THE LOSERS – VERDAMMT, VERKOMMEN, VERLOREN

The Losers – Verdammt, verkommen, verloren
The Losers | USA | 1970
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Link (William Smith) und Duke (Adam Roarke) werden zusammen mit ihrer Motorradgang vom US-Militär angeheuert, um im Vietnamkrieg Geheimaufträge zu erfüllen. Doch anstatt ihrem Auftrag, den gekidnappten CIA-Agenten Chet Davis (Jack Starrett) zu befreien, nachzugehen, nutzen die Rocker die Zeit im Dschungel lieber, um ihren unlauteren Hobbys nachzugehen.

Jack Starrett gab sein Regiedebut 1969 in Form des durchaus erträglichen Rocker-Streifens RUN, ANGEL, RUN. Und da man als Schuster ja bei seinen Leisten bleiben soll, schob er gleich ein Jahr später den nächsten Streifen dieser Spielart hinterher. Begünstigt wurde das durch den Umstand, dass er den Produzenten Joe Solomon und dessen Produktionsgesellschaft Fanfare Films auf seiner Seite wusste, hatte dieser doch mit Filmen wie DIE WILDEN SCHLÄGER VON SAN FRANCISCO (1967), ANGELS FROM HELL (1968) oder eben dem erwähnten RUN, ANGEL, RUN bereits einiges an Rocker-Erfahrung auf dem Kerbholz.
Doch um sich von der Flut an ähnlich gelagerten Werken ein wenig abheben zu können, sollte bei diesem Projekt etwas Besonderes her. Und da der Vietnamkrieg das aktuellste und brisanteste Thema jener Tage darstellte (und somit auch einen lukrativen Filmzweig), entschied man sich kurzerhand dazu, Rocker- und Kriegsfilm miteinander zu verbinden, auf das eine einzigartige Mixtur entstünde.

Duke: Bist du schon mal auf ‘nem Hackmesser durch’n Dreck geritten?

Das führt natürlich die thematische Grundstruktur der jeweiligen Genres ad absurdum, denn der Rockerfilm lebt grundsätzlich von seiner – wenn auch meist höchst plakativen – antiautoritären Grundhaltung. Dessen Protagonisten – die ja auch desillusionierte Nachfolger von Veteranen des Zweiten Weltkriegs darstellen – nun zu Kämpfern an der Seite des Militärs zu machen, mutet schon reichlich skurril an. Aber auch die Strukturen des Kriegsfilms, der allzu oft auch eine Glorifizierung militärischen Gehabes darstellt, werden hier aufgebrochen, indem ein Haufen zerzauster Trunkenbolde zur Rettung herbeieilen muss. Ob diese Mixtur nun genial subversiv oder aber dumm-dreist ist, muss wohl jeder Betrachter für sich entscheiden.
Fest steht aber, dass Starrett dadurch die Möglichkeit erhält, einen Rockerfilm zu inszenieren, der sich stark vom ansonsten sehr stereotypen Genredurchschnitt abhebt. Es wird zwar auch gesoffen und gerauft, dafür gibt es aber fast keine Sequenzen, die ausschließlich musikalisch begleitete Motorradfahrten beinhalten. Um die so gesparte Zeit zu nutzen, ersann Autor Alan Caillou noch ein paar Sideplots, die sich allesamt um Liebschaften vor Ort drehen. Leider sorgen diese Sequenzen eher für Langeweile als für Kurzweil und halten den Film vom Wesentlichen ab.

Denn von Anfang an verspricht der Streifen seinem Zuschauer einen waghalsigen Angriff mittels umgebauter Motorräder. Wenn die Liebeleien dann alle ausgeliebt sind, bauen die Recken ihre Öfen auch endlich um und greifen mit den sehr wehrhaften Kisten – inklusive einem dreirädrigen Ungetüm mitsamt Raketenwerfer – die gegnerische Basis an. Nach ein paar netten Explosionen und Kunstbluteinsätzen – tatsächlich kommt der Film durchaus explizit daher – ist dann aber schon wieder Schluss, denn der Film will sich auch noch die Zeit nehmen, sich aktuell-politisch zu positionieren: So stecken dann natürlich die bösen Chinesen hinter der ganzen Scharade, denn 1970 war der Vietnamkrieg trotz aller Proteste noch in vollem Gange und man wollte es nicht verpassen, dem Zuschauer noch ein eindeutige Botschaft mit auf den Weg zu geben.

Typ: Hey du! Brauchst du Haschisch, Opium oder hast du anzubieten was? Irgendwas Besonderes?
Jackson: Ich kann dir’n Schlag vor’n Hals anbieten!

Mit William Smith – der schon in Starretts Debut dabei war – und Adam Roarke – der in DIE WILDEN SCHLÄGER VON SAN FRANCISCO und DIE WILDEN SCHLÄGER VON ROCKERS TOWN (1969) Erfahrung gesammelt hatte – mimen dann zwei Overacting-Spezialisten in den Hauptrollen vor sich hin. Schön ist das nicht, aber was will man erwarten. Bernie Hamilton als Captain Jackson, der ein paar Jahre später in der Erfolgsserie STARSKY UND HUTCH seinen großen Auftritt haben sollte, wirkt dagegen schon wie ein Meister seines Faches. Ansonsten hampeln verschiedene Halb-Laien durch die Sets im philippinischen Dschungel und machen eben das, was Rocker so machen.
Garniert mit ein wenig nackter Haut und massig dummen Sprüchen liefert Starrett so ein Stück Exploitation par Excellence ab. Er nimmt sich das Beste aus Rocker- und Kriegsfilm und zimmert daraus – ungeachtet aller Genrekonventionen – einen mäßig unterhaltsamen, aber immerhin erfrischend andersartigen Streifen zurecht, der sich zumindest innerhalb des Biker-Kinos einen exponierten Platz erringen kann; wenn auch nur, weil er seine Protagonisten in ein anderes Setting verfrachtet ….

Skurrile Mischung aus Rocker- und Kriegsfilm, die beide Themen ausschlachtet um im Endeffekt ein erträgliches Ergebnis abzuliefern.

2 Antworten zu “THE LOSERS – VERDAMMT, VERKOMMEN, VERLOREN

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