DIE GLÜCKSRITTER

Die Glücksritter
Trading Places | USA | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Aus reiner Langweile beschließen die durch Börsengeschäfte reich gewordenen Brüder Mortimer (Don Ameche) und Randolph (Ralph Bellamy) Duke, das privilegierte Leben ihres Angestellten Louis (Dan Aykroyd) mit dem des bettelarmen Billy Ray (Eddie Murphy) zu vertauschen. Doch als die beiden Ahnungslosen dahinter kommen, drehen sie den Spieß um …

Nach seinen Welterfolgen BLUES BROTHERS (1980) und AMERICAN WEREWOLF (1981) standen dem Regisseur John Landis praktisch alle Türen offen. Also engagierte dieser das Autoren-Team Timothy Harris und Herschel Weingrod, um sich der Mark Twain-Geschichten Der Prinz und der Bettelknabe und The Million Pound Bank Note anzunehmen und daraus ein Spielfilmskript zu zimmern.

Mortimer: Anscheinend zahlen wir einigen unserer Angestellten enorme Summen.
Randolph: Um die Mindestlöhne kommt man einfach nicht herum, Mortimer.

Das Ergebnis ist dann eine Komödie, die sich Themen wie sozio-kultureller oder ethnischer Herkunft widmet und daraus eine tolle Parabel spinnt. Die gesellschaftlichen Mechanismen einer auf materielle Werte versteiften Gesellschaft werden spielerisch offengelegt und immer wieder blitzt auch bei den Protagonisten der Hang zu Besitz und Vorurteilen durch. Billy Ray wird so schnell zum Geldsack und Louis ist auch kurz vor Schluss noch nicht geläutert, als er die Entwendung seines Besitzes durch einen „schrecklichen Neger“ für einen Albtraum hält. Dass die beiden Guten am Ende auch gleichzeitig die Wohlhabenden sind (und dieses Ende der finanziellen Leiter somit weiterhin das erstrebenswertere bleibt), darf/muss deshalb trotz allen Humors als implizite Moral gewertet werden.

Das hält den Film jedoch nicht davon ab, sich durchgehend als Komödie zu verstehen und diese Eigenschaft auch immer wieder wundervoll zu präsentieren. Die Exposition von Billy Ray ist brillant und seine schleichende Verwandlung wundervoll und aberwitzig inszeniert. Ebenso erschüttert Louis Absturz, nicht ohne immer mal wieder für Lacher zu sorgen. Wortwitz trifft sich mit Situationskomik auf halbem Wege und macht den Film zu einer äußerst trefflichen Komödie, bei der Landis immer wieder sein Gespür für Timing und Setting beweist.
Eddie Murphy darf nach seinem Debut in NUR 48 STUNDEN (1982) fröhlich weiterplappern und legt hier einen weiteren Grundstein für seine spätere Karriere. Er ist witzig, unkonventionell und forsch und schafft es so nahezu perfekt den Emporkömmling glaubhaft zu geben. Dem steht Dan Aykroyd als Gefallener in nichts nach, wenn er, aus seiner reichen Welt gerissen, ohne seinen von Denholm Elliott wunderbar gegebenen Buttler Coleman zu überhaupt nichts mehr in der Lage ist.

Billy Ray: Ich hab mein Rohr schon öfter verlegt, als du gepinkelt hast!

Jamie Lee Curtis wird als Ophelia leider allzu oft nur auf ihre optische Präsenz reduziert, was ihre Bedeutung für das Funktionieren der Beziehung ihrer beiden Schauspielerkollegen leider ignoriert. Erst durch ihr Wirken wird eine Annäherung der beiden Kontraste möglich und somit die spätere Zusammenarbeit. Es ist also die Prostituierte, die eine Annäherung von Reich und Arm ermöglicht.

Die erwähnten Ressentiments finden dann Körperlichkeit in Form von Ralph Bellamy und Don Ameche. Diese beiden Hollywood-Urgesteine verkörpern all das, was die vermeintliche (weiße) Finanz-Elite ausmacht: Arroganz, Überheblichkeit, Enthobenheit und Rassismus. Sie spielen mit dem Leben anderen Mensch wie mit Aktien und sind dabei aller moralischen Grundsätze enthoben. Hier wirkt die oben bereits angesprochene finale Wendung, die Verwechslung von Armut und Reichtum, gleich doppelt: Während der letztendliche Reichtum der Protagonisten einen mahnenden Zeigefinger darstellt, ist die Armut der Antagonisten die in ihrem persönlichen Weltbild höchste Strafe. Ein weiterer Beleg dafür, dass der Streifen mehr als nur vordergründige Unterhaltung darstellt.

Billy Ray: Ihr habt keine Ahnung, aber davon habt ihr ‘ne ganze Menge!

Daneben sorgen die grandios inszenierte Zugfahrt, Elmer Bernsteins trefflich gewählte Musik sowie zahllose ebenso ungehobelte wie spaßige Sprücheklopfereien für Abwechslung und Unterhaltung. Der Film wurde so völlig zu recht zu einem der erfolgreichsten des Kinojahres 1983 und protegierte die beiden männlichen Hauptdarsteller bei ihren kurz darauf folgenden Karrierehöhepunkten GHOSTBUSTERS – DIE GEISTERJÄGER (1984) respektive BEVERLY HILLS COP – ICH LÖS‘ DEN FALL AUF JEDEN FALL (1984). Er bleibt eine jener großartigen Komödien, die sich ein ernstes Thema zur Grundlage nehmen und daraus einen fantastischen Unterhaltungsfilm schnitzen; ohne den Grundgedanken dabei aus den Augen zu verlieren.

Eine der großen US-Komödien der 80er Jahre, die ein ernstes gesellschaftliches Thema zur Grundlage großartiger Gags und Späße macht, ohne dabei den Anspruch aus den Augen zu verlieren, den Zuschauer zum nachdenken anzuregen. Landis‘ tolle Inszenierung und die fabelhafte Besetzung tun ein Übriges dazu, den Streifen zu einem Klassiker seiner Art zu machen.

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4 Antworten zu “DIE GLÜCKSRITTER

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