FEAR AND DESIRE

Fear and Desire
Fear and Desire | USA | 1953
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Vier Soldaten geraten bei einem Flugzeugabsturz hinter die feindlichen Linien. Während sie noch ihre Rückkehr planen, fällt ihnen ein Mädchen (Virignia Leith) in die Hände. Private Sidney (Paul Mazursky) soll auf sie aufpassen, während die anderen die Gegend erkunden, doch er wird verrückt und bringt das Mädchen um.

Nach einigen frühen Engagements als Fotograf begab sich Stanley Kubrick mit den Dokumentarwerken DAY OF THE FIGHT (1951) und FLYING PADRE (1951) auf (kurz-)filmisches Gelände. Die so erweckte Leidenschaft sollte sich dann zwei Jahre später in einem zunächst als The Trap bzw. The Shape of Fear betitelten Projekt niederschlagen. Die rund 4.000 US-Dollar an Produktionskosten besorgte sich der auch als Produzent agierende Kubrick mittels Vorführungen seiner beiden Kurzfilme sowie durch ein Investment seines Onkels Martin Perveler. So war es Kubrick dann möglich, ein Team, bestehend aus fünf Schauspielern, fünf Crewmitgliedern und vier Mexikanern, die er zum Tragen der Ausrüstung angeheuert hatte, in die San Gabriel Mountains in der Nähe von Los Angeles zu verfrachten, um seinen ersten Spielfilm aufzunehmen.

Corby: Kalter Eintopf auf ‘ner flammenden Insel, wir haben gerade den Krieg perfekt definiert, Mac.

Das von seinem High School-Kumpel und späteren Pulitzer-Preis-Gewinner Howard O. Sackler geschriebene Drehbuch weist dabei eine höchst allegorische Form auf. Es ist weder bekannt innerhalb welchen Krieges die Geschehnisse stattfinden, noch welche Parteien daran beteiligt sind. Es gibt nur zwei Seiten, die zudem weitestgehend deckungsgleich sind, da die Darsteller jeweils Doppelrollen innerhalb beider Fraktionen besetzen. So wird es egalisiert, welche Seite was tut, die Menschen sind ohnehin die gleichen.
Neben diesem Grundsatz versucht sich der Film auch an einer Darstellung der Wirren des Kriegs und dem Kontrollverlust der daran Beteiligten. Der spätere Filmschaffende Paul Mazursky steht hier als Private Sidney im Mittelpunkt und darf in seinem Wahnsinn ein Motiv darstellen, welches Kubrick im Verlaufe seiner Karriere in FULL METAL JACKET (1987) noch einmal sehr viel deutlicher aufgreifen sollte. Aber auch das Konzept der Doppelgänger bzw. der Spiegelung von Charakteren stellt einen Grundzug des kubrick‘schen Oeuvres dar, der hier bereits eine erste zaghafte Ausformung erfährt.

Ganz anders verhält es sich mit den technischen Aspekten des Films. Von der späteren genialen Perfektion des Regisseurs ist noch wenig zu sehen, allzu statisch und simpel wirken die meisten Aufnahmen. Lediglich in den Sequenzen, in denen Menschen ihr Leben im Zwielicht aushauchen, lässt sich erahnen, welch großes Potenzial hier schlummert. Kubrick sah das übrigens ähnlich und betrachtet den Film sowohl technisch als auch inhaltlich als Jugendsünde. So versuchte er dann auch, seine Vorführung im Zuge einer Retrospektive in New York zu unterbinden, indem er sämtliche Kopien des Films aufkaufte. Da ihm das auch fast gänzlich gelang, fristete der Film lange Zeit ein quasi unveröffentlichtes Dasein. Ob man dieses Geschehnis nun als aufrichtige Entscheidung oder aber als bloße Imagepflege Kubricks ansieht, liegt wohl im Auge des Betrachters.

Corby: Wenn ihr erst mal versteht, wie ‘ne Mausefalle funktioniert, wenn ihr clever genug seid, könnt ihr sie vielleicht als Sprungbrett nutzen.

Fest steht aber, dass der Film eher zwiespältig rezipiert wurde und seinerzeit nur bei einigen kleineren Festivals Beachtung erfuhr. Auch finanziell rentierte sich der Streifen nicht, da die nachträglich aufgenommenen Tonarbeiten einen Mehraufwand von circa 50.000 US-Dollar mit sich brachten. Kubricks Spielfilm-Debut stellt als einen weder technisch, noch inhaltlich oder finanziell bemerkenswerten Auftakt dar, der heute nur aufgrund seiner filmhistorischen Relevanz als Erstling eines großen Regisseurs Beachtung erfährt.

Weitestgehend belangloses Debut, das lediglich Nuancen des späteren Genies Kubricks erkennen lässt.

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2 Antworten zu “FEAR AND DESIRE

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