DAS GEHEIMNIS DER DREI DSCHUNKEN

Das Geheimnis der drei Dschunken
Das Geheimnis der drei Dschunken | Deutschland/Italien | 1965
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der CIA-Agent Mike Scott (Stewart Granger) wird zusammen mit seiner Kollegin Carol Eden (Rosanna Schiaffino) nach Hongkong beordert, um dort einem geheimen Schmugglerring auf die Schliche zu kommen. Vor Ort erfährt er Unterstützung durch den ortskundigen Smoky (Harald Juhnke), doch schnell stellt sich die Mission als tödliches Unterfangen heraus.

1962 hatte der deutsche Produzent Wolf C. Hartwig mit dem von ihm produzierten HEIßER HAFEN HONGKONG einen wahren Boom in der bundesdeutschen Kinolandschaft ausgelöst. Seitdem waren es die exotischen Kulissen des Fernen Ostens, die die Kinogänger in die Säle strömen ließen. Also produzierte Hartwig mit seiner Rapid Film derlei Filmchen am Fließband und schuf sich zahlreiche gute Connections innerhalb des asiatischen Filmmarkts. Und da auch noch die JAMES BOND-Filme ab 1962 für Furore sorgten, erschien eine Verquickung der Genre Agenten- und Abenteuerfilm quasi unausweichlich.
Als Regisseur konnte Ernst Hofbauer gewonnen werden, dessen bis dato beachteste Tat der im gleichen Jahr veröffentlichte deutsche Western DIE SCHWARZEN ADLER VON SANTA FE (1965) war. Die Autoren Hannes-Karl Kubiak und Werner P. Zibaso schufen dann auf der Grundlage des Romans La rivière des trois jonques von Georges Godefroy ein simples Skript, welchen den Rahmen für diese völlig auf zügige und kostengünstige Umsetzung bedachte Produktion liefern sollte.

Scott: Ich habe Angst um Carol, hoffentlich passiert ihr nichts. Es müsste beim CIA verboten sein, Frauen zu beschäftigen.

Und so fällt das Drehbuch dann erwartungsgemäß recht blass und uneigenständig aus. Auch ohne ein Kenner der Genres zu sein, kommen einem die Geschehnisse schnell altbekannt vor, Innovation oder eigene Ideen sucht man vergebens. Die Hauptfigur Scott fällt über alle Maßen klischeebeladen aus und übertrifft bzgl. ihrer sexistischen Ausfälle sogar die gängigen Vorbilder aus dem Bereich Eurospy. Die Storyline ist ebenso vorhersehbar wie wendungsarm und trudelt so völlig belanglos dem Finale entgegen. Selbst innerhalb dieses wirklich nicht auf inhaltliche Finessen bedachten Genres, vermag das Skript nur einen der hinteren Plätze zu belegen.

So werden dann bekannte Mimen wie Stewart Granger oder Paul Klinger geradezu verheizt, weil sie in ihren flachen Rollen trotz erkennbarer Mühe kaum etwas leisten können. Rosanna Schiaffino ist als weibliche Agentin natürlich über alle Maßen tollpatschig und dümmlich und dient so nur dazu, etwas falsch zu machen um die Sorge ihres männlichen Gefährten auf sich zu ziehen; was dieser dann auch unnachahmlich kommentiert.
Fast noch schlimmer trifft es die deutschen Größen Juhnke und Frank. Während der Harald immerhin noch ausreichend Screentime für seine Albernheiten zugestanden bekommt, wird Horst geradezu übergangen und dient nur als drittklassiger Grobian. Blanker Hohn, wenn man sich vor Augen führt, in welch strahlenden Produktionen Horst Frank zu jener Zeit ansonsten mitzuwirken pflegte.

Milot: Deine Kanone bekommt Arbeit.

Dass der Streifen trotz dieser eklatanten Mankos durchaus zu unterhalten vermag, liegt an genau dem Konzept, das wie erwähnt schon damals die Kinokassen klingeln ließ. Die wundervolle Exotik der Straßen Hongkong und der umliegenden Gegenden und Straßen zieht den Zuschauer in ihren Bann und lässt vor allem eskapistische Geister für 90 Minuten abtauchen. Die keineswegs überragenden, aber doch immer trefflichen Aufnahmen von Kameramann Werner M. Lenz sorgen dabei für Flair aller Orten und verbinden sich mit Riz Ortolanis Soundtrack zu einem schmissigen Fernost-Erlebnis.
Es liegt also letztlich gänzlich beim Betrachter, ob man den Streifen als zumindest optisch gelungenen Ausflug oder inhaltlich äußerst limitierten Zwangstrip erfährt. Objektiv muss man aber konstatieren, dass es sowohl bzgl. der Abenteueraspekte als auch der Agentenanteile deutlich bessere Werke gibt. Für Genrefreude ist der Streifen aber trotzdem einen Blick wert.

Der an sich ordentliche Cast kann einfach nichts gegen die maue Geschichte und die prototypische Charakterzeichnung ausrichten. Wer allerdings die Fernost-Reißer jener Tage mag, der findet hier einen zumindest optisch und akustisch ansprechenden Vertreter jener Zunft.

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