NUR 48 STUNDEN

Nur 48 Stunden
48 Hrs. | USA | 1982
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der abgehalfterte Cop Jack Cates (Nick Nolte) wird Zeuge, wie ein Kollege von dem flüchtigen Sträfling Albert Ganz (James Remar) erschossen wird. Doch alleine kann er den Halunken nicht stellen, sodass er sich einen Gehilfen holen muss. Dumm nur, dass Jack diesen in Person der ebenfalls inhaftieren Quasselstrippe Reggie Hammond (Eddie Murphy) findet.

Der Produzent Lawrence Gordon – der mit EIN STAHLHARTER MANN (1975), DRIVER (1978) und DIE WARRIORS (1979) bereits den ein oder anderen Erfolg in seinem Portfolio stehen hatte – ging Anfang der 80er Jahre mit der Idee hausieren, einen Film über eine Entführung zu drehen. Dabei sollte eine Gouverneurstochter entführt werden und ein mieser Cop sollte diese innerhalb von 48 Stunden retten, da ihm nur so lange ein eigentlich inhaftierter Partner zur Seite stünde.
Roger Spottiswoode wurde mit der Schaffung eines dementsprechenden Drehbuchs beauftragt. Doch das Skript gefiel den Herren bei Columbia Pictures nicht, sodass Larry Gross und Steven E. de Souza zur Überarbeitung herangezogen wurden. De Souza sollte später auch die Bücher für die ersten Teile der STIRB LANGSAM-Reihe oder Mark L. Lesters Action-Granate PHANTOM KOMMANDO (1985) schreiben, doch hier sorgte er erst mal dafür, dass die Storyline ein wenig gestrafft und entschlackt wurde. Mittlerweile war das Projekt von Columbia zu Paramount Pictures gewandert, wo man trotz der Wirren der Vorproduktion willens war, das Projektbudget von einer Millionen US-Dollar zu stellen. Immerhin konnte Lawrence für den Regieposten seinen alten Kumpel Walter Hill gewinnen, der bei den oben genannten Lawrence-Produktionen Regie geführt hatte.

Reggie: Ich bin seit drei Jahren im Knast, ich bekomm‘ schon ‘nen Ständer, wenn der Wind bläst.

Und das war eine gute Entscheidung, denn Walter Hill hatte insbesondere mit DRIVER und DIE WARRIORS gezeigt, dass er den Charme von New York ganz wundervoll einzufangen versteht. Also gibt es auch hier wieder ebenso schmutzige wie eindrucksvolle Aufnahmen der Metropole zu sehen. Der dreckige Charme sprüht aus jeder Einstellung und schafft so denn passenden Rahmen für das zentrale Figurenduo.
Nick Nolte gibt dabei einen klassisch-abgehalfterten Copper, der morgens schon ein wenig Alkohol in den Kaffee kippt, um seine stichelnden Kollegen zu ertragen. Die Figur Cates fällt wie ein Abziehbildchen aus (inklusive zerrütteter Liebschaft, Ärger mit dem Chef und Zynismus allerorten), ist dabei aber derart pointiert gezeichnet, dass das schlicht nicht stört. Der Zuschauer kennt die Figur sowieso schon, bevor sie wirklich eingeführt wurde.

Dem gegenüber steht Eddie Murphy in seiner ersten Spielfilmrolle. Und tatsächlich bietet der Komiker auch hier schon seine unverwechselbaren Kanonaden auf, die später sein Markenzeichen werden sollten. Während das im Verlaufe seiner Karriere jedoch nicht immer auf die Liebe der Zuschauer stieß, ist es hier noch erfrischend echt und authentisch. Im Kontrast zum stoischen Cates sprüht Hammond vor Elan und sorgt so für Schwung im Duett.
James Remar – seit seiner Rolle als Ajax in DIE WARRIORS ebenfalls mit Lawrence und Hill bekannt – gibt den Antagonisten Ganz, der jedoch im Gegensatz zu den beiden Heroen kaum Screentime bekommt; und dementsprechend wenig zu glänzen vermag. TV-Fachfrau Annette O’Toole bleibt ebenfalls eine Randnotiz, ebenso wie Frank McRae als prototypischer Vorgesetzter Haden.

Reggie: Ich erklär‘ dir das. Es ist fünf nach zehn und bis zehn nach zehn will ich meinen Eumel im Bau haben.

All diese durchaus trefflich besetzten Darsteller verblassen vor der brachialen Präsenz von Nolte und Murphy. Einzelne Szenen erreichen geradezu ikonische Größe, Murphys legendärer Auftritt in der Redneck-Kneipe sei hier zuvorderst erwähnt. Aber auch die Dialoge tragen maßgeblich zum heutigen Status des Films bei. Andauernd wird geflucht und gepöbelt was das Zeug hält, Höflichkeit erwartet man dabei vergebens. Homophobie, Sexismus, Rassismus, alles was beleidigt und provoziert wird hier aufgefahren. Neben einigen platten kommen dabei unzählige gelungene Sprüche heraus, die selbst den Vergleich mit den ganz großen Sprücheklopfern jener Zeit nicht zu scheuen brauchen.
Komponist James Horner trug mit einer seiner frühen Arbeiten zum gelungenen Gesamtwerk bei und zusammen mit einigen expliziten Brutalitäten und ordentlichen Action-Sequenzen sorgt das insgesamt für sehr treffliche Action-Unterhaltung; die obendrein zum Vorbild für zahlreiche Actionproduktionen wurde, die auf die humoristische Verquickung verschiedener Charaktere von Gesetzeshütern setzten. Und auch wenn beispielsweise die LETHAL WEAPON-Reihe in fast allen Belangen deutlich ausgereifterer ausfällt, so kann man NUR 48 STUNDEN doch als äußerst gelungenen Startschuss dieses Subgenres betrachten.

Auch wenn die Charaktere sehr stereotyp ausfallen und die Handlung kaum der Rede wert ist, schafft es der Streifen mittels straighter Action und einer Unmenge an legendären Sprüchen für angenehm nonchalante 80er-Unterhaltung zu sorgen.

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10 Antworten zu “NUR 48 STUNDEN

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