EIN TURBO RÄUMT DEN HIGHWAY AUF

Ein Turbo räumt den Highway auf
Car Crash | Italien/Mexiko/Spanien | 1980
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der erfolgreiche Rennfahrer Paul (Joey Travolta) und seine Partner Nick (Vittorio Mezzogiorno) werden von Gangstern aus dem Rennzirkus gedrängt. Doch ein alter Kumpel vermacht den beiden einen unbesiegbaren Flitzer, mit Hilfe dessen die beiden Freunde es dem zwielichtigen Eli Wronsky (Ricardo Palacios) heimzahlen wollen. Doch das Auftauchen der Antiquitätenhändlerin Janice (Ana Obregón) bringt alle Pläne durcheinander.

Die Erfolge von Hal Needhams EIN AUSGEKOCHTES SCHLITZOHR (1977) und DAS AUSGEKOCHTE SCHLITZOHR IST WIEDER AUF ACHSE (1980) machen auf den italienischen Unterhaltungsfilmer Antonio Margheriti einen derart bleibenden Eindruck, dass dieser 1980 daranging, ebenfalls ein paar Märker mittels flotter Highway-Unterhaltung zu verdienen. Und während Needham an seinem starbesetzten Streich AUF DEM HIGHWAY IST DIE HÖLLE LOS (1981) bastelte, veröffentlichte Margheriti mit EIN TURBO RÄUMT DEN HIGHWAY AUF (da der Film in Deutschland erst 1982 in die Kinos kam, orientiert sich der Titel an Needhams Streifen) eine kostengünstige Adaption des erfolgreichen Grundgerüsts.
Das Skript aus der Feder von Marco Tullio Giordana und Massimo De Rita – der mit Büchern zu Sollimas BRUTALE STADT (1970) und Castellaris RACKET (1976) bereits sein Geschick unter Beweis gestellt hatte – ist dann erwartungsgemäß mit zahlreichen Löchern versehen: Plötzlich sind die Typen in Mexiko und bekommen eine neue Karre, dann werden Antiquitäten „verscheuert“ und zertrümmert. Zwischendurch wird vornehmlich durch die Gegend gefahren und Unsinn geredet. Dass der bestohlene Antiquitätensammler mal eben zum Mitstreiter mutiert, fällt da kaum noch ins Gewicht.

Paul: Hab‘ ich Sie nicht schon mal irgendwo gesehen? Machen Sie nicht die Reklame für Einbalsamierungen?!

Stattdessen macht Margheriti das, was er – abgesehen von dem ein Jahr zuvor veröffentlichten ASPHALT-KANNIBALEN (1980) – eben immer macht: Er präsentiert flotte und unkomplizierte Unterhaltung angereichert mit hübscher Tricktechnik. Die Rasereien sind ansprechend gefilmt und wenn gen Ende zunehmend mehr Explosionen die Leinwand erhellen, dann zeigt sich die Leidenschaft des Regista für Miniaturen ein weiteres Mal. Und tatsächlich sehen die kleinen Fahrzeuge prächtig aus, wie sie da durch die gelungene Wüstenei preschen und an wuchtigen Explosionen mangelt es ohnehin nicht.

In Sachen Besetzung versucht sich der Film an einem großen Coup, der jedoch nicht so recht funktionieren will. Denn da das Highway-Kino mit seinen unendlichen Weiten und Wüsten nun mal ur-amerikanische Interessen bedient, sollte mit Hilfe von Joey Travolta auch ein aus diesem Lande stammender Hauptdarsteller als Zugpferd herhalten. So erhoffte man sich von John Travoltas – der gerade mit NUR SAMSTAG NACHT (1977) und GREASE (1978) abgeräumt hatte – vier Jahre älterem Bruder einiges an Beachtung, was jedoch nicht so recht gelingen wollte. Joey gibt eine ordentliche, aber letztlich blasse Performance ab und nur die deutsche Synchronisation (die übrigens an sich dafür sorgt, dass der Film in Relation um Originalton einiges an Kalauerpotenzial hinzugewinnt) ruft seinen deutlich berühmteren Bruder ein paar Mal ins Gedächtnis.

Nick: Trouble haben wir sowieso, ich meine wir riskieren täglich unsere Rüben für schutzlose Mütter!

Vittorio Mezzogiorno, bekannt aus Mario Caianos Poliziesco DIE LETZTE RECHNUNG SCHREIBT DER TOD (1976), gibt einen stotternden Sidekick, der es seinem Partner gleich tut und schon wenige Minuten nach Genuss des Films wieder aus der Erinnerung verschwindet. Aber bei einem derart dünnen Drehbuch kann man den Darstellern wohl kaum vorwerfen, dass ihre Rollen es an ikonischer Größe vermissen lassen. So überzeugen auch die Spanierin Ana Obregón und Tausendsassa John Steiner nur mäßig und einzig Ricardo Palacios bleibt mit seiner – wieder einmal – unglaublich feisten Darbietung über dem Schnitt.
Inmitten von Mittelmaß und Belanglosigkeit ist es also wieder einmal Margheritis Können was Inszenierung und Unbekümmertheit anbelangt, welches den Film für Freunde PS-schwangerer Asphalt-Unterhaltung zu einem durchaus unterhaltsamen Zeitvertreib macht. Und die deutsche Kalauer-Synchronisation hält für alle anderen zumindest ein paar echte Klopper bereit.

Wahrlich kein Hit, aber dank flotter Inszenierung, ein paar netter Tricks und einer schmerzbefreiten deutschen Synchronisation kann auch dieser Streifen durchaus unterhalten. Margheriti weiß halt, wie es geht.

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