DREDD

Dredd
Dredd 3D | Großbritannien/Indien/Südafrika/USA | 2012
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Judge Dredd (Karl Urban) bekommt die telepathisch begabte Anderson (Olivia Thirlby) an die Seite gestellt, um in der Makropole Mega City One aufzuräumen. Ihr erster Einsatz führt sie sogleich in den Wohnblock Peach Trees, wo die rigorose Ma-Ma (Lena Headey) ein grausames Regime führt. Als der Wohnblock dann notabgeriegelt wird, sitzen die Judges in der Falle.

Danny Cannons Klassiker JUDGE DREDD (1995) zählt zu den bedeutendsten Action-Reißern der 90er Jahre. Neben seiner popkulturellen Bedeutung steht der Film aufgrund seiner unschönen Mischung von reaktionärem Gehabe und fröhlichem Geballer immer wieder in der Kritik. Ein Reboot sollte die unüberschaubar große Anzahl an Produzenten um den leitenden Andrew Macdonald – der neben der modernen Zombie-Werken 28 DAYS LATER (2002) und 28 WEEKS LATER (2007) auch den Drogen-Klassiker TRAINSPOTTING (1996) und den gelungenen Science-Fictioner SUNSHINE (2007) produziert hat – also vor allem vor die Herausforderung stellen, dieses – in den 90er vielleicht noch funktionale – Konzept in die 2010er Jahre zu transportieren.

Dredd: Ich hab mich gefragt, wann du merkst, dass du deinen Helm vergessen hast?
Anderson: Sir, ein Helm stört eventuell meine mentalen Fähigkeiten!
Dredd: Ich glaub ‘ne Kugel im Kopf noch mehr …

Und tatsächlich gelingt das dem Film relativ gut, was vor allem zwei Gründe hat: Zum einen verzichtet das von Donalds langjährigem Gefährten Alex Garland verfasste Drehbuch bewusst auf eine Rahmenhandlung, die sich derart in moralisch-ethischem Kram verheddern könnte, wie es 1995 der Fall war, und zum anderen besetzt und zeichnet man die Figur Dredd bewusst so, dass der Zuschauer nicht gezwungen ist, mit dieser zu sympathisieren.
Denn genau das war bei JUDGE DREDD das Problem. Sylvester Stallone zog als Actionheld alle Zuschauer auf seine Seite. Dabei ist die Figur Dredd entsprechend ihrer Herkunft aus der Comic-Reihe 2000 A.D. eine gesichtslos-unsympathische, die eher den Groll als die Zuneigung der Leser auf sich zieht. Zwar fällt Karl Urbans Darbietung im Jahre 2012 auch nicht wirklich abstoßend aus, aber Freunde macht er sich auch nicht. Denn tatsächlich ist er nicht ein Mal ohne Helm zu sehen. Lediglich eine Einstellung im Profil lässt sein Antlitz erahnen, ansonsten starrt der Zuschauer einen Helm an.

Daneben mutiert Olivia Thirlby zur de-facto-Hauptrolle und kommt dabei durchaus ordentlich weg. Ihr Zwist mit Wood Harris als Kay funktioniert und sorgt so für ein kleines bisschen charakterliche Tiefe. Ansonsten sind die Figuren nämlich eher Abziehbildchen. Die toll geschminkte und aufspielende Lena Headey – bekannt als Gorgo aus 300 (2006) – ist einfach böse und fertig, ebenso wie all ihre Untergebenen. Der Film reduziert sich hier bewusst, um sich voll und ganz auf seine Stärken zu konzentrieren.
Diese spielt er dann immer wieder in Form von Action, Härte und einem gelungenen Artdesign aus. Die Kämpfe sind knallhart und überwiegend realistisch. Mit Kunstblut und Splattereffekten wird nicht gespart, sodass einige Einstellungen klar den jugendfreien Bereich verlassen. Dazu kommt eine stimmige Ausrichtung der Sets, die zwischen Cyberpunk und Endzeit einen durchaus eigenständigen Stil kreieren. Peach Trees wirkt lebendig und funktional, und gibt so einen trefflichen Rahmen für die Geschehnisse ab.

Dredd: Wie wollt ihr’s, Jungs? Entweder Leichensack oder Jugendhaft, macht keinen Unterschied für mich.

Als 3D-Streifen produziert spart der Film natürlich nicht an eigens für die Art der Präsentation eingefügten Einstellungen und Szenen, von denen sicherlich die Drogen-Sequenzen am einprägsamsten sind. Diese sehen zwar äußerst artifiziell, nichtsdestotrotz aber gelungen aus und werden obendrein durchaus sinnvoll in den Film integriert. Somit hat der Streifen vielen seiner 3D-Kollegenen durchaus etwas voraus.
Der Rest ist knackige Nonsens-Action, die Regisseur Pete Travis durchweg gelungen inszeniert. Die Konzentration auf die Geschehnisse innerhalb des Wohnblocks geht gar so weit, dass keinerlei Einflüsse von außen von Nöten sind, um den Film zu tragen. Der Auftritt der drei korrupten Judges wirkt da schon fast überflüssig.
Gar nicht überflüssig ist aber der Film als solches, stellt er doch einen gelungenen Kontrast zu der Masse an weichgespülten Action-Filmchen dieser Zeit dar. Der Film ist straight, hart und dreckig und umgeht den moralisch-ethischen Fauxpas des Originals leichtfüßig. Da ist es schon mehr als erstaunlich, dass der Film mit 35 Millionen US-Dollar an weltweiten Einspielergebnissen nicht einmal sein rund 50 Millionen betragendes Budget wieder einspielen konnte. Das schließt eine Fortsetzung wohl aus; und das ist sehr schade.

Knallharte Action in toller Optik, die sich bewusst alle unnötigen Mätzchen spart und genau deshalb durchweg gut unterhält.

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