PUMA-MAN

Puma-Man
L’Uomo Puma | Italien | 1980
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Professor Tony Farms (Walter George Alton) arbeitet in einem Naturkundemuseum in London und ahnt trotz einer aktuell in den Medien präsenten Mordserie nicht Schlimmes. Doch als es auch ihn eines Tages treffen soll, stellt Tony fest, dass er merkwürdige Fähigkeiten besitzt. Der Azteke Vadinho (Miguel Ángel Fuentes) klärt ihn dann aber zügig auf: In ihm schlummern die Kräfte des Puma-Man und nur er kann den außerirdischen Bösewicht Kobras (Donald Pleasence) davon abhalten, mit Hilfe einer gedankenkontrollierenden Maske die Welt zu erobern.

Neben diversen Italowestern sowie dem Poliziesco-Vehikel IM DUTZEND ZUR HÖLLE (1973) oder dem Exorzisten-Reißer SCHWARZE MESSE DER DÄMONEN (1974) wurschteltet sich Alberto De Martino so durch seine Karriere und sollte so zu Beginn der 80er Jahre – das italienische Kino befand sich zu jener Zeit bereits auf dem absteigenden Ast – in den Bereichen der billigen Ramschunterhaltung ankommen. Und da diverse US-amerikanische Superhelden gerade hoch im Kurs standen und der Spanier Juan Piquer Simón just mit seinem SONICMAN (1979) einiges an Aufmerksamkeit erfahren hatte, dachte sich De Martino wohl, dass nun auch ein Beitrag seinerseits zu diesem Thema gefordert wäre.

Tony: Ist das etwa eine Verführung?
Jane: Nein, nur eine Einladung zur mir heute Abend.

Also schusterte er zusammen mit Poliziesco-Fachmann Massimo De Rita und Luigi Angelo, der 1972 an Roberto Bianchi Monteros SO SCHÖN – SO NACKT – SO TOT mitgewirkt hatte ein Drehbuch zurecht, welches sich ein paar gängige Versatzstücke schnappt und diese in eine überwiegend lahme und austauschbare Geschichte integriert. So hat der Superheld, der zuvor natürlich erst von seiner Besonderheit überzeugt werden muss, dann diverse Heldenfähigkeiten, die jedoch gänzlich unpassend gewählt sind. So kann er als Puma durch die Wand gehen, für zehn Minuten sterben oder eben fliegen.
Letzteres sorgt immerhin für die wohl am dilettantischsten umgesetzten Flugszenen der jüngeren Filmgeschichte. Aber auch neben diesem Gehampel wirkt der Film durchgehend billig und lieblos. Ausstattung und Kostüme fallen teils grausig aus, über die Oberbekleidung des Puma-Man darf man kaum ein Wort verlieren. Einzig das Hauptquartier von Kobras versprüht mit Hilfe der Plastikmasken und einiger Lichteffekte einen gewissen Charme; mehr allerdings auch nicht.

Kobras wird von Donald Pleasence gegeben, der hier kurz vor seinen Auftritten in DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) und HALLOWEEN 2 – DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK (1981) so richtig tief ins Fettnäpfchen tritt. Angeblich bezeichnete er diesen Auftritt mal als den schlechtesten seiner Karriere, was man als Zuschauer wohl ohne zu zweifeln unterschreiben darf. Martino versucht anscheinend, Pleasence‘ Rolle als Reinkarnation von dessen Auftritt als Blofeld in MAN LEBT NUR ZWEIMAL (1967) anzulegen, was jedoch grandios misslingt.

Tony: Das möchte ich gerne auf meinem Grabstein stehen haben: Er war eine Niete als Menscheh und auch als Puma-Man!

Schlimmer ist da nur noch sein Gegenspieler, denn einen derart unfähigen und obendrein unsympathischen Helden, wie ihn Walter George Alton gibt, hat man wohl nur selten gesehen. So fällt der Puma-Man dann nicht nur dümmlich aus, sondern schafft es mittels zahlreicher Feig- und Unhöflichkeiten auch noch dafür zu sorgen, dass er keinen Zuschauer mehr auf seiner Seite hat. Stattdessen wird Miguel Ángel Fuentes dann zum eigentlichen Helden, da er Alton – dessen Portfolio übrigens nur zwei weitere Spielfilme umfasst – immer wieder rettet und zurechtweist. Sydne Rome schließlich macht tatsächlich kaum etwas anderes, als andauernd herumzustöhnen.
Martino inszeniert das Ganze dann in feinster TV-Qualität und Renato Serio unterlegt das Dargebotene mit einem Score von ebensolcher Qualität. Und ohne dem Film etwas Böses zu wollen, entsteht so schlussendlich ein Werk, welches lediglich durch seinen Dilettantismus zu unterhalten vermag. Wer also an der x-ten Flugeinlage des Protagonisten oder einem Finale, in welchem dieses Aero-Kunststück noch mit einem Kampf gegen einen Helikopter verbunden wird, seinen Spaß haben kann, der sollte sich den Streifen bedenkenlos ansehen.

Günstige Superhelden-Klamotte, die ihren zahlreichen Minuspunkten nur einen einzigen positiven Aspekt gegenüberzustellen vermag: Der dargebotene Dilettantismus unterhält je nach Geschmack durchaus einige Zeit.

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