DIAMANTENFIEBER

Diamantenfieber
Diamonds Are Forever | Großbritannien | 1971
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Eine riesige Menge an Diamanten kommt abhanden und keiner weiß wo die Klunker geblieben sind, also wird James Bond (Sean Connery) auf den Fall angesetzt. Diesen verschlägt es dann zusammen mit Tiffany Case (Jill St. John) nach Las Vegas, wo er seinem Erzfeind Blofeld (Charles Gray) unerwarteter Weise wiederbegegnet.

Obwohl IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT (1969) ein erstklassiger – und im Gegensatz zu seinen Vorgängern angenehm bodenständiger – JAMES BOND-Film war, konnte er keineswegs derartige Erfolge verbuchen wie seine Vorgänger. Ob das am weniger übertriebenen Setting lag, an der ruhigeren Inszenierung vom eigentlichen Cutter der Serie, Peter R. Hunt, oder aber an der Umbesetzung der Hauptrolle, sei an dieser Stelle dahingestellt. Fest steht aber, dass man auf Seiten der United Artists, welche den größten Verleiher der Serie darstellten, der festen Überzeugung war, dass nur eine Rückkehr von Sean Connery für einen sicheren (finanziellen) Erfolg des nächsten Bondfilms würde sorgen können.
Dabei hatte man im Hause Eon Productions bereits einen Vertrag mit John Gavin abgeschlossen, dem man die Fähigkeit zutraute, das Franchise in eine US-amerikanischere Form des Filmwesens zu begleiten. In dieser Neuausrichtung sah man nämlich die besten Chancen für die Filmreihe, auf dem sich wandelnden Filmmarkt zu bestehen. Auch deshalb zeigten sich die Produzenten mit dem vom etatmäßigen Drehbuchautoren der Reihe, Richard Maibaum, geschaffenen Skript nicht einverstanden. Mehrfach musste dieser seinen Entwurf überarbeiten und letztlich stellt man ihm den US-Amerikaner Tom Mankiewicz zur Seite, auf das jener dem Skript die nötige Prise USA verleihe.

Tiffany: Ich ziehe mich an.
Bond: Oh nicht, nicht meinetwegen!

Trotz dieses Konzepts beharrte man bei UA weiterhin auf Connery und obwohl dieser sich nach den Erfahrungen bei den Drehabreiten zu MAN LEBT NUR ZWEIMAL (1967) standhaft weigerte, konnte er den angebotenen 1,25 Millionen US-Dollar an Gage letztlich doch nicht wiederstehen. Dazu gab es noch 12,5% Gewinnbeteiligung und schon war Connery (somit bestverdienendster Darsteller jener Zeit) mit an Bord. Gavins Vertrag wurde aufgelöst, jedoch bekam der Darsteller trotzdem sein gesamtes Salär ausbezahlt.

Auch Bond-Erzfeind Blofeld wurde wieder einmal umbesetzt. Statt Telly Savalas darf nun Charles Gray – der 1967 in MAN LEBT NUR ZWEIMAL als Kontaktmann Henderson noch auf Bonds Seite stand – den genialen Oberschuft geben. In einer zeitweiligen Doppelrolle (die Idee stammt von Mankiewicz) schafft dieser es dann auch durchaus zu überzeugen, auch wenn ihn das Drehbuch gen Ende etwas dümmlich dastehen lässt.
Jill St. John darf sich des Weiteren als Bondgirl probieren. John hatte ihren Durchbruch 1960 mit dem Fantasy-Heuler VERSUNKENE WELT gefeiert und gibt hier eine durchschnittliche Leistung zu besten. Das liegt jedoch weniger an etwaig mangelnden Fähigkeiten, sondern vor allem an der grundsätzlich unstimmigen Konzeption des Films.

Bond: Tiffany Case, ein kostspieliger Name.
Tiffany: Ich wurde bei Tiffany geboren, im ersten Stock. Meine Mutter war gerade dabei sich einen Trauring auszusuchen.
Bond: Na, da können Sie ja von Glück sagen, dass es nicht bei Woolworth war!

Da die Idee, den britischen Gentleman zu einem coolen Draufgänger werden zu lassen, trotz der Umbesetzung beibehalten wurde, versuchte der Regisseur Guy Hamilton, der 1964 bereits der prototypischen Bondfilm GOLDFINGER inszeniert hatte, nämlich, die Reihe irgendwie zu novellieren. Das äußert sich leider in zahlreichen unstimmigen Szenen, die die Figur Bond eher konterkarieren als neu erfinden. Nur selten blitzt der alte Charme des Briten auf, viel zu oft suhlt er sich in Überheblichkeit und dummen Sprüchen. So mangelt es dem Film also vor allem an der serientypischen Unangreifbarkeit seiner Hauptfigur. Gerade nach dem trocken-gekonnten Auftritt von George Lazenby ein herber Rückschritt.

Und beim Vergleich von IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT und DIAMANTENFIEBER wird das alles nochmal mehr als deutlich. Während erster geradezu kongenial mit einem dramatisch-traurigen Finale schließt, hat letzter keine Ahnung, was er mit dieser Vorlage anfangen soll. Anstatt nun eine von Emotionen getriebene Verfolgung des Mörders von Bonds Frau zu inszenieren, frühstückt der Film diese Rache in der Pretitle-Sequenz auf halb-komödiantische Art ab und geht danach zum Tagesgeschäft über. Hier wurde tatsächlich mehr als nur ein bisschen Potenzial verschenkt.

Bond: Ein hübsches kleines Nichts, das Sie da beinahe anhaben.

Frei von Kritik ist dann aber – ein weiteres Mal – Ken Adams Set- und Artdesign. William Whytes Penthouse sieht fabelhaft aus, die Forschungseinrichtung ebenso und die Wahl der Wüsten-Villa in Palm Springs ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Auch der Kampf gegen die beiden Mädels in der Villa unterhält, ebenso wie viele weitere kleine Szenen für Lacher und große Augen zu sorgen vermögen. Es ist also nicht so, dass DIAMANTENFIEBER ein schlechter Bondfilm wäre; vielmehr wirkt seine naiv-alberne Art im Vergleich zu seinem ebenso ernsten wie düsteren Vorgänger schlicht deplatziert und pubertär.
Die Kinogänger empfanden das jedoch anders und begrüßten die spektakuläre Rückankunft Connerys mit einem wahren Run auf die Kinosäle. Sieben Millionen US-Dollar an Budget standen weltweit knapp 120 Millionen an Einkünften gegenüber, was die Produzenten in ihren Entscheidungen bestätigte. Doch was für die Kasse gut ist, muss für die Kunst noch lange gut sein. Sean Connery, der seine Agentenkarriere mit diesem Auftritt endgültig an den Nagel hängte, erhielt zwar gutes Geld – dessen Großteil er übrigens einem schottischen Fond zur Unterstützung von Künstlern übergab – muss sich jedoch retrospektiv ankreiden lassen, hier seinen schlechtesten JAMES BOND-Film abgeliefert zu haben. Nach MAN LEBT NUR ZWEIMAL war er – trotz zu erahnender Schwächen – noch unanfechtbar, nach DIAMANTENFIEBER war das nichtmehr der Fall …

Connerys Rückkehr füllt zwar die Kassen, kann allerdings nicht kaschieren, dass die goldenen Zeiten des britischen Agenten vorbei sind; zu unstimmig, zu albern fällt die Neuausrichtung des Franchise‘ aus. Zwar sind die Einzelkomponenten gelungen, das große Ganze ist es aber sicherlich nicht.

5 Antworten zu “DIAMANTENFIEBER

  1. Pingback: IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT | SPLATTERTRASH·

  2. Pingback: MAN LEBT NUR ZWEIMAL | SPLATTERTRASH·

  3. Pingback: LEBEN UND STERBEN LASSEN | SPLATTERTRASH·

  4. Pingback: DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT | SPLATTERTRASH·

  5. Pingback: SAG NIEMALS NIE | SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..