulco zunehmend maskierte Wrestler verschwinden ziehen die örtlichen Behörden Draculas maskierte Tochter (Maura Monti) hinzu, die sich als äußerst erfolgreiche Verbrechensbekämpferin bewiesen hat. Und schon bald kommt die halbnackte Heldin dem finsteren Professor Satanas (Roberto Canedo) auf die Schliche, der die Hirne der entführten Wrestler in Fische einarbeiten und somit eine Armee von unbesiegbaren Fischmenschen schaffen will.

Schon die Inhaltsangabe lässt keinen Zweifel daran, mit welcher Art von Film man es bei dem Werk von René Cardona Sr. zu tun hat. Sein Landsmann Alfredo Salazar schrieb ihm da nämlich ein Drehbüchlein zusammen, das grundsätzlich versucht, auf der in den USA gerade erfolgreichen Batman-Welle mitzureiten, dabei allerdings derart viele Unglaublichkeiten zusammenschustert, dass es eine wahre Freude ist.
Die deutsche Synchronisation tut ihr übriges, wenn sie die nach wenigen Minuten auftauchende Italienerin Maura Monti, die beinahe ihre gesamte Karriere in Mexiko verbrachte, als Tochter des berühmten Herr Dracula vorstellt und ihr die Motivation andichtet, per Verbrechensbekämpfung die Missetaten ihres Vaters wiederausbügeln zu wollen. Aber auch ohne diesen Hintergrund wird sich der ein oder andere verdutzt die Augen reiben, wenn Frau Monti andauernd halbnackt aber maskiert durchs Bild turnt. Dass sie dabei ein Batman-Kostüm trägt, verdeutlicht noch einmal unverhohlen den gedanklichen Anknüpfungspunkt der Schöpfer.

Satanas: Und nun zu Ihnen: Sie haben mein Gesicht zu einer Fratze gemacht, nun mache ich Sie zu einem Amphibium!

Aus ihrem Wiedersacher machen die deutschen Übersetzer dann mal eben Professor Satanas. Ob eine derart fatalistische Betitelung dabei einem Herrn gerecht wird, der auf einem Schiff mit Gehirnen und Fischen experimentiert, sei mal dahingestellt. Ist aber letztlich auch egal, denn die mexikanische Leinwandgröße Roberto Canedo darf hier Plastikpuppen zu Goldfischen in Aquarien werfen, um dann per Zufügung von Luftblasen eine Verbindung herbeizuführen, die dann per Fernseher dargestellt wird. Klingt nicht nur völlig abstrus, sondern ist es auch. Ansonsten weißt Herr Canedo sämtliche Attribute eines klassischen Mad Scientist auf: Er verfügte sowohl über hehre Ziele, wie beispielsweise die Ergründung des menschlichen Daseins, als auch über niedere Beweggründe, wie etwa sein Vorhaben, die Weltmeere mit Hilfe einer Fischmenschenarmee zu erobern.

Ach ja, der Fischmensch. Nachdem Professor Satanas, unterstützt von seinem von Jorge Mondragón grandios gegebenem Gehilfen Igor, endlich einen solchen geschaffen hat, gibt es massig Einstellungen zu sehen, in denen das Wesen an Land und unter Wasser umherstromert. Dank eines völlig absurden Gummianzugs sieht das äußerst dämlich aus und passt so bestens zum allgemeinen Ton des Films. Dass sich die Schöpfung am Ende gegen ihren Schöpfer wendet, ist wohl derart obligat, dass es keiner weiteren Erwähnung bedarf.

Satanas: Du wirst die Frau, die draußen im Meer schwimmt, hierher bringen. Ich werde sie zu deiner Frau machen, das ist das grausame Schicksal, das ich ihr zugedacht habe!

All diese Unglaublichkeiten werden von Cardona völlig inspirationslos inszeniert und erreichen so über weite Strecken gerade einmal durchschnittliches TV-Niveau. Was das Ganze aber zu einem wirklich wilden Ritt macht, ist der Umstand, dass Cardona sein Werk anscheinend völlig ernstnimmt. Ironie oder Humor gibt es de facto nicht, alles was passiert, ist auch so gemeint. So erst werden Szenen, in denen Draculas Tochter halbnackt und maskiert durch die Gegend latscht und keiner daran Anstoß nimmt zu dem, was sie im Film sind: purem Wahnsinn.
Natürlich gilt es abseits der zahlreichen kongenial-skurrilen Szenen auch einiges an Leerlauf und Quatsch zu durchleben, was dem Film im Kern allerdings nichts anhaben kann. Dieser Streifen ist und bleibt ein seltenes Kuriosum des mexikanischen Rip-Off-Kinos, das gerade wegen der völligen Abwesenheit jeder Ironie allerorten für offene Münder sorgen dürfte. Insbesondere, wenn die strahlende Heldin zum Schluss ihren beiden blassen Sidekicks auf die Arme hüpft, da eine kleine Maus um die Ecke rennt … kein Scheiß!

Mexikanische Mixtur aus Agentenfilm und Superheldenklamotte, die mit einer halbnackten Fledermausfrau, einem Mad Scientist, einem Fischmenschen und jeder Menge an völlig unglaublichem Nonsens durchaus zu unterhalten weiß.

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