SKLAVENMARKT DER WEIßEN MÄDCHEN

Sklavenmarkt der weißen Mädchen
La via della prostituzione | Italien | 1978
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Journalistin Emanuelle (Laura Gemser) ist gerade in Nairobi unterwegs, als sie dort einen vermeintlichen Menschenhandel beobachtet. Wieder zurück in New York trifft sie den zwielichtigen Francis Harley (Gabriele Tinti) erneut und um für ihren Verleger eine tolle Geschichte schreiben zu können, begibt sie sich bewusst in dessen Fänge.

Hatte Joe D’Amato seine Figur Emanuelle in NACKT UNTER KANNIBALEN (1977) noch in einen unwirtlichen Dschungel voller Kannibalen geschickt, so sollte sich die freizügige Journalistin ein Jahr später wieder in sehr viel serientypischeren Gefilden bewegen. Denn Nairobi und New York waren schon mehrfach Schauplätze der BLACK EMANUELLE-Reihe, sodass sich D’Amatos letzter Filmbeitrag zu dieser Serie einer gewissen Redundanz nicht erwehren kann.
So wird dann auch massig New-York-Material aus NACKT UNTER KANNIBALEN wiederverwendet und einfach neu synchronisiert. Aber auch die im Verlaufe des Films auftauchende Ranch, auf der Madame Claude residiert, ist aufmerksamen Kennern bereits aus BLACK EMANUELLE – STUNDEN WILDER LUST (1977) bekannt. Ob dabei die bereits bekannten Drehorte ein weiteres Mal aufgesucht wurden, oder ob schlicht und einfach zuvor nicht verwendetes Material genutzt wurde, ist dabei nicht immer zweifelsfrei zu klären. Es sorgt aber so oder so dafür, dass der Zuschauer im Verlaufe des Films mehr als nur einmal das Gefühl hat, das Gezeigt schon einmal gesehen zu haben.

Giorgio: Ich hab‘ mal gelesen, die schönsten Jahre im Leben einer Frau sind die zehn Jahre zwischen ihrem 29. und ihrem 30. Geburtstag.
Arausani: Den Mädchen nachzulaufen hat noch niemandem geschadet, die Schwierigkeiten beginne, sobald man sie eingeholt hat.

Denn nach dem vorangegangenen Versuch, mittels einiger Brutalitäten Schauwerte abseits der Soft-Erotik zu konstruieren, kehrt das von D’Amato und Romano Scandariato geschriebene Skript wieder in die altgedienten Bahnen der seichten Schmuddel-Unterhaltung zurück. Das Thema Menschenhandel dient dabei als vordergründiger Aufhänger, ohne jedoch wirklich inhaltlich bearbeitet zu werden. Stattdessen gibt es ein paar Versteigerungen zu sehen und danach die jeweilige Dame in Aktion. Im Gegensatz zu früheren Werken der Reihe wurden diesmal allerdings keine Hardcore-Szenen nachgedreht, sodass alles Gebotene im bekannten Rahmen bleibt.

Auffällig ist, dass die Figur Emanuelle – die in NACKT UNTER KANNIBALEN eher zur Nebenrolle verkam – nun wieder die starke Frau im Zentrum des Geschehens geben darf. Dass ihr damit trotzdem nicht die Aufgabe einer emanzipierten Frau zukommt, hämmert D’Amato seinem Zuschauer in der Schlusssequenz noch einmal mit dem sprichwörtlichen Holzhammer ein: Auf die Frage der Seeleute, ob sie denn genügend Geld für die Überfahrt bei sich hätte, öffnet Emanuelle nämlich ganz unverblümt ihren Mantel und gibt zu Protokoll, dass die gerne bezahlen würde; was die Horde lüsterner Seefahrer sich natürlich nicht zweimal sagen lässt. Derartig sexistische Ansichten durchziehen den Film und sorgen dafür, dass man schon nach wenigen Minuten gedanklich abschaltet; quasi aus Selbstschutz.

Emanuelle: Hör‘ mal, es ist das erste Mal, dass ich es mit einer Frau mache. Es gefällt mir sehr gut, nur leider bin ich etwas gehemmt, weißt du. Hättest du etwas Valium? Ich wär‘ dann viel aktiver …

Neben den obligatorischen Laura Gemser und Gabriele Tinti gibt es mit Gota Gobert als Madame Claude eine der Ikonen der Naziploitation zu sehen. Leider fällt ihre Rolle recht klein aus und wird zudem von Nicola D’Eramo als Transvestiten Stefan überdeckt, denn anhand dieser Figur zeigt der Film auch noch kurzerhand seine Engstirnigkeit geschlechtlichen Ausprägungen gegenüber auf. Während Emanuelle nämlich sowohl mit Männlein als auch mit Weiblein verkehrt, ist ihr Stefans Auftreten doch zu skurril; was sie auch deutlich äußert. Freie Liebe wird hier halt nur innerhalb bekannter Geschlechternormen propagiert.
Letztendlich merkt man dem Film also deutlich an, dass die Luft nach fünf BLACK EMANUELLE-Filmen langsam raus ist. Wer wirklichen Sex sehen möchte, der widmet sich lieber der mittlerweile zunehmend legalisierten Hardcore-Pornographie, wer Gewalt und Sensation will, findet ebenfalls bessere Unterhaltung in anderen Sparten. Die immer gleichen Softsex-Szenen gepaart mit der ebenso klischeebeladenen wie langweiligen Story dieses Streifens locken da keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Folgerichtig sollte es für Laura Gemser auch keinen weiteren offiziellen Auftritt als BLACK EMANUELLE mehr geben. Zwar werden die Women-In-Prison-Filme LAURA – EINE FRAU GEHT DURCH DIE HÖLLE (1982) und LAURA II – REVOLTE IM FRAUENZUCHTHAUS (1983) der Reihe manchmal zugerechnet, grundsätzlich handelt es sich bei Bruno Matteis Knast-Reißern aber um eigenständige Werke.

Der letzte offizielle Auftritt der schwarzen Emanuelle verkommt zu einer Mixtur aus Altbekanntem und bereits Gesehenem; und ist so eigentlich nur für Komplettisten und beinharte D’Amato-Jünger von Interesse.

Eine Antwort zu “SKLAVENMARKT DER WEIßEN MÄDCHEN

  1. Pingback: BLACK EMANUELLE – STUNDEN WILDER LUST | SPLATTERTRASH·

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